Automobil

Ferrari lacht, Sauber hofft: Die Bilanz vor der Formel-1-Sommerpause

Sebastian Vettel gewinnt den GP von Ungarn – ein Sinnbild.

Sebastian Vettel gewinnt den GP von Ungarn – ein Sinnbild.

Sebastian Vettel kommt in Ungarn zu seinem vierten Saisonsieg. Ein Erfolg, der sinnbildlich für Ferraris bisherige Auftritte steht. Nun kommt die Sommerpause. Zeit für eine Bilanz.

Um die seit drei Jahren anhaltende Mercedes-Dominanz zu brechen, jubelt der neutrale Formel-1-Fan sogar wieder über Erfolge von Sebastian Vettel, der zwischen 2010 und 2013 die Gesamtwertung vier Mal in Folge mit Red Bull für sich entschied. Zu erdrückend war die Übermacht von Mercedes seit der Einführung der Hybrid-Motoren 2014. Wer auf der Suche nach Dramatik war, musste sich zufriedengeben mit dem internen Mercedes-Teamkampf zwischen den Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton.

Und jetzt ist sie also wieder zurück – die Spannung in der Formel 1. Bereits im ersten Rennen der Saison in Australien liess Ferrari die Muskeln spielen und holte mit Vettel den ersten Sieg seit dem GP von Singapur im Herbst 2015. «Ferrari war einfach schneller als wir», musste Mercedes-Teamchef Toto Wolff eingestehen. Das waren sehr selten gewordene Worte: 51 Siege in 59 Rennen holte sein Team in den vergangenen drei Jahren.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff

«Ferrari war einfach schneller als wir»

Mercedes-Teamchef Toto Wolff

Zum einen liegt der Ferrari-Aufschwung am neuen Motor, der auf diese Saison hin stark verbessert wurde. Zum anderen aber auch an Mercedes selber. Dem Team um Hamilton und Valtteri Bottas gelang es nicht, wie in den vergangenen Jahren, jederzeit die perfekte Abstimmung für das Auto zu finden. Wolff bezeichnete das Auto nach dem GP von Monaco, wo Mercedes das erste Mal seit über einem Jahr das Podest verpasst hatte, als eine «Diva», die nicht immer das mache, was man von ihr verlange.

Trotzdem am schnellsten

Zwar ist der Mercedes auch in dieser Saison das deutlich schnellste Auto auf der Strecke: Zwei Zehntel nimmt das deutsche Team seinen Konkurrenten aus Italien auf einer Runde ab. Aber: Es sind die kleinen Details, die in dieser Saison bisher für den Unterschied gesorgt haben. In Bahrain kassierte Lewis Hamilton eine Fünf-Sekunden-Strafe, weil er Daniel Ricciardo in der Boxengasse blockiert hatte. In Aserbaidschan löste sich in Führung liegend die Befestigung seiner Kopfstütze. In Österreich musste er das Getriebe wechseln und kassierte dafür eine Zwangsrückversetzung um fünf Plätze in der Startaufstellung. Gleichzeitig wurde Vettel von solchen Malheurs bisher verschont: Für den mutwilligen Rempler gegen Hamilton in Aserbaidschan kam der Deutsche lediglich mit einer Zehnsekundenstrafe davon.

Vettel rammt Hamilton - Formel 1 - Baku/Aserbaidschan 2017

Vettel rammt Hamilton in Aserbaidschan.

Vielleicht symbolisch für die bisherige Saison von Ferrari war der gestrige Auftritt beim GP von Ungarn. Mit grosser Abgeklärtheit, mit einer unspektakulären Taktik und einem Auto, das sich über eine hohe Standfestigkeit auszeichnet, triumphierten die Italiener: Vettel siegte vor Kimi Räikkönen. «Gut gemacht, gut verwaltet, gut gefahren», funkte dann auch Ferraris Teamchef Maurizio Arrivabene nach der Zielflagge trocken in Vettels Ohr.

Sauber auf dem letzten Platz

Bei Ferrari läuft es also, was man von Sauber nicht sagen kann. Die Ansage beim Schweizer Rennstall vor der Saison war klar: «Wir wollen zurück ins Mittelfeld», sagte die damalige Teamchefin Monisha Kaltenborn. Inzwischen ist Kaltenborn nicht mehr bei Sauber und das Saisonziel in weite Ferne gerückt. Weil gestern in Ungarn Fernando Alonso als Sechster und Stoffel Vandoorne als Zehnter neun Punkte für McLaren sammelten, nehmen die Hinwiler neu den letzten Platz in der Konstrukteurswertung ein.

Antriebslos: Das Sauber-Team steht auf dem letzten Platz der Konstrukteurswertung.

Antriebslos: Das Sauber-Team steht auf dem letzten Platz der Konstrukteurswertung.

Statt auf der Rennstrecke sorgt Sauber in dieser Saison fernab vom Asphalt für Schlagzeilen: Der geplatzte Motoren-Deal mit Honda ist nur ein Mosaikstück in einer langen Liste von Rückschlägen in dieser Saison. Auch das neue Aerodynamik-Upgrade, mit dem endlich die volle Motorenleistung abgerufen werden kann, brachte in Ungarn keine Verbesserung: Pascal Wehrlein und Marcus Ericsson klassierten sich auf den letzten Plätzen. In der Sommerpause baut Sauber nun einen neuen Unterboden ein. Ob das reicht? In Ungarn lagen die Sauber zwei Runden zurück. Frédéric Vasseur, Saubers neuer Teamchef, gibt sich keinen Illusionen hin: «Wir dürfen keine Wunder erwarten.»

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