FIFA-WM
FIFA-Forderungen öffneten Geldwäscherei Tür und Tor

Die FIFA verlangte für die WM-Vergabe weitreichende Zugeständnisse im Geldverkehr. Kommen die Regierungen den Forderungen nach, erhält das FIFA-Umfeld während der WM Rechte, wie sie sonst nur Diplomaten geniessen.

Christian Bütikofer
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Staraufmarsch bei der Fifa
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Starauflauf heute am FIfa-Hauptsitz Wird England für die WM die Gesetze ändern? Hinten David Beckham, vorne Prinz William.
 Vorsicht Glatteis - auch bei der WM-Vergabe?
 Siegessicher: David Beckham.
 Auch Holland will die WM: Ruud Gullit kommt mit dem Velo an die Vergabe.
 Werben für Holland/Belgien 2018: Der niederländische Premier Mark Rutte (l.) und Alt-Fussballstar Ruud Gullit (M.), begrüsst von Fifa-Generalsekretär Jérôme Walcke.
 Unterstützt die WM-Bewerbung von Portugal/Spanien: Fussballer Luis Figo.
 Auch Spanien/Portugal wollen die WM: Der spanische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero.
 Bill Clinton will das Spektakel in die USA holen.
 Und Schauspieler Morgan Freeman unterstützt ihn dabei.
 Die japanische Delegation.
 Zinedine Zidane wirbt für Katar.
 Starauflauf am Fifa-Hauptsitz in Zürich

Staraufmarsch bei der Fifa

Die FIFA verlangt für die WM-Vergabe weitreichende Zugeständnisse im Geldverkehr. Kommt die Regierung den Forderungen nach, erhält das FIFA-Umfeld während der WM Rechte, wie sie sonst nur Diplomaten geniessen.

Hätte England etwa die WM 2018 erhalten, wäre das Land offenbar dazu bereit gewesen, Schlüssel-Paragrafen des Anti-Geldwäscherei-Gesetzes fürs FIFA-Umfeld temporär ausser Kraft zu setzen.

Die FIFA hat jedem Kandidaten eine Liste mit Bedingungen zukommen lassen, die vom Gastgeberland erfüllt sein müssen. Die Holländer machten die geheimen Bestimmungen publik, sie wurden in der Sendung Panorama von BBC vor wenigen Tagen teilweise erwähnt und besprochen.

Hunderte FIFA-«Freunde» würden privilegiert

In der englischen Fassung dieser Bestimmungen kommt der Weltfussballverband unter Punkt 5 auf Geldangelegenheiten zu sprechen, schreibt «The Guardian». Bei Sektion 5B, genannt «Foreign Exchange Undertakings», steht: Die Regierung muss einen ungehinderten Import und Export aller Fremdwährungen garantieren sowie dafür sorgen, dass alle Fremdwährungen in US Dollar, Euro oder Schweizer Franken gewechselt werden dürfen.

Dieses Privileg gilt für alle Personen, die mit der FIFA in irgend einer Weise verbunden sind. Also nicht nur Delegierte und Mitarbeiter sondern hunderte Personen, die von der FIFA auf einer «Liste» der Privilegierten stehen.

Der Grund bleibt im Dunkeln

Warum die FIFA dies verlangt, wird von den Funktionären nicht erklärt. Klar ist, dass das Olympische Komittee für die Olympiade 2012 in London ganz gut ohne solch weitgreifende Bedingungen auskam.

Hätte England den Zuschlag erhalten, wären Zöllnern oder Polizeibeamten die Hände gebunden gewesen: Sie hätten verdächtige Personen nicht mehr durchsuchen können, schreibt «The Guardian». Genau das aber wird den Beamten im «Proceeds of Crime Act 2002» erlaubt: Polizeibeamte dürfen sämtliche Gelder einziehen, wenn sie den begründeten Verdacht hegen, das Geld sei gestohlen oder werde für illegale Zwecke verwendet.

Es ist anzunehmen, dass die FIFA den Gewinnerländern Russland und Katar ganz ähnliche wenn nicht genau die gleichen Bestimmungen diktierte.