Flavio: Kleiner Klub, grosser Trainer. Ich staune über den Coup des FC Wil.

David: Du hältst Ciriaco Sforza für einen grossen Trainer? Ich bitte dich! Seine letzten beiden Stationen hiessen Wohlen und Thun.

Pius: Wohlen oder Thun, Hauptsache Aargau.

Tobias: Ja, das hat sich der Sforza wohl gedacht und ist in Wohlen wohnen geblieben. Nach zwei Monaten wurde er in Thun dann auch entlassen, weil er wie ein Fremdkörper wirkte.

Pius: Das wurde doch alles von den Medien hochsterilisiert. Sforza hat ja jetzt angekündigt, in die Ostschweiz zu ziehen.

François: Gut so, denn gerade zu Hause liegt die Heimstärke.

Flavio: Sforza ist lernwillig. Er hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Schliesslich liegt die Zeit in Thun schon drei Jahre zurück.

David: Genau. In einem Interview habe ich gehört, wie Sforza verbal sagte, er hätte die letzten drei Jahre genutzt, um sich zu sammeln und zu recherchieren. Wahrscheinlich brauchte er die Zeit, um seine Karriere mal in Ruhe Paroli passieren zu lassen. Schliesslich hat er, seit er 16 ist, 16 Monate im Jahr nur an Fussball gedacht. Da braucht der Kopf schon mal etwas Reanimation.

Tobias: Mental und geistig war er schon immer topfit. Ich wüsste gerne, was er recherchiert hat.

Pius: Unter anderem sicher über den FC Wil. Und dabei ist er wohl zum Schluss gekommen, dass es eine gut intrigierte Truppe ist.

David: Der FC Wil ist nicht die schlechtest Obduktion, wenn man als Trainer auf sich aufmerksam machen will. Man denke nur an Christian Gross, Marcel Koller. Und an Uli... Warum eigentlich nicht Uli Forte? Warum war er keine Operation für Wil?

Tobias: Vielleicht war er ja eine Option. Aber vielleicht hatte er einfach vom Feeling her ein schlechtes Gefühl, dorthin zurückzukehren, wo alles begann. Ich kann verstehen, wenn einer wie Forte denkt: Das ist wie ein Schritt in die kompakt falsche Richtung.

François: Jede Seite hat zwei Medaillen. Es hat einem Trainer noch selten geschadet, einen Schritt vorwärts um dann zwei Schritte zurück zu machen. Nach GC ging Sforza zu Wohlen, was seiner Karikatur nicht geschadet hat.

Flavio: Was, wenn sich Forte aber tatsächlich auch für den Job in Wil interessiert hat?

David: Dann war das Chancenplus für Sforza wohl ausgeglichen. Ich denke, Sforza ist eine richtig gute Wahl. Er hat die Quantität, um junge Spieler besser zu machen.

Tobias: Einverstanden. Er hat nach wie vor die Potenz für eine grosse Trainer-Karriere.

Pius: Ja, und Forte soll jetzt bloss nicht den Sand in den Kopf stecken. Seine Chance kommt bestimmt.

David: Da gehe ich mit dir ganz chloroform. Aber was ist für Sforza in Wil möglich?

Pius: Wil hat ein paar Spieler, die technisch ziemlich serviert sind. Die müssen jetzt einfach wieder mal gewinnen, alles andere ist primär.

François: Wie ich Sforza kenne, gibt es für ihn nur entweder-oder. Also entweder voll oder ganz.

Tobias: Und diese Haltung, dieses Selbstbewusstsein ist etwas, das du nicht trainieren kannst, sondern nur üben.

Flavio: Jungs, ich befürchte, wir haben ein Abstimmungsproblem. Das müssen wir dringendst automatisieren.