Sport

Fortsetzung der Schweizer Eishockey-Meisterschaft: Ein Problem ohne gute Lösung

Marcel Kuchta

Marcel Kuchta

Am 17. März geht es los – Playoffs unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Geisterspiele sind schlecht. Darüber gibt es keine zwei Meinungen. Der Autor dieser Zeilen hat selber im Stadion erlebt, wie sich der EHC Olten vor leeren Zuschauerrängen und entsprechend ohne Emotionen aus den Playoffs verabschiedet hat. Es ist surreal. Es ist traurig. Es raubt dem Sport seinen ganzen Zauber. Wenn sich die Spieler während der Partie beim Schiedsrichter-Inspektor auf der Tribüne über die Leistung der Unparteiischen auf dem Eis beschweren können, dann sagt das eigentlich alles aus über die Absurdität. Das kann niemand wollen.

Aber eben: Dass Geisterspiele schlecht sind und um jeden Preis verhindert werden sollten, ändert nichts an der Tatsache, dass es für die bis am 15. März unterbrochene Schweizer Eishockey-Meisterschaft eine Lösung braucht. Eine möglichst pragmatische. Oder anders ausgedrückt: Die am wenigsten schlechte. Wie die aussieht, darüber werden sich die Verantwortlichen der National- und der Swiss-League-Teams heute in Bern den Kopf zerbrechen.

Chris Baltisberger vom ZSC macht sich nach dem Geisterspiel gegen den EV Zug auf in Richtung Garderobe.

Chris Baltisberger vom ZSC macht sich nach dem Geisterspiel gegen den EV Zug auf in Richtung Garderobe.

Dass sich die Klubs dagegen wehren, dass die Playoffs, die schönste Eishockey-Zeit des Jahres, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, ist natürlich nachvollziehbar. Die fehlenden Emotionen sind dabei der Faktor, der die kleinste Rolle spielt. Es geht natürlich letztlich einzig und allein ums Geld. Fehlende Zuschauer- und Cateringeinnahmen, gleichzeitig Stadionmieten, drohende Erfolgsprämien und sonstige Verpflichtungen: Das ist ein toxischer Cocktail für jede professionelle Sportorganisation. Logisch also, wollen die betroffenen Klubs den Schaden so gering wie möglich halten. Für sie wäre ein Meisterschaftsabbruch die beste Lösung.

Auf der anderen Seite stehen die TV-Sender. MySports (bzw. UPC) bezahlt pro Saison 35 Millionen Franken für die Fernsehrechte. Ausgerechnet jetzt, wenn es nach dem ewigen Qualifikations-Vorgeplänkel um die sportliche Wurst geht, bleiben die Bildschirme schwarz. Oder man sucht verzweifelt nach Ersatzformaten, überträgt Schneckenrennen (!) und diskutiert über alles andere als das, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte: Der Sport. Logisch also, wird der Druck vonseiten der Rechteinhaber täglich grösser. Es gilt: Wer zahlt, befiehlt. Deshalb kann es auf die Frage, wie es mit der Meisterschaft weitergeht, nur eine Antwort geben: Ab nächsten Dienstag geht es los. Playoffs unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber immerhin am TV.

Die Klubs werden diese Lösung wohl oder übel schlucken müssen. Wobei man gespannt sein darf, wie kreativ man mit der Situation umgeht. Das nächste grosse Dilemma, welches sich abzeichnet, ist nämlich ein ganz perfides: Je länger man in den Playoffs involviert ist, umso teurer wird es. Im Extremfall kann der «Geistertitel» eine Organisation an den Rand des Ruins treiben. Das ist absurd. Aber es passt zu einer Situation, in der es nur schlechte Lösungen gibt.

Und: Was passiert, wenn in einem der Playoff-Teams ein Corona-Fall auftaucht? Dann ist sowieso alles Makulatur und die Meisterschaft am Ende.

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