Korruption
Fifa-Skandal: Bundesanwaltschaft tauscht sich mit US-Justiz aus

Bei den Ermittlungen in der Fifa-Korruptions-Affäre will die Bundesanwaltschaft auf die Zusammenarbeit mit den US-Behörden setzen. Die dortige Justiz verfüge über sachdienliches Material, dass sie dank dem Steuerstreit mit der Schweiz erhalten habe.

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Der 65. Kongress der Fifa ausgetragen im Zürcher Hallenstadion.

Der 65. Kongress der Fifa ausgetragen im Zürcher Hallenstadion.

KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

Der Paukenschlag: Rund ein Dutzend Vertreter von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalpolizei inklusive zwei IT-Teams suchten am Mittwoch die Fifa-Zentrale in Zürich heim. Es sei «umfangreiches Material sichergestellt worden, das neue Informationen enthält», sagt André Marty, Sprecher der Bundesanwaltschaft (BA), gegenüber der Zeitung „Schweiz am Sonntag“. Aber Beobachter sind skeptisch, dass das Verfahren der Bundesanwaltschaft gerichtsfeste Resultate bringt.

Doch Hilfe kommt vielleicht aus den USA: Die dortige Justiz verfüge, so heisst es, auch dank der Datenlieferungen der Schweizer Banken im Steuerstreit, über sachdienliches Material. «Ein Austausch an Informationen müsste den ordentlichen Rechtsweg, also per Rechtshilfeersuchen, gehen», sagt BA-Sprecher André Marty dazu.

Vorerst setzen die Schweizer auf Befragungen von zehn am Fifa-Kongress Anwesenden, die 2010 Mitglieder des Exekutivkomitees waren und am Vergabeprozess der Fussballweltmeisterschaften 2018 und 2022 beteiligt waren. Um die bei der Fifa gesicherten Informationen «analysieren und verifizieren zu können», würden diese Befragungen fortlaufend durchgeführt, sagt Marty.

So ist unklar, ob Fifa-Boss Joseph Blatter und der ebenfalls in der Schweiz lebende Uefa-Präsident Michel Platini verhört werden. Die BA schweigt sich offiziell über die Befragten aus. Es gibt Gerüchte, dass die Fifa im Vorfeld über die bevorstehende Aktion in Zürich informiert war. Das dementiert die Bundesanwaltschaft.

«Aus Gründen der Kollusionsgefahr wurde die Fifa nicht vorgängig über die begleitete Edition informiert», so Sprecher Marty. Eine «begleitete Edition» ist eine milde Form der Hausdurchsuchung. Sie wird dann durchgeführt, wenn der Datenherr kooperativ ist und das verlangte Material freiwillig herausrückt.

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