WM-Halbfinal
Frankreich entzaubert Belgiens goldene Generation

Frankreich steht zum dritten Mal nach 1998 und 2006 im Endspiel einer WM. Die Equipe Tricolore gewann den Halbfinal in St. Petersburg gegen Belgien mit 1:0. Abwehrspieler Samuel Umtiti (51.) erzielte das entscheidende Tor für den Weltmeister von 1998.

Etienne Wuillemin
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Der Innenverteidiger der Franzosen, Samuel Umtiti, avancierte mit seinem Tor zum Matchwinner für Frankreich.
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Dider Deschamps, der Trainer der Franzosen, herzt seine Spieler (hier Benjamin Pavard) nach dem 1:0-Halbfinalsieg gegen Belgien.
Das kongeniale Angriffsduo der Franzosen: Antoine Griezmann (links) und Kylian Mbappe - sie sind mitverantwortlich für den Final-Einzug.
Die Franzosen feiern geschlossen den 1:0-Führungstreffer und qualifizieren sich für den Final.
Marouane Fellaini von Belgien kann es nicht fassen. Die Belgier spielen nur um Platz 3.
WM-Halbfinal Frankreich - Belgien
Für Antoine Griezmann (rechts) und Frankreich gehts um den Weltmeistertitel. Für Toby Alderweireld nur noch um den kleinen Final.
Romelu Lukaku bleibt im Duell gegen Frankreich ohne Stich. Er hat kaum eine Torchance - seine Mimik verrät seine Enttäuschung.
In der zweiten Halbzeit konnte sich Belgiens Captain Eden Hazard (vorne) nicht mehr so entfalten, wie noch in der ersten Hälfte. Hier wird er umarmt von Paul Pogba.
Hier schraubt sich Samuel Umtiti (vorne) in die Höhe und köpft den Ball ins belgische Tor.
Die Belgier versuchen zu reagiern: Hier trifft aber De Bruyne den Ball nur halbherzig.
Samuel Umtiti schreit seine grosse Freude über den Führungstreffer heraus.
Jubelnd dreht Samuel Umtiti ab - gerade eben hat er die Franzosen mit dem 1:0 gegen Belgien in Front geschossen.
Kopfball ins Glück: Hier trifft Samuel Umtiti (rechts) für Frankreich zum 1:0 gegen Belgien.
Frankreichs Benjamin Pavard (rechts) mit einer Grosschance. Nur dank einer starken Torhüterabwehr von Thibaut Courtois bleibt es beim 0:0.
Samuel Umtiti (links) trifft per Kopfball zum 1:0 für Frankreich. Hier bewacht er Belgiens Lukaku.
Zwei der schnellsten Spieler auf der Welt: Belgiens Eden Hazard (links) und Kylian Mbappe.
Sinnbildlich für die ersten 40 Minuten: Olivier Giroud (am Ball) kommt öfters eine Fusslänge zu spät.
Mitte der ersten Halbzeit wird Hugo Lloris mehrfach getestet: Hier geht der Ball ohne sein Mitwirken neben den Pfosten...
... in dieser Szene brauchte es dann einen super aufgelegten Hugo Lloris. Einen Abschlussversuch von Belgiens Toby Alderweireld lenkt er um den Pfosten.
Kevin de Bruyne (rechts) steht in den ersten dreissig Minuten noch etwas im Schatten seines kongenialen Teamkollegen: Eden Hazard.
Zwei Mittelfeld-Regisseure im direkten Zweikampf: Paul Pogba (links) behauptet den Ball gegen Marouane Fellaini.
Zwei Schränke treffen aufeinander: Belgiens Verteidiger Vincent Kompany (links) und Frankreichs Olivier Giroud.
Trotz seiner immensen Schnelligkeit: Hier kommt Frankreichs Kylian Mbappe einen Schritt zu spät und Thibaut Courtois hält.
Eden Hazard (links) bekommt es am linken Flügel oft mit Newcomer Benjamin Pavard von Frankreich zu tun.
Eden Hazard ist in den ersten zwanzig Minuten der auffälligste Spieler auf dem Feld.
Es wird um jeden Zentimeter gekämpft. Hier Ngolo Kante (Nummer 13) und Jan Vertonghen (rechts).
Die ersten paar Minuten gehören den Belgiern. Eden Hazard (rechts), hier im Duell mit Benjamin Pavard, ist es, welcher die erste Grosschance für Belgien hat.
Marouane Fellaini (links) und Paul Pogba sind mit ihrer Körpergrösse prädestiniert für das Kopfballspiel. Ein Duell auf Augenhöhe.
Schon in der Startphase zeigt Kylian Mbappe (links) seine Geschwindigkeit. Da hat Belgiens Jan Vertonghen wenig Chancen mitzuhalten.
Zwei der vielen Superstars unter sich: Antoine Griezmann (vorne) und Kevin De Bruyne.
Gemeinsame Vorfreude zwischen Frankreich und Belgien - so soll es sein.
Ein belgischer Fan verspeist den französischen Hahn.
Mit Leidenschaft und viel Farbe Fan für Frankreich...
...oder für die Belgier.

Der Innenverteidiger der Franzosen, Samuel Umtiti, avancierte mit seinem Tor zum Matchwinner für Frankreich.

Petr David Josek

Das entscheidende Tor von Umtiti in der 51. Minute:

Didier Deschamps ballt die Fäuste, schreit seinen Jubel in den Himmel von St. Petersburg. Es ist vollbracht, seine Franzosen stehen im WM-Final. 1:0 besiegen sie Belgien im ersten Halbfinal.

Es ist ein verdienter Sieg in einem Spiel, dessen Intensität beeindruckend war. Kampf, Wille – das sind die Ingredienzen, die Frankreich ins Endspiel führten. Dazu ist das Team hervorragend eingestellt von Trainer Deschamps. Es lebt auch davon, dass jeder Akteur zu jeder Zeit weiss, was sein Nebenmann tut.

Samuel Umtiti schiesst kurz nach der Pause das goldene Tor. Er trifft nach einem Eckball von Griezmann per Kopf. Es ist der eine Treffer, der diesem stabilen Team reicht. Danach konzentriert es sich ganz auf die Defensive.

Belgischer Sturmlauf bleibt aus

Belgien ist zwar bemüht. Einmal köpft Fellaini knapp daneben. Aber der grosse Sturmlauf bleibt gleichwohl aus. Es ist ein enttäuschendes Ende dieser WM für ein Belgien, das sich selbst als reif genug für den Titel vermutete. Keine einzige wirklich gute Torchance erarbeitet sich das Team. Das magische Duo Hazard und De Bruyne kommt zu selten zur Geltung.

So gross der Frust über den verpassten Coup in Belgien, so gross der Jubel in Frankreich. «Unaufhaltsam», titelt «L’Equipe», die Sport-Bibel des Landes, unmittelbar nachdem die dritte Finalteilnahme feststeht. Ob gegen England oder Kroatien, klar ist jetzt schon: diese Franzosen sind im Final zu favorisieren. Es lockt der zweite WM-Titel.

Ein Weltmeister als Trainer

1998, an der WM im eigenen Land, da stand Trainer Deschamps noch auf dem Platz. Zinédine Zidane war der Held, seine beiden Tore ebneten den Weg zum Triumph über Brasilien.

2006 endete die Karriere eben jenes Zidane nach seinem Kopfstoss im Final an Marco Materazzi mit einer roten Karte. Italien siegte danach im Penaltyschiessen.

Jetzt, 20 Jahre nach dem Triumph zu Hause, besitzen «Les Bleus» eine Mannschaft, die von vorne bis hinten herausragend funktioniert. Angefangen beim starken Torhüter Lloris, über die Innenverteidigung, die fast jedes Luftduell gewinnt und Gespür für den Raum beweist.

Die Aussenverteidiger sind nicht nur stabil, sondern schalten sich immer wieder in den Angriff ein. In der Mitte räumen Pobga, Matuidi und Kanté alles ab, vor allem versperren sie dem Gegner den direkten Weg zum Tor. Belgien kommt nur über aussen in die gefährliche Zone – und auch das nur sehr selten.

Auf dem Weg zur Legende

Im Sturm schliesslich überzeugt das magische Duo Griezmann/Mbappé. Der eine hat eben dem grossen FC Barcelona einen Korb gegeben, ist eine Mischung aus Künstler und Arbeiter. Der andere, 19-jährig erst, berauscht mit seinem Tempo und seiner Ballbehandlung die Welt. Da darf man auch über ein, zwei unnötige Aktionen ganz am Schluss der Partie hinwegsehen.

Bleibt Giroud, der Mann aus Chambéry, seltsam glücklos mit dem Ball, aber doch so wertvoll für das Team mit seinem Arbeitsethos. Er ist das beste Beispiel für die gerne gebrauchte Formulierung «der Stürmer ist der erste Verteidiger».

Vor zwei Jahren endete der EM-Final zu Hause für Frankreich mit einer riesigen Enttäuschung, die Portugiesen siegten 1:0 nach Verlängerung. Jetzt scheint die Zeit reif für den grossen Wurf dieser Generation.

Und Deschamps, der Trainer, kann am Sonntag (Spielbeginn 17 Uhr) zur Legende werden. Erst der Deutsche Franz Beckenbauer und der Brasilianer Mario Zagallo haben es vor ihm geschafft, als Spieler und Trainer Weltmeister zu werden. Den zweiten Final-Teilnehmer ermitteln am Mittwochabend ab 20 Uhr England und Kroatien. Diese Partie findet, wie auch das Endspiel, im Moskauer Luschniki-Stadion statt.

Frankreich - Belgien 1:0 (0:0)

St. Petersburg. – 64 286 Zuschauer. – SR Cunha (URU). – Tor: 51. Umtiti 1:0.

Frankreich: Lloris; Pavard, Varane, Umtiti, Hernandez; Pogba, Kanté; Mbappé, Griezmann, Matuidi (86. Tolisso); Giroud (84. Nzonzi).

Belgien: Courtois; Chadli (91. Batshuayi), Alderweireld, Kompany, Vertonghen; Witsel, Dembélé (60. Mertens); De Bruyne, Fellaini (80. Carrasco), Hazard, Lukaku.

Bemerkung: Frankreich komplett. Belgien ohne Meunier (gesperrt). Verwarnungen: 63. Hazard (Foul). 71. Alderweireld (Foul). 87. Kanté (Foul). 92. Mbappé (Unsportlichkeit). 94. Vertonghen (Foul).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker: