Analyse

Filmreifer Abgang ist nicht genug: Blatter riskiert mit Rekurs die Lächerlichkeit

Wovon Sepp Blatter wohl träumt?

Wovon Sepp Blatter wohl träumt?

Am Freitagmorgen hat Sepp Blatter gegen den Entscheid der Ethikkommission Rekurs eingelegt. Die Chancen für ein napoelonisches Scheitern stehen indes gut.

Trotz allem: Sepp Blatter wäre nach Ablauf seiner Amtszeit im Februar in den Adelsstand der Legende erhoben worden. Eine Legende ist in diesem Zusammenhang eine Persönlichkeit, die auf Grund besonderer Leistung und Bedeutung zu ewiger Berühmtheit gelangt.

Aber mit dem Rekurs gegen die 90tätige Suspendierung durch die FIFA-Ethik-Kommission setzt er seinen Ehrenplatz in der FIFA-Geschichte aufs Spiel.

Mit der Berufung gegen die 90tätige Suspendierung (Sperre) kann Sepp Blatter nichts gewinnen. Ist sein Einspruch erfolgreich, dann wird es politisch-psychologisch ein «Freispruch zweiter Klasse».

Jene Kritiker werden recht behalten, die monieren, die mit dem Segen von Sepp Blatter kreierte Ethik-Kommission der FIFA sei halt doch nichts anderes als die juristische Prätorianer-Garde des Sonnenkönigs. Also ein Teil eines Justiz-Apparats, der vor allem eifrig gegen die Feine Sepp Blatters ermittelt – aber den Präsidenten am Ende doch ungeschoren davonkommen lässt.

Wird der Einspruch abgewiesen, bleibt der Eindruck von Uneinsichtigkeit zurück. Es wäre Sepp Blatter kein Zacken aus der Krone der Ehre und der Redlichkeit gefallen, wenn er das Verdikt, den 90tätigen Thronverzicht akzeptiert hätte.

Es handelt sich bei diesem FIFA-internen Gremium ja nicht um ein weltliches Gericht und um ein Verfahren, das mit einem Strafregister-Eintrag endet.

Aber Sepp Blatter ist, wie er ist. Von seiner eigenen Unfehlbarkeit überzeugt wie die Helden der griechischen Tragödien, die schuldlos schuldig endeten. So sieht sich Sepp Blatter. Als Mann, der noch nie etwas anderes gewollt hat, als die Welt mit einem Spiel namens Fussball zu einem besseren Ort zu mache.

Wie Martin Luther, der vor dem Reichstag in Worms seine Thesen wiederrufen sollte. Er weigerte sich mit der weltberühmten Begründung: «Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!»

Wie einst Napoléon, der es nicht lassen konnte und aus der Verbannung von Elba noch einmal für 100 Tage an die Macht zurückzukehren. Ein Comeback, das mit der welthistorischen Pleite von Waterloo endete.

So ist es jetzt beim Fussball-Sonnenkönig. Sepp Blatter riskiert noch einmal alles. Seine Bewunderer mögen sagen, mit dieser stolzen, unbeugsamen Haltung sei Sepp Blatter sozusagen eine Mischung aus Napoléon und Luther.

Und als eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte dürfen wir ihn ja schon mit solchen Grössen der Weltgeschichte vergleichen. Er hat sicherlich nichts dagegen.

In Tat und Wahrheit reitet er auf ein Waterloo der Justiz und der Ehre und des Prestiges zu. Er setzt nicht nur den Adelsstand der Legende aufs Spiel. Am Ende dieser grandiosen griechischen Funktionärs-Tragödie wartet die Lächerlichkeit.

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