Flavio: Um es mit Deichkind zu sagen: Richtig gutes Zeug, diese Frauenfussball-WM.

François: Absolut. Eine WM voller wunderbarer, ungekünstelter Geschichten. Reflektierter, authentischer und bei weitem nicht so steril wie die Fussballwelt der Männer. Ich denke da nur schon an die Wandlung des englischen Trainers Phil Neville.

Pius: Der langjährige Ackerpflug auf der rechten Abwehrseite von Manchester United?

François: Ja genau.

Pius: Was ist denn mit Neville passiert?

François: Vor Jahren machte er sich in den sozialen Medien über Gewalt gegen Frauen lustig. Er twitterte, dass Frauen Heuchlerinnen seien, wenn sie sich für Gleichberechtigung einsetzen würden. Zudem hätten sie sich morgens um Frühstück und Kinder zu kümmern.

Pius: Und der ist jetzt Nationaltrainer des englischen Frauenfussballteams? Das ist, als würde man Donald Trump zum Schutzpatron von Teheran ernennen.

François: Nun, Neville hat sich entschuldigt. Seine Frau bezeichnete ihn als liebenswürdigen Ehemann. Und er macht seine Sache richtig gut. Als er nach dem Viertelfinal-Sieg gegen Norwegen auf den Treffer zum 3:0 angesprochen wurde, sagte er: «Lucy Bronze ist besser, als ich es je war.» Dabei hat Neville – er sieht übrigens smarter aus denn je – gegen 60 Länderspiele für England gemacht.

David: Man müsste Trump zum Trainer der amerikanischen Frauen machen. Punkto Persönlichkeitsentwicklung wäre das hilfreich.

Tobias: Wobei er dann ein richtig grosses Problem hätte. Er müsste nämlich einen neuen Captain suchen. Megan Rapinoe sagt unverblümt, was sie von Trump hält: Null, nichts, nada!

Flavio: Ach Jungs, das ist doch alles schön und gut. Wisst ihr, was die wichtigste Erkenntnis dieser WM ist?

David: Offenbar gibt es doch keine Regel, wonach Italien von allen Fussballweltmeisterschaften ausgeschlossen ist.

Flavio: Non mi rompere le palle. Was für ein saublödes Geschwätz.

David: Aber ist es nicht so, dass in Italien mehr Menschen das Spiel der Frauen gegen Brasilien geschaut haben als den Match der Männer ein paar Tage zuvor gegen Griechenland?

Flavio: Wo ist das Problem? Die «Azzurre» waren schon immer unser ganzer Stolz. Was unsere Frauen an der WM zeigen, ist erst eine Ankündigung für das, was noch kommen wird. In vier Jahren wird Italien weltweit wieder die führende Fussball-Nation sein.

Pius: Träum weiter.

Flavio: Von wegen! In Italien stimmt das Parlament über ein neues Steuergesetz ab. Im Volksmund «Lex Conte», benannt nach Trainer Antonio Conte. Es geht um Steuererleichterung für ausländische Fachkräfte und rückkehrwillige Italiener.

Pius: Ausländische Fachkräfte habt ihr im Fussball ja bitter nötig.

Flavio: Das Gesetz sieht vor, dass ausländische Fussballer und Trainer und Italiener, die zwei Jahre im Ausland tätig waren, künftig nur noch 50 Prozent ihres Einkommens versteuern müssen. Ein starkes Argument im Wettbewerb um die weltbesten Trainer und Spieler.

François: Und wer hats erfunden?

Flavio: Zugegeben, die Spanier. Der Aufstieg zu Europas dominierender Liga trifft ziemlich genau auf die Einführung der «Lex Beckham».