Kommentar
Feuz galt als schlampiges Talent, längst ist er ein Musterprofi

In jungen Jahren hatte Beat Feuz den Ruf, trainingsfaul zu sein. Heute ist er der beste Abfahrer der Gegenwart und seit diesem Wochenende zweifacher Kitzbühelsieger. Es ist das Resultat eines Wandels.

Martin Probst
Merken
Drucken
Teilen
Beat Feuz mit der zweiten goldenen Gams für den Kitzbühlsieger in drei Tagen.

Beat Feuz mit der zweiten goldenen Gams für den Kitzbühlsieger in drei Tagen.

Christian Bruna / EPA

Es gab eine Zeit, da wurde Beat Feuz gerne vorgeworfen, sein Arbeitsethos lasse zu wünschen übrig. Er sei zwar sehr talentiert, aber eben auch faul. Ein schlampiges Genie, das Fast Food mag – aber den Kraftraum meidet.

Martin Probst

Martin Probst

Sandra Ardizzone

Ja – Feuz brauchte in jungen Jahren einige Zurechtweisungen, ehe er einsah, dass Talent allein nicht reicht. Aber Feuz begriff. Doch den Stempel, weniger professionell zu arbeiten als andere, wurde er lange nicht los.

Zu unrecht. Feuz sollte im Gegenteil längst dafür stehen, was es braucht, um Erfolg zu haben: Wille, Leidensbereitschaft und mentale Stärke. 2012 entzündete sich sein linkes Knie, eine Amputation stand im Raum. Er werde niemehr professionell Sport treiben können, erklärten ihm seine Ärzte.

Faule hätten aufgegeben. Lebe­männer auch. Feuz hingegen nimmt seither Schmerzen und unzählige Therapiestunden in Kauf. Er hat einen Weg gefunden, trotz Handicap zum besten Abfahrer der Gegenwart zu werden. Und dafür investiert er viel.

Und falls es einen letzten Beweis gebraucht hätte, was für ein Musterprofi Feuz geworden ist, dann war es sein zweiter Abfahrtssieg in Kitz­bühel. Der erste am Freitag war die Krönung. Nach Jahren des Wartens und vor allem der Erwartungen hatte er es geschafft. Bei vielen wäre in diesem Moment die Anspannung abgefallen. Beat Feuz aber blieb fokussiert. Er ruht sich nicht auf seinen Erfolgen aus. Er will mehr.