Kommentar
Federer macht Pause: Das ist mutig, aber auch konsequent und vernünftig

Nach seinen Turniersiegen in Indian Wells und Miami nimmt sich Roger Federer einer Auszeit. Ein kluger Entscheid, auch wenn ihn das wertvolle Punkte kostet. Ein Kommentar.

Simon Häring
Drucken
Teilen
Roger Federer pausiert für zwei Monate.

Roger Federer pausiert für zwei Monate.

Keystone

Sein Körper ist sein Kapital. In dieser Phase der Karriere noch mehr denn je. Wie gross die Differenz bei Roger Federer ist, wenn er ausgeruht und in einwandfreier Verfassung ist, hat er bereits zum Jahresbeginn eindrücklich unter Beweis gestellt. Bei den Australian Open gewinnt er zum ersten Mal ein Grand-Slam-Turnier, bei dem er sich im Verlauf des Turniers drei Mal erst im fünften Satz hat durchsetzen können. Und das im Alter von 35 Jahren.

Roger Federers Saisonstarts seit 1999

Roger Federers Saisonstarts seit 1999

watson.ch (watson)/infogram

«Ich bin nicht mehr 24. Ich muss mir meine Momente herauspicken und auf meine Gesundheit achten und darauf, dass ich in allen Belangen meines Lebens glücklich bin», sagt Federer. Und kündigt im gleichen Atemzug an, dass die nun beginnende Saison auf Sand grösstenteils ohne ihn stattfinden wird. Geplant sei nur eine Teilnahme bei den French Open ab dem 28. Mai. Monte Carlo? Madrid? Rom? Ohne Federer. Vorläufig.

Ein Fehlentscheid, jetzt, wo die Nummer 1 wieder zum Thema wird? Im Gegenteil. Er ist mutig, konsequent und vernünftig.

Federers Vorsprung in der Jahreswertung ist so gross, dass ihn beispielsweise Novak Djokovic und Andy Murray nicht einmal dann überholen können, wenn sie alle drei Masters-1000-Turniere auf Sand gewinnen.

Für Federer beginnt die Saison im Juni, nach den French Open, wieder von vorne. Auf Rasen. Auf seinem Lieblingsbelag.

Dort bestreitet er mit Stuttgart, Halle und Wimbledon drei Turniere. Drei Turniere, die er alle gewinnen kann und gewinnen will. «Ich nehme lieber eine Auszeit und komme voller Energie und Zufriedenheit zurück, als dass ich irgendwo bin und die Leute sehen, dass ich nur weg will. So einer will ich nicht sein, wirklich nicht.» Federer will einer sein, der gewinnt. Am liebsten in Wimbledon. Es wäre sein achter Triumph an der Church Road, und ein Rekord.

Neu ist die Idee der selbst verordneten Sand-Diät übrigens nicht. Schon im letzten Jahr wollte Federer auf einen Grossteil der Turniere auf seiner statistisch gesehen schwächsten Unterlage verzichten. Es kam wegen seines Meniskusrisses anders. Federer kehrte in Monte Carlo zurück, spielte dann auch in Madrid und Rom. Ohne Erfolg. Auch aus dieser Erfahrung hat Federer gelernt. «Der Verzicht», sagt er «kann sich als gute Sache erweisen.»

Aktuelle Nachrichten