Formel 1

Fernando Alonso: Die Leiden eines 100-Millionen-Mannes

«El Matador» Fernando Alonso tut sich im Ferrari zur Zeit schwer mit der Konkurrenz der Roten Bullen.  Keystone

«El Matador» Fernando Alonso tut sich im Ferrari zur Zeit schwer mit der Konkurrenz der Roten Bullen. Keystone

Ferrari-Fahrer Fernando Alonso will beim Grossen Preis in Barcelona nach einem neuen Vertrag endlich den ersten Saisonsieg. Was jetzt schon klar ist: «El Matador» wird bei Rot in Pension gehen.

Ferrari ist in Italien wichtiger als der Papst – und in allen Kulturen eine Religion. Rot war und ist Pflicht. Vom GP Monaco 1950 bis heute. Firmengründer Enzo Ferrari, 1988 kurz vor dem GP von Italien in Monza gestorben und schon zu Lebzeiten ein Denkmal, lenkt seither seine Piloten aus dem Himmel. Die Scuderia gestern, heute und morgen – ein Mythos: Nichts fasziniert die Formel-1-Fans mehr als Ferrari. Auch ohne WM-Titel. Oder vielleicht gerade deshalb. Die Legendenbildung hat ihren Ursprung darin, dass das «Cavallino Rampante» seit der ersten Formel-1-Saison dabei ist. In guten wie in schlechten Zeiten. Das schweisst die Marke und ihre Fans zusammen. Oder: Je grösser der Leidensdruck, umso inniger die Verehrung.

Die Heiligen Hallen

Die Werkhallen in Maranello in der Provinz Modena, nördlich von Bologna gelegen, dort wo der «Vino Lambrusco» noch wirklich schmeckt, sind heiliges Territorium. An jedem Rennsonntag hofft nicht nur die gesamte Provinz, sondern ganz Italien auf einen roten Sieg. Gewinnt dann tatsächlich ein Ferrari, lässt der Pfarrer von Maranello die Kirchenglocken läuten.

Wenn Honda, Toyota oder BMW die Formel 1 verlassen, ist das nach drei Tagen vergessen. Wenn Ferrari nur damit droht, löst das ein Erdbeben aus. Die Scuderia – eine launische Diva. Vor allem dann, wenn der Erfolg ausbleibt. Wie jetzt. Schon der einsame Firmenpatriarch Enzo Ferrari wusste das Instrument der Erpressung perfekt zu nutzen. In Luca Cordero di Montezemolo wurde ein würdiger Nachfolger gefunden – 2009 nahm der launische Ferrari-Boss die Worte Rückzug oder Aufhören mehrmals in den Mund. Montezemolo ist Ferraris Hoffnung, aber gleichzeitig auch das grösste Problem. Seit er wieder überdurchschnittlich aktiv in die grosse Politik des Rennstalls eingreift, ist er davon beseelt, allen zu zeigen, wie gut er ist. Das potenziert den Druck auf seine Gefolgschaft.

WM-Titel muss her

2011 muss Ferrari Weltmeister werden. So hat es Montezemolo verlangt. Doch die Roten aus Maranello sind nicht konkurrenzfähig. Die ersten drei Rennen waren «sotto il cane» – unter jedem Hund. Beim Europa-Auftakt vor 13 Tagen in Istanbul schaffte es Fernando Alonso erstmals aufs Podest.

Das springende Pferd lahmt. Und Montezemolo sagt weshalb: «Mittlerweile hängt fast 80 Prozent der Performance von der Aerodynamik ab.» Das ist laut dem Ferrari-Boss «viel zu viel». Die Aussage zielt frontal gegen Konkurrent und Seriensieger Red Bull: Die verpflichten mit Technikgenie Adrian Newey nämlich den besten Aerodynamiker der Welt – und fahren derzeit in einer anderen Liga. Und weil Newey letztes Jahr ein millionenschweres Ferrari-Angebot abgelehnt hat, ist Montezemolo noch heute gekränkt.

Traumpaarung Ferrari/Alonso

Morgen Sonntag hofft man im «Haus der 1000 Lügen und Wahrheiten» auf einen Ferrari-Erfolg – und ganz Spanien auf eine «Ritorno glamoroso» des Publikumslieblings: Fernando Alonso. «Hier das Heimrennen bestreiten zu können ist ein unbeschreibliches Gefühl», so «El Matador».

Alpha-Tier Alonso

Seit 2007 Rennen rast Ferrari dem WM-Titel hinterher. Zu lange für ein Team mit einem Budget von einer halben Milliarde Franken. Letzter Ferrari-Weltmeister war Kimi Räikkönen 2007: Mit «Gottes Hilfe» katapultierte er sich dank dem Sieg beim GP do Brasil noch vor das zerstrittene McLaren-Duo Hamilton/Alonso. Am Schluss hiess es: Räikkönen 110 Punkte, Hamilton und Alonso je 109 Punkte.

2009 musste der «Iceman» Ferrari verlassen – um Alonso Platz zu machen. Seither beansprucht das Alpha-Tier bei den Roten den Nummer-1-Status. Teamkollege Felipe Massa ist nur Wasserträger. Trotz Vertrag für 2012. Aber was sind in der Königsklasse schon Verträge. Alonso ist im Team der Antreiber, die Integrationsfigur, der Mann fürs Grobe und die unmöglichen Siege. Geschickt umgarnt der clevere Politiker und «Ferrari-Messias» Team und Fans. Doch im Moment leidet er – sein «F150th Italia» ist immer noch nicht schnell genug.

Rentenvertrag bei Ferrari

Ferrari hat hier in Barcelona am Donnerstag mit Alonso den Vertrag verlängert – bis Ende 2016. Die Gage: Unglaubliche 100 Millionen Euro für fünf Jahre inklusive Gehaltserhöhung. Was jetzt schon klar ist: «El Matador» wird bei Rot in Pension gehen – was der Asturier hier am Mittelmeer auch bestätigt: «Ja, Ferrari ist meine Familie und wird meine letzte Station als Formel-1-Pilot sein.» Wann dies sein wird, ist offen. Die Spanier und Italiener jubeln. Und auch Ehefrau Raquel del Rosario, mit der Alonso in Lugano wohnt, ist glücklich über den Rentenvertrag ihres Lovers. Mit der Sängerin der in Spanien populären Rock-Pop-Band «El sueno de morfeo» ist Alonso seit rund vier Jahren liiert. Und die rassige Raquel drückt Fernando auch heute für die Quali die Daumen – und für den Heim-GP morgen Sonntag sogar noch etwas fester als sonst.

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