Rad-WM
Finden die Schweizer Steuermillionen den Weg zurück vom internationalen Radsportverband?

Der Bund fordert seine millionenschwere Unterstützung der Rad-Weltmeisterschaft in Aigle-Martigny zurück – bis zum heutigen Tag liegt das Geld bei der UCI. Gerade stehen für die 4 Millionen muss jedoch Swiss Cycling.

Rainer Spommerhalder
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Die beiden OK-Präsidenten der abgeblasenen Rad-WM, Grégory Devaud (rechts) und Alexandre Debons.

Die beiden OK-Präsidenten der abgeblasenen Rad-WM, Grégory Devaud (rechts) und Alexandre Debons.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Im Grunde wäre es eine einfache Gleichung. Das Bundesamt für Sport hat im Rahmen seiner finanziellen Unterstützung für sportliche Grossanlässe in der Schweiz 4,5 Millionen zugunsten der Rad-Weltmeisterschaft in Aigle-Martigny bezahlt. Umgekehrt haben die Organisatoren der WM dem Internationalen Radsport-Verband UCI eine Gebühr von 5,8 Millionen Franken überwiesen für das Recht, den Anlass durchzuführen.

Also kommen alle auf ihre Kosten. Die Schweiz kann sich als kompetenter Ausrichter von weltweit wirkenden Sportereignissen profilieren. Die TV-Bilder aus dem Rhonetal zeigen die Region von ihrer besten Seite. Das OK muss dank der Unterstützung mit Steuergeldern keinen finanziellen Schaden befürchten und die UCI finanziert sich mit der Rechtevergabe an seinen Grossanlässen.

Kein Geld und auch keine Antworten von der UCI

Doch derzeit ist alles ein wenig komplizierter. Der wichtigste Grund dafür: die WM in Aigle-Martigny fand wegen Corona nicht statt. Zumindest nicht in der Schweiz. Imola sprang kurzfristig ein. Und bezahlte laut gut unterrichteter Kreise ebenfalls rund 4,5 Millionen an die UCI.

Weil der internationale Verband finanziell keinen oder nur einen unbedeutenden Schaden nahm, darf man davon ausgehen, dass das Geld für die abgesagten Titelkämpfe rasch seinen Weg zurück von der UCI bis hin in die Steuerkasse der Eidgenossenschaft findet. Nur ist dies bisher nicht passiert. UCI-Direktorin Amina Lanaya lässt verschiedene Medienanfragen nach dem «Wann?» und «Wieviel?» unbeantwortet. Offenbar scheint es der UCI Mühe zu bereiten, eine eindeutige Antwort zu geben.

Klar ist, dass das Bundesamt für Sport der UCI nicht einfach einen Einzahlungsschein schicken kann. Die Vertragsstruktur ist kompliziert. Einziger Vertragspartner des Baspo ist der nationale Verband Swiss Cycling. An ihn wurde das Geld überwiesen, er muss es zurückbezahlen. Sollte sich also die UCI tatsächlich quer stellen, kann dies dem Bund grundsätzlich egal sein. Weniger störend wäre es deshalb aber nicht.

Auch zwei Kantone fordern Geld zurück

Für WM-begleitende Fördermassnahmen im Radsport durfte Swiss Cycling 500 000 Franken für sich beanspruchen, die restlichen 4 Millionen wurden bis Februar 2020 mittels eigener Vereinbarung ans OK der WM weitergeleitet. Zusätzlich zu den Bundesgeldern floss auch staatliche Unterstützung durch die die beiden Austragungskantone Waadt und Wallis. Dieses Engagement teilt sich auf in einen Barbetrag sowie diverse Sachleistungen und muss gemäss Bundesvorgaben mindestens doppelt so hoch sein wie der eigene Beitrag.

Für die Rückzahlung braucht es also einen Verteilschlüssel, der sich anteilsmässig an den gesprochenen Summen der öffentlichen Hand orientiert. Weil der Geldfluss noch nicht eingesetzt hat, treten der Bund, die beiden Kantone sowie Swiss Cycling gegenüber dem OK nun gemeinsam auf.

Schliesslich befindet sich der nationale Verband als Vertragspartner des Baspo in einer rechtlich etwas unangenehmen Position. Und Swiss Cycling sucht für die Strassen-WM 2024 in Zürich und die Mountainbike-WM 2025 im Wallis erneut eine grosszügige Unterstützung durch die Öffentliche Hand.

Eingeweihte Kreise sagen, dass sich der Kanton Waadt bei den aktuellen Anstrengungen nicht besonders ins Zeug legt. Gleiches wird über das OK gemunkelt. Dazu muss man wissen, dass die UCI ihren Sitz am gescheiterten WM-Ort Aigle hat, dort ein gern gesehener Arbeitgeber ist und davon profitiert, dass sie eine steuerbefreite Sportorganisation ist, wie sie im Kanton Waadt zu Dutzenden vorkommen. Man steht sich also gegenseitig nur ungern auf die Füsse.

Der OK-Präsident nennt Summe und Datum

Ob blosse Unterstellung oder ein Mitgrund für das schleppende Vorgehen bleibt Spekulation. Im Gegensatz zur UCI beantwortet Grégory Devaud, OK-Präsident der Rad-WM und Lokalpolitiker aus Aigle, Fragen nach der Rückzahlung der Steuermillionen. Er sagt, die Buchhaltung der WM sei grundsätzlich abgeschlossen. Um den effektiven Aufwand auszuweisen, müsse man aber noch die Ausschüttung von Stabilisierungsgeldern durch Swiss Cycling aufgrund von Corona-bedingten Auslagen abwarten. Was allerdings keinen direkten Zusammenhang mit der Event-Unterstützung von Bund und Kanton hat.

Devaud ist aufgrund der vorliegenden Fakten zuversichtlich, «dass insgesamt mindestens 4 Millionen an die Kantone und den Bund zurückgegeben werden können». Grundlage sei aber der exakte Verteilschlüssel.

Auch zum Zeitpunkt macht der OK-Präsident eine klare Ansage: «Sobald die Vereinbarungen mit der UCI, dem Organisationskomitee und den öffentlichen Partnern unterzeichnet sind, werden die Beträge sofort gemäss den vereinbarten Verteilschlüsseln zurückerstattet. Dies sollte bereits im Januar 2021 möglich sein.»

Einziger Haken an der Sache. Beim Bund weiss man nichts von einer solchen Vereinbarung. Das Baspo antwortet auf Anfrage: «Der Bund ist nicht Teil einer solchen Vereinbarung und wird es auch nicht sein. Unser einziger Vertragspartner ist Swiss Cycling. Derzeit laufen in dieser Sache zwischen sämtlichen beteiligten Parteien Gespräche; der Ausgang ist offen.»