Formel 1
Ferrari verliert den roten Faden – kriegen Vettel und Leclerc die Kurve doch noch?

Statt um Siege mitzufahren, nehmen sich die beiden Ferrari-Piloten selbst aus dem Rennen. Nun hagelt es mediale Kritik von allen Seiten. Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 2009 steht der Formel-1-Rennstall in Ungarn besonders unter Druck.

Dominik Moser
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In der Krise: Die Ferrarifahrer Charles Leclerc (links) und Sebastian Vettel.

In der Krise: Die Ferrarifahrer Charles Leclerc (links) und Sebastian Vettel.

Bryn Lennon/Getty (Spielberg, 9. Juli 2020

Ferrari ist der Stolz einer ganzen Nation. Aktuell durchleben die Tifosi jedoch schwierige Zeiten. Die Bilanz nach den ersten beiden Rennen in Österreich ist für Ferrari ernüchternd. Mit 19 WM-Punkten steht die Scuderia nach den beiden Wochenenden in Spielberg so schlecht da wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Zuletzt waren es 2009 sogar null Punkte nach den ersten beiden Grands Prix.

Damals gelang es dem Team, den Fehlstart nach der Sommerpause einigermassen zu korrigieren. Kimi Räikkönen bescherte Ferrari in Francorchamps sogar noch einen Sieg. Ob Sebastian Vettel und Charles Leclerc auch 2020 wieder die Kurve kriegen? In der vergangenen Saison fuhr das Ferrari-Duo immerhin drei Siege ein.

Die Konkurrenz hat Mitleid mit dem Traditionsteam

Die Realität vermag mit den gewohnt hohen Ansprüchen jedenfalls nicht Schritt zu halten. Statt mit Mercedes und Red Bull um Siege zu kämpfen, duellieren sich die Fahrer aus Maranello mit McLaren und Racing Point um die Positionen im Mittelfeld. In der Konstrukteurswertung ist Ferrari nur an fünfter Stelle klassiert.

Lange nicht gesehen: Daumen hoch bei Sebastian Vettel.

Lange nicht gesehen: Daumen hoch bei Sebastian Vettel.

Keystone

Nach dem Absturz mit historischem Ausmass erntete die Scuderia von allen Seiten Hohn und Spott. Dass mittlerweile selbst die Konkurrenz Mitleid hat, beweist, wie schlimm es um den Traditionsrennstall steht. «Wir wünschen uns ein starkes Ferrari. Das ist eine unglaubliche Marke mit hart arbeitenden Menschen», sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Die Medien jedenfalls gingen mit den Italienern hart ins Gericht. Die deutsche «Bild»-Zeitung schrieb:

Ferrari Tutti Schrotti

Die vernichtende Kritik ist das Ergebnis einer unglücklichen Figur, die Ferrari in den vergangenen Wochen abgegeben hat – sowohl auf als auch neben der Rennstrecke.

Angefangen bei der mangelhaften Kommunikation zur Trennung von Vettel. Bis hin zum selbstverschuldeten Doppelausfall am vergangenen Sonntag, als Leclerc in der Startrunde beim Anbremsen in Kurve drei einen folgenschweren Fehler beging, mit seinem Teamkollegen Vettel kollidierte und beide Ferraris aus dem Rennen nahm.

Auch Alfa Romeo spürt die Krise

Dass es für Ferrari kein einfacher Saisonstart werden würde, war schon nach den Testfahrten im Februar klar. Der SF 1000 genügt den Ansprüchen eines Spitzenteams nicht. Über den Winter ist aus dem Auto mit dem springenden Pferd im Ferrari-Wappen ein lahmer Klepper geworden. Dass das diesjährige Modell nicht mehr ganz so tempofest ist, hat zum einen damit zu tun, dass Ferrari – mit dem Ziel, mehr Geschwindigkeit in den Kurven zu haben – den Abtrieb drastisch erhöht hat. Dafür ist das Auto auf den Geraden nun deutlich langsamer geworden, was auch die Kundenteams Alfa Romeo (früher Sauber) und Haas in Spielberg zu spüren bekommen. Mit dem Misserfolg steht auch Mattia Binotto mehr und mehr im Kreuzfeuer der Kritik. Der in Lausanne geborene Italo-Schweizer hat vor 18 Monaten seinen Job als Team- und Technikchef bei Ferrari angetreten. Nun fragt man sich, ob er teamintern nicht auf zu vielen Hochzeiten tanzt. Während bei Mercedes die Führungsaufgaben auf mehrere Personen verteilt werden, verantwortet Binotto sowohl das Auto als auch die Leistungen der Fahrer. (sda)