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Football-Legende Tom Brady sagt Adieu

Tom Brady im Trikot der New England Patriots.

Tom Brady im Trikot der New England Patriots.

Nach 20 Jahren verlässt Tom Brady die New England Patriots. Es ist das Ende einer Epoche im American Football.

«Es ist Zeit, eine neue Bühne zu betreten». Mit diesen Worten verabschiedete sich Tom Brady am Dienstag von den New England Patriots, jenem Team, das er während mehr als einer Dekade geprägt hat: 20 Jahre, neun Superbowl-Teilnahmen, sechs Titel. Brady ist der erfolgreichste Quarterback der Geschichte, er muss niemandem mehr etwas beweisen – ausser vielleicht: sich selbst. Brady hat 2019 eine enttäuschende Saison gespielt, es wirkte, als sei er innerhalb eines Jahres rapide gealtert. Er, der mit seinem Diät- und Trainingsprogramm das Elixier der ewigen Jugend gefunden zu haben schien. Im August wird er 43 Jahre alt, es ist ein fast biblisches Alter in einer Liga, in der das Recht des Stärkeren gilt.

Brady wird seine Karriere bei den Tampa Bay Buccaneers fortsetzen. 30 Millionen Dollar sollen sie ihm pro Jahr bieten. Und gleichzeitig eine schlechtere sportliche Perspektive als der stetige Titelanwärter Patriots.

Bradys Vermächtnis steht auf dem Spiel

Niemand weiss, weshalb Brady sich entschieden hat, weiterzuziehen. Möglicherweise will er den Nachweis erbringen, auch ohne die Brillanz des Trainer-Gurus Bill Belichick erfolgreich sein zu können. Das Risiko ist nicht unerheblich. Brady wäre nicht der erste Star, der sein Vermächtnis torpediert, weil er am Aufhören scheitert, nachdem er alles gewonnen hat.

Bradys Abschied ist das Ende einer Epoche – und er bedeutete für die sportverrückten USA eine willkommene Abwechslung. Aufgrund des Corona-Virus steht die Sportwelt auch in Nordamerika still, doch die NFL entschied sich dafür, ihren Spielermarkt wie geplant per Mittwoch zu öffnen. Es mag etwas Schizophrenes haben, wenn die milliardenschweren NFL-Teams ihre Spieler mit üppigen Verträgen ausstatten, während die Fans aus der Arbeiterklasse ums Überleben kämpfen, weil sie aufgrund der Corona-Krise ihre Zehn-Dollar-Jobs nicht mehr ausüben können. Doch der wilde Transfer-Basar hat sportaffine Menschen zumindest temporär auf andere Gedanken gebracht. Alleine auf Bradys Instagram-Beiträge, in denen er sich bei den Patriots bedankte, reagierten fast zwei Millionen Nutzer.

Bizarre Zahlen

Es geschieht selten, dass ein Spieler vom Renommee Bradys frei verfügbar ist. Und doch wird der Quarterback nicht zum Rekordverdiener seiner Gilde aufsteigen. Den lukrativsten Vertrag unterschrieb am Montag Kirk Cousins bei den Minnesota Vikings, drei Jahre für 96 Millionen Dollar, die Zahlen hatten etwas Bizarres. Cousins, 31, hat in seiner Karriere ein einziges Playoff-Spiel gewonnen, er ist ein sehr gewöhnlicher Quarterback mit einem aussergewöhnlich talentierten Agenten.

Auch Brady will marktgerecht bezahlt werden, nachdem er den Patriots in den letzten Jahren meist so etwas wie einen Rabatt gewährte. Vor allem aber erhofft er sich vom Klubwechsel neue Impulse, um seine einzigartige Karriere würdig zu Ende zu bringen.

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