Tennis
Fedcup: Kleine Frau ganz gross - Golubic gleicht für die Schweiz aus

Damit hatte wohl keiner ernsthaft gerechnet. Bei ihrem ersten Einzel im Fed-Cup wuchs Viktorija Golubic über sich hinaus. Die 23-Jährige schlug die haushohe Favoritin Karolina Pliskova 3:6, 6:4, 6:4. Dabei zeigte die Schweizerin, Nummer 129 der Welt, gegen die Nummer 18 eine Klasseleistung und feierte ihren grössten Sieg.

Michael Wehrle
Drucken
Teilen
Fed-Cup-Halbfinal Schweiz-Tschechien
18 Bilder
Belinda Bencic und Martina Hingis feuern Timea an
Viktorija Golubic ist auf das Spiel fokussiert.

Fed-Cup-Halbfinal Schweiz-Tschechien

Keystone

Nach dem Ausfall von Belinda Bencic musste Golubic ran und übertraf die Erwartungen. Je länger die Partie dauerte, umso stärker wurde sie. Nach verlorenem ersten Satz lag sie wieder 2:4 zurück und alles deutete auf eine ehrenvolle Niederlage hin. Doch die Zürcherin mit kroatisch-serbischen Wurzeln steckte keineswegs auf. Sie gewann vier Games in Folge und damit den Satz.

Im dritten Satz war Golubic dann die klar stärkere Spielerin, auch wenn sie natürlich von ein paar haarsträubenden Fehlern ihrer Gegnerin profitierte. So schlug die 1,86 Meter lange Pliskova beim Stand von 5:4 einen einfachen Smash aus zwei Metern ins Netz und bescherte der Schweizerin den Matchball, den diese, 16 Zentimeter kleiner als ihre Gegnerin, mit einem tollen Passierschlag nutzte. Dabei bewies sie auch Nervenstärke, liess sich nicht verunsichern, als Pliskova im dritten Satz nochmals von 2:5 auf 4:5 herankam.

Bacsinszky unterliegt Angstgegnerin erneut

Dagegen ging bei Bacsinszky gar nichts. Auch im vierten Vergleich mit Barbora Strycova zog sie den Kürzeren. 2008 und 2010 hatte sie gegen die Tschechin verloren, das alles ist Schnee von gestern, das zählt für die Waadtländerin nicht mehr.

Doch auch beim US Open im Herbst hatte sie gegen Strycova schlecht ausgesehen. Und eine ähnliche Klatsche kassiert wie gestern. 5:7, 0:6 hatte es damals geheissen. Diesmal lief von Beginn alles schief: 0:6, 2:6 lautete das bittere Ergebnis nach lediglich 65 Minuten.
Von Beginn an fand Bacsinszky, die Nummer 17 der Welt, kein Rezept gegen die Weltnummer 33. Die kleine Tschechin, sie misst nur 1,64 Meter, dominierte von A bis Z. Die 30-Jährige beging kaum Fehler, schlug stark auf, glänzte mit Volleys und war blitzschnell auf den Beinen. Strycova gewann 52 der gespielten 82 Punkte.
Nicht einmal eine halbe Stunde dauerte der erste Satz und auch im zweiten ging die Tschechin schnell mit 3:0 in Führung. Die Fans trieben Bacsinszky unermüdlich an, es half immerhin ein wenig. Doch Strycova liess sich nicht aus dem Konzept bringen, zog ihr Spiel durch. Mit einem Stoppversuch ins Netz beendete Bacsinszky ihren völlig missratenen Arbeitstag. Dabei hatte sie sich so viel vorgenommen.
«Es tut so weh», sagte sie mit Tränen in den Augen. Die ganze Woche habe sie sich so auf den Auftritt vor den eigenen Fans gefreut, und dann habe gar nichts geklappt. Sie habe gar nicht einmal so schlecht begonnen, dann sei die Gegnerin immer besser geworden. «Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, finde ich eine Lösung», erzählte sie. Sie fand sie nicht.

Mag gar nicht mehr hinsehen: Timea Bacsinszky verlor im Fedcup-Halbfinal gegen Barbora Strycova sehr deutlich

Mag gar nicht mehr hinsehen: Timea Bacsinszky verlor im Fedcup-Halbfinal gegen Barbora Strycova sehr deutlich

KEYSTONE/URS FLUEELER

Doch das spornt sie nur an. «Ich habe noch viel zu lernen. Sie nehme da gerne Agnieszka Radwanska als Beispiel. Vor einem Jahr fegte Bacsinszky die Polin im Fed-Cup 6:1, 6:1 vom Platz. «Ich weiss jetzt, wie sie sich gefühlt hat, vor ihrem Publikum», sagte Bacsinszky.

Am Ende des Jahres aber habe Radwanska das Masters gewonnen und stehe auf Platz zwei der Weltrangliste. «Ich fühle und hoffe, dass ich mich noch entwickeln kann», sagte die 26-Jährige. Sie sei ja noch jung.

Aktuelle Nachrichten