Luci’s Flick Flack
Fischer über ein nicht ganz einfaches Leben in Magglingen

Wenn man als Schweizer Kunstturner Erfolg haben will, führt der einzige Weg über das nationale Leistungszentrum in Magglingen. Was bedeutet das für einen jungen Turner, der nach Magglingen kommt?

Lucas Fischer
Lucas Fischer
Drucken
Teilen
"Wer im Kunstturnen erfolgreich sein will, muss ins Leistungszentrum nach Magglingen."

"Wer im Kunstturnen erfolgreich sein will, muss ins Leistungszentrum nach Magglingen."

Keystone

Natürlich geht jeder Athlet mit der neuen Lebenssituation anders um. Ich habe mich vorgängig sehr lange mit der Frage beschäftigt, wie es sein wird, wenn ich mein bisheriges Umfeld verlasse und in eine neue Welt eintauche. Als es so weit war, stellte ich fest: Plötzlich konnte ich meine Freunde nicht mehr dann sehen, wann ich wollte. Oder mit der Familie meine Gefühlslage von Angesicht zu Angesicht besprechen. Das war schwierig. Ein neues Trainings- und Lebenssystem kommt auf einen zu und man ist völlig auf sich alleine gestellt. Aber das ist das Opfer, das ein Athlet erbringen muss. Die meisten Turner leben gemeinsam in einem Haus in Magglingen. Jeder hat sein eigenes Zimmer, dazu gibt es eine Küche für alle. Als ich zum ersten Mal meinen Wohnraum betrat, erschrak ich. Es war ein winzig kleines Zimmerchen, nur schon mein Bett füllte es komplett aus. Glücklicherweise konnte ich ein Jahr später ein grösseres Zimmer beziehen.

Die Opfer für den Erfolg

Ganz anders ist die Infrastruktur inder Turnhalle und die medizinische Betreuung: Beides ist top. Die Turnhalle muss man sich als riesengrossen Spielplatz vorstellen! Überall stehen Geräte herum, von weichen Turnmatten und Trampolins wimmelt es nur so. Für uns Turner ist das aber der Alltag. Wir trainieren von morgens bis zum Abend. Viel Freizeit bleibt da nicht.

Das Leben in Magglingen ist nicht einfach. Mir fiel es lange sehr schwer, in diesem Dorf weit oberhalb von Biel zu wohnen. Ich fühlte mich manchmal sehr einsam und alleine gelassen, trotz der Kameradschaft zu meinen Turnkollegen. Doch mir fehlten meine Freunde, die mir Halt geben und nichts mit Kunstturnen am Hut haben. Mir fehlte die Liebe, die ich zu Hause bei der Familie immer erfuhr. Und mir fehlten die Kochkünste meiner Mutter. Aber eben, ohne diese Opfer würde es den Erfolg als Turner nicht geben.

Lucas Fischer holte 2013 EM-Silber am Barren. Der 25-Jährige musste seine Karriere vor gut einem Monat aus Verletzungsgründen beenden. Während der Kunstturn-WM schreibt er für «Die Nordwestschweiz» täglich eine Kolumne.