Meister der Koketterie
Federer und die Frage nach der Sandsaison – «Ich würde es lieben, gegen Nadal auf Sand zu spielen»

Spielt er auf Sand oder nicht? Keine Frage wird derzeit heisser diskutiert als jene nach den Plänen von Roger Federer. Erkenntnisgewinn? Kaum. Federer selber ist daran nicht ganz unschuldig.

Simon Häring
Drucken
Teilen
Roger Federer geniesst die Welle des Erfolgs und die Momente im Scheinwerferlicht.

Roger Federer geniesst die Welle des Erfolgs und die Momente im Scheinwerferlicht.

KEYSTONE

Sie könnte ihn ermüden, vielleicht sogar nerven. Stattdessen belustigt sie ihn – die immer wieder gestellte Frage nach seinen Plänen während der Sandsaison. Roger Federer lächelt sie nicht nur weg. Man könnte meinen, er mache sich inzwischen fast schon einen Spass daraus, damit zu kokettieren.

Ihm huschte ein Lächeln über die Lippen, als sie wieder kam, diese Frage. Er war bestens darauf vorbereitet. Und lieferte wieder einmal eine Antwort, die Raum liess für Interpretationen.

An der Konkurrenz liegts nicht

«Ich mag die Herausforderung, welche die wechselnden Bedingungen mit sich bringen», sagte er, nachdem er in Indian Wells in die Halbfinals eingezogen war und damit die Führung in der Weltrangliste sichergestellt hatte. Es schien ihn fast zu kränken, dass die Frage im Raum steht, ob er seine Pläne davon abhängig mache, wie gut die Konkurrenz in Form sei.

«Es hat nur mit mir zu tun, ob ich spiele oder nicht. Und nichts mit Nadal», stellte er klar. Zehnmal hat der Spanier die French Open gewonnen, dabei besiegte er viermal im Final Federer. Nur 2 von 13 Duellen auf Sand gewann der Schweizer.

Der letzte Zacken in Federers Krone

Auch darum sagt Federer: «Rafael Nadal ist auf Sand noch immer der Beste.» Und doch scheinen die Chancen auf einen Coup Federers auf Sand gross. Seit Mitte Januar fehlt Nadal wegen einer Verletzung am rechten Hüftbeuger. Er will Mitte April in Monte Carlo wieder antreten.

Federer sagt: «Ich würde es lieben, gegen ihn auf Sand zu spielen, auch über fünf Sätze.» Man kann es drehen und wenden, wie man will: Doch im Prinzip ist ein Finalsieg gegen Nadal in Roland Garros der einzige Zacken, der in Federers Krone noch fehlt.

Federers Rückhand

Letztmals gab es das Kräftemessen auf dieser Unterlage vor fast fünf Jahren in Rom, als Federer nur vier Games gewann. Doch damals kämpfte er mit chronischen Rückenproblemen.

Nadal hingegen gewann in diesem Jahr zehn Turniere, darunter die French Open und die US Open. Doch heute ist Federer ein anderer. Seine verbesserte Rückhand hat die Physiognomie des Duells verändert. Seither hat Federer alle fünf Partien gegen Nadal gewonnen.

Roger geniesst den Hype

Was das für das Spiel auf Sand bedeutet, diese Frage beschäftigt auch ihn. Er sei sich nicht sicher, was ihm gegen Nadal auf Sand helfen würde. Aber er sagt auch: «Ich bin schon neugierig, zu sehen, ob sich das auszahlen würde.»

Wieder spielte er das Spielchen munter mit, als er nachschob, dass er nicht daran glaube, dass seine Chancen besser stünden. Wieder waren alle genau so schlau wie zuvor. Und Federer lächelte. Dazu passte auch, was er dem «Tages-Anzeiger» sagte: «Ich bin nicht nur Tennisspieler, sondern auch ein Entertainer.» Er geniesse es, dass es einen solchen Hype um ihn gebe.

Erst nach Miami, dann Sambia

Wieder einmal hatte Federer viel erzählt. Laut nachgedacht. Einen flüchtigen Blick in seine Gedankenwelt gewährt. Aber in die Karten blicken; das liess er sich nicht. Als es darum ging, die harten Fakten zu rezitieren, machte er das mit gewohnter Routine. Es sind noch immer die gleichen: Er entscheide nach Miami. Im April reise er nach Sambia. Was danach kommt, ist offen.

Aber es ist anzunehmen, dass Federer mehr als nur einen Gedanken an eine Rückkehr auf Sand verschwendet hat. Schliesslich war er es selbst, der den Spekulationen Tür und Tor geöffnet hatte, als er sagte, es wäre sein Traum, noch einmal in Paris zu gewinnen. Er beherrscht sie wirklich bestens: die Koketterie.