Spritzensport

Finnen bedauern kranke Norweger

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Norwegen ist der strahlende Sieger von Pyeongchang. Die 39 Medaillen der Wikinger bedeuten den grössten Raubzug in der Geschichte Olympischer Winterspiele. Aber ging da wirklich alles mit rechten Dingen zu und her?

Viele Medien stürzten sich bei ihren Erklärungsversuchen zu Norwegens goldenen Olympia-Tagen auf den offensichtlich grossflächigen Einsatz von Asthma-Medikamenten im norwegischen Olympiateam. Insgesamt 6000 Dosen von fünf verschiedenen Mitteln nahm die medizinische Abteilung für ihre 121 Olympioniken nach Pyeongchang mit, wie sie selber deklarierte. Das sind zehnmal mehr, als die finnischen Teamärzte in ihren Koffern mittrugen.

 Ob die nordischen Skisportler ihre Asthma-Medikamente tatsächlich auch zu leistungssteigernden Zwecken einnehmen, wie es ihnen der deutsche Investigativ-Journalist Hajo Seppelt vorwirft, bleibt umstritten. Wenn dem so wäre, dann ist es ebenso wenig ein neues Phänomen wie eine erfolgreiche Podestjagd Norwegens an Winterspielen. Gemäss Recherchen sind 42 von 61 norwegischen Medaillengewinnern bei olympischen Skibewerben seit 1992 in Albertville offiziell Asthmatiker. Mit Ausnahme von Martin Johnsrud Sundby vor zwei Jahren bewegten sie sich aber bei ihren therapeutischen Behandlungen offensichtlich innerhalb der von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada für Asthmamittel zugelassenen Höchstmengen.

Norwegische Dopingpraktiken

 Nicht ganz zufällig haben vom russischen Staat gesteuerte Medien wie «RT» oder «Sputnik» die angeblichen norwegischen Dopingpraktiken am lautesten in die Welt hinausgetragen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass sich die «Russen-Propaganda» dabei ausgerechnet auf Hajo Seppelt berief. Jenen Journalisten, der am Anfang des eigenen Doping-Fiaskos stand.

 Relevanter sind da schon die Reaktionen der Skandinavier. Etwa der Finnen, die nach dem «Fall Sundby» vor zwei Jahren resolut dazu aufriefen, die norwegische Asthma-Philosophie zu untersuchen – was auch geschah. Ich unterhielt mich mit Harry Syväsalmi, dem Generalsekretär von AntiDoping Finnland und früheren Direktor der Wada. Er sagt, in Finnland habe es diesmal keinen empörten Aufschrei mehr gegeben. Man habe die vielen norwegischen Olympia-Asthmatiker mit einem Lächeln im Gesicht bedauert. «Wir haben uns gefreut, dass die finnischen Sportler und unser Klima offenbar zehnmal gesünder sind», sagt Syväsalmi und fügt mit ernsterem Ton bei: «Ich hoffe doch, die Norweger haben ihre Lektion aus dem Sundby-Fall gelernt.»

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