Tennis
Formats-Diskussionen um die World Tour Finals - das sagen Experten dazu

Zum Saisonschluss bietet die ATP-Tour, die Organisation der Tennisprofis, noch einmal ein Feuerwerk. Die besten acht Profis des Jahres spielen um den inoffiziellen Titel eines Weltmeisters.

Michael Wehrle, London
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Heinz Günthardt erklärt das Format der Besten - und warum es nicht ausgeweitet werden darf.

Heinz Günthardt erklärt das Format der Besten - und warum es nicht ausgeweitet werden darf.

Keystone

Seit 2009 ist die Londoner O2-Arena Schauplatz für die Champions League im Tennis. Es begann 1970 mit dem Turnier in Tokio. Damals spielten sechs Mann in einer Gruppe, jeder gegen jeden, um den Titel. Es siegte der Amerikaner Stan Smith, weil er den direkten Vergleich mit dem Australier Rod Laver gewonnen hatte. Beide mussten je eine Niederlage einstecken. Smith kassierte 15 000 Dollar Preisgeld. In diesem Jahr gibts mehr als zwei Millionen Dollar für den Champion, selbst wenn er eine Partie in den Gruppenspielen verlieren sollte.

Schon seit 1972 nehmen acht Profis teil, spielen eine Vorrunde in zwei Gruppen. Dann gehts für die beiden Ersten mit den Halbfinals im gewohnten Format weiter. Noch nie hat ein Spieler mit zwei Niederlagen triumphiert, auch wenn das durchaus möglich ist. Das zeigte die Polin Agnieszka Radwanska vor zwei Wochen, die sich trotz zwei Pleiten in den Gruppenspielen durchsetzte.

«Das gibt eine Inzucht»

Der Basler Turnierchef Roger Brennwald findet das Format mit den Gruppenspielen für die Top acht angemessen. Ansonsten aber bleibt er lieber beim traditionellen Modus, mit dem klassischen K.-o-System. «Um Himmels willen, ich will kein solches Turnier mit 32 Profis und acht Gruppen ausrichten», sagt er. «Das gibt nur eine Verwässerung.» Sein Turnier habe ja gezeigt, wie sehr der Sport vom Kampf und der Spannung lebe. «Das gibt eine Inzucht», befürchtet Ex-Profi und TV-Experte Heinz Günthardt, wenn sich mehrere Turniere auf ein Format mit Gruppenspielen einliessen. Klar, seis reizvoll zu wissen, dass ein Roger Federer dann sicher dreimal zu sehen sei. Aber nur wenige Stars würden die Zuschauer wirklich anlocken. «Es muss nicht unattraktiv sein», findet Günthardt. Doch alleine mit Gruppenspielen seis nicht getan. Die Matches dürften dann wohl nur über einen Satz gehen, um das Turnier auf eine Woche zu begrenzen. Wie Brennwald bringt auch Günthardt das Argument der Arbeitsplätze ins Spiel. Es müssten ja gut 2000 Profis beschäftigt werden und nicht nur 32.

«Es gibt immer positive und negative Seiten», so Rainer Schüttler, Besitzer des Turniers von Genf. «Am Ende steht und fällt alles mit den Spielern.» Natürlich seis reizvoll, die Stars lange im Turnier zu halten, doch stelle sich die Frage, ob ein Gruppenmatch, bei dem wenig auf dem Spiel stehe, wirklich so attraktiv für die Fans sei. So siehts auch Marketingexperte Armin Meier. «Mit acht Stars ist das Format gut, ansonsten aber verkauft sich das Tennis besser mit dem traditionellen Modus, der auch immer für Überraschungen sorgt.»

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