Tennis

Federer und Wawrinka träumen vom Titel beim letzten Turnier des Jahres

Sowohl Stan Wawrinka als auch Roger Federer wollen in London kurz vor Saisonschluss noch einmal angreifen.

Sowohl Stan Wawrinka als auch Roger Federer wollen in London kurz vor Saisonschluss noch einmal angreifen.

Die Schweizer Tennisprofis wollen den World Tour Finals ihren Stempel aufdrücken. Roger Federer und Stan Wawrinka fühlen sich für die letzte Aufgabe auf der diesjährigen Tour bereit.

Vor einem Jahr duellierten sich die zwei Schweizer in einem denkwürdigen Halbfinal. Wawrinka vergab Matchbälle, Mirka Federer brüllte «Heulsuse» von der Tribüne, was der Waadtländer überhaupt nicht lustig fand. Eine Woche vor dem Davis-Cup-Final in Frankreich war das Verhältnis zwischen den Schweizer Stars gestört. Als dann Federer nach dem hart erkämpften Sieg den Finaltriumph wegen Rückenproblemen kampflos Novak Djokovic überlassen musste, schien der Traum vom Davis-Cup zu Ende. Die World Tour Finals, so sah es aus, waren zum Schweizer Albtraum geworden.

Doch die beiden rauften sich wieder zusammen, holten den Davis-Cup. Die Animositäten sind längst vergessen. Zwei Stunden lang trainierten sie am Freitag in der Londoner 02-Arena miteinander. Beide fühlen sich bereit für einen grossen Coup. Die Schweizer wollen dem haushohen Favoriten Djokovic ein Bein stellen. Bei Wettbüros gelten sie als erste Herausforderer des Serben. 1,55 lautet die Quote für dessen Sieg. 4,50 für Federer und den elffachen Einsatz gibt es bei einem Triumph Wawrinkas.

Krönt Federer eine tolle Saison?

Schon sechsmal gewann Federer die World Tour Finals – oder das Masters, wie es früher hiess. Vor zwölf Jahren in Houston war es nach dem ersten Wimbledonsieg sein zweiter ganz grosser Triumph und der letzte Schritt, um endgültig den Durchbruch auf höchster Ebene zu schaffen. Keiner hat dieses Turnier öfters gewonnen als der Schweizer, doch liegt sein letzter Erfolg vier Jahre zurück. Mit 34 Jahren spielt Federer eine herausragende Saison, hat sechs Turniere gewonnen. Und dennoch, eine Krone fehlt. Zwar hat er zwei Finals gegen Djokovic gewonnen, aber vier verloren, vor allem bei den Grand-Slam-Turnieren in Wimbledon und New York. Zum 14. Mal in Serie qualifizierte sich Federer für das Turnier der besten acht und zog damit mit Andre Agassi gleich. Nur 2008 verpasste er die Halbfinals.

Schon immer stufte der Basler dieses Turnier der besten acht ganz weit oben ein. Auch in diesem Jahr sind die World Tour Finals für ihn wieder ein grosses Ziel. Frisch sei er, sagte er. Weil er in Paris schon im zweiten Match ausgeschieden sei, habe er genügende Erholung gehabt. Und so konnte er auch die Reise nach Finnland geniessen, wo er zuletzt der Stargast beim Abschied seines Freundes Jarkko Nieminen war. «Es wäre schlimm, das Jahr mit drei Niederlagen beenden zu müssen», sagt Federer, der wie immer nicht weiter als bis zu den Gruppenspielen vorausschaut. Heute (21 Uhr) trifft er auf den Tschechen Tomas Berdych, die Nummer sechs der Welt. 14:6 führt Federer im direkten Vergleich. Noch nie spielten sie bei den World Tour Finals gegeneinander. Weiter gehts dann für Federer am Dienstag, gegen Djokovic oder den Japaner Kei Nishikori, je nach Resultat. Die beiden Sieger und die beiden Verlierer der ersten Runde treffen sich im zweiten Gruppenmatch.

Stan will wieder in die Halbfinals

Mit dem Knaller gegen Rafael Nadal startet Wawrinka morgen Abend ins Turnier. Auch bei seiner dritten Teilnahme in London möchte der 30-Jährige wieder in die Halbfinals. «Auch wenn es nicht selbstverständlich ist, so ist auch die Saison 2015 im Vergleich mit dem Vorjahr fast schon normal», sagt Wawrinka. Wieder hat er ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. In Paris versaute er Djokovic den Grand Slam. In London schenkte er dem Kontrahenten einen Schlüsselanhänger mit einer kleinen Ausgabe der berühmten bunten Hose, die er beim French Open immer getragen hat. «Wir reden noch oft über dieses Match, die Emotionen», sagt er. Viel Selbstvertrauen zieht er daraus, und Djokovic hat seit dieser Partie noch mehr Respekt vor dem Schweizer als zuvor schon.

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