Obwohl vier der zehn Austragungsstätten Neubauten sind – Bordeaux, Lille, Lyon und Nizza gaben dafür je 200 bis 380 Millionen Euro aus. Fünf weitere Stadien wurden umfassend renoviert; nur das Stade de France ausserhalb von Paris, das für die Fussball-WM 1998 eingeweiht worden war, brauchte kein Facelifting.

Rechte für ein halbes Jahrhundert

Die budgetierten Einnahmen während der EM halten sich für die zehn Spielorte in Grenzen: Kleine Stadien wie Toulouse oder Lens rechnen «nur» mit 60 Millionen Euro Zuschauerausgaben.

Ähnliche Einnahmen werden nach der EM aus zukünftigen Fussballspielen, Musikkonzerten und ähnlichen Veranstaltungen in den neuen oder erneuerten Stadien erwartet. Unter dem Strich sollen die EM-Auslagen für alle zehn Städte mit schwarzen Zahlen enden.

Langfristig ist das weniger sicher. Die privaten Bauherren Vinci, Bouygues und Eiffage haben die Stadien auf eigene Kosten gebaut oder renoviert, im Gegenzug aber auch die Rechte daran für fünfzig Jahre erhalten. Und die drei Grosskonzerne verlangen von den Stadtbehörden hohe Stadionmieten – im Stade Vélodrome in Marseille zum Beispiel zwölf Millionen Euro pro Jahr. Vom Fussballklub Olympique Marseille (OM) bezieht die Stadt aber nur drei Millionen Euro Jahresmiete.

Francois Hollande.

Francois Hollande.

Einziger Nutzniesser dieses Dreiecksgeschäftes ist Bouyugues. OM-Fans zeigten dem Bauriesen deshalb auf Twitter verschiedentlich die rote Karte.

Insgesamt rechnet Frankreich mit einem EM-Umsatz von 2,8 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte entfällt auf die Bauten und die Organisation. 1,2 Milliarden sollen von den Besuchern ausgegeben werden – davon 800 Millionen durch Ausländer.

Die 38 Prozent ausländischen Zuschauer mit Stadionplätzen sollen jeden Tag 500 Euro ausgeben – Hotel inbegriffen. Ausländer, die sich mit den unentgeltlichen Fanmeilen begnügen – aus den unmittelbaren Nachbarländern werden Zehntausende erwartet –, sollen immerhin noch 150 Euro pro Tag ausgeben.

Imagegewinn dank EM

Mit diesen Zahlen rechnet jedenfalls das französische «Zentrum für Sportrecht und –wirtschaft» CDES in einer Studie. Sportexperten sind etwas skeptischer. Pierre Rondeau, Wirtschaftsprofessor an der Sorbonne, meint, man müsse «relativieren»: Wegen der Terrordrohung und anderer, eher konjunktureller Faktoren sei es unsicher, wie viele Besucher namentlich in die Fanmeilen kämen.

Auch in Frankreich habe man den finanziellen «Niederschlag» solcher Turniere schon öfters überschätzt. Bei der Rugby-WM von 2007 rechnete Frankreich mit einem Milliardenumsatz; zum Schluss blieben aber nur 540 Millionen Euro.

Frankreich als Ganzes setzt indessen nicht nur auf das EM-Business. Fast noch wichtiger ist die Imagewirkung als Reiseland – namentlich für Paris, das touristisch unter den Terroranschlägen von 2015 gelitten hat. Deshalb auch scheuen die Behörden keinen Aufwand, weitere Attentate mit allen Mitteln zu verhindern.

Hollande der grösste Fan

Präsident François Hollande hofft laut der Zeitung Le Figaro vielmehr auf einen «Effekt der guten Laune», der auch die lahmende Wirtschaft ankurbeln soll. Die Europameisterschaft wird vor und während dem Turnier 119 000 Leute beschäftigt haben.

Der grösste Teil entfällt auf die Organisation und bauliche Renovation; dazu kommen 5000 Stellen in der Sicherheit und 4000 in den Bereichen Verpflegung und Transport.

Dies könnte sich auch auf die Arbeitslosenstatistik auswirken, die in Frankreich ein Politikum ersten Grades ist. Hollande macht seine eigenen Wiederwahlpläne von der Entwicklung der Beschäftigungslage abhängig.

Wenn die EM die Landeskonjunktur stimuliert, steigen automatisch die Wiederwahlchancen des unpopulären Staatschefs bei den Präsidentschaftswahlen 2017. Vor allem auch, wenn Frankreich Europameister wird. Der grösste Fan der «Bleus» heisst deshalb François Hollande.