Federer, Djokovic und Nadal: Drei, die wieder am gleichen Tisch sitzen

Wie Roger Federer die erste Sitzung als neuer Spielerrat mit Rafael Nadal und Novak Djokovic erlebte. Und welche Themen den Tennis-Spielern unter den Nägeln brennen.

Doris Henkel, New York
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Roger Federer und Novak Djokovic sitzen gemeinsam im Spielerrat (Bild: EPA).

Roger Federer und Novak Djokovic sitzen gemeinsam im Spielerrat (Bild: EPA).

Die erste Sitzung nach der Rückkehr haben sie hinter sich, und Roger Federer sagt, sie sei ziemlich gut gewesen. So sieht es auch Rafael Nadal. Vor ein paar Monaten hatten die Granden des Tennis zum ersten Mal darüber geredet, ob sie in den Spielerrat der Männertennis-Organisation ATP zurückkehren wollten und sollten, und für beide war von Anfang an klar: Sie machen die Reise entweder zusammen oder gar nicht. Wenn du es machst, versprachen sie sich gegenseitig, dann mach ich es auch. Im Prinzip hätten sie noch ein Jahr warten müssen bis zur neuen Besetzung des Gremiums, in dem die Spieler zehn Plätze halten, darunter sechs aus den Top Hundert der Weltrangliste. Doch dann waren die Kollegen Robin Haase, Jamie Murray und Sergi Stachowsky, frustriert von den herrschenden Verhältnissen, zurückgetreten, und Federer, Nadal und der Österreicher Jürgen Melzer rückten Anfang August nach.

Von 2008 bis 2014 hatte er den Spielerrat schon als Präsident geleitet, bis 2012 mit dem Vizepräsidenten Rafael Nadal, doch diverse Entwicklungen in diesem Jahr riefen beide nach einer Pause nun wieder auf den Plan. Die Querelen um die Kündigung des Vertrages des britischen ATP-Chefs Chris Kermode im März, an dessen Stelle der Präsident des Spielerrates, Novak Djokovic am liebsten seinen guten Freund Justin Gimelstob gesehen hätte, schlugen Wellen, und vieles, was sie da sahen und hörten, gefiel weder Nadal noch Federer. «Dass es explosiv zugeht, ist ja klar», sagt Federer, «aber wenn du ausserhalb bist, dann bekommst du nicht alles mit – die Hälfte. Und um dir eine Meinung zu bilden, langt die Hälfte einfach nicht.»

Machen gemeinsame Sache: Roger Federer und Rafael Nadal (Bild: EPA).

Machen gemeinsame Sache: Roger Federer und Rafael Nadal (Bild: EPA).

«Turniere finden das nicht sexy»

Es gibt brisante Themen, die den Spielern unter den Nägeln brennen, so die Richtung der politischen Führung in Person des noch nicht feststehenden Nachfolgers für Kermode. Und vor allem der Kampf der Akteure jenseits der Top Hundert, die höheres Preisgeld für die ersten Runden fordern, um für das Leben auf der Tour nicht draufzahlen zu müssen. Federer meint, im Vergleich zu seinen Anfängen sei das Preisgeld für die Besten ziemlich schnell drastisch erhöht worden. Nicht nur die an der Spitze sollen mehr verdienen «Wenn es weitere Erhöhungen gibt, dann sollte es nicht mehr an der Spitze passieren, da haben wir ein wirklich gutes Niveau erreicht. Ich weiss, dass es die Turniere nicht sehr sexy finden, mehr Geld an Qualifikanten der ersten oder zweiten Runde oder bei den Challengern auszuschütten. Aber es wäre schön, wenn auch die Spieler auf dieser Ebene überleben könnten und nicht nur ganz an der Spitze. Das kriegen wir hoffentlich in den nächsten fünf bis zehn Jahren hin.»

Ob man die Rückkehr der nicht ganz unbekannten Spieler aus Spanien und aus der Schweiz in den Spielerrat darüber hinaus auch so deuten soll, dass die dem Kollegen Djokovic ein wenig auf die Finger schauen wollen? Das wäre vermutlich nicht völlig aus der Luft gegriffen. Zur Zeit des grössten Durcheinanders im März hatte Federer vergeblich versucht, einen Termin beim Serben zu bekommen. Jetzt sagt er, die neue Konstellation rücke alle enger zusammen, und er hoffe, damit Fehler zu vermeiden. «Ich bin ja schon früher mit Novak und Rafa im Council gewesen, und es ist eigentlich alles sehr gut gegangen.» Wichtig ist ihm jetzt vor allem zu reden, Meinungen zu hören, sich im Sinne aller auszutauschen, und genau das hat er vor.