Wahl im Fechtverband
Im Fechten bricht ein neues Zeitalter an: Zwei «Rebellen», drei Frauen, alle Sprachregionen im Vorstand und eine Legende abgewählt

Die Wahl in den siebenköpfigen Vorstand des Schweizer Fechtverbands brachte gleich mehrere Überraschungen. Die beiden zerstrittenen Lager waren letztlich etwa gleich gross. Die neue Führung will jetzt aber an einem Strick ziehen.

Rainer Sommerhalder
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Zukünftig will man im Schweizer Fechtsport wieder gemeinsam in die gleiche Richtung arbeiten.

Zukünftig will man im Schweizer Fechtsport wieder gemeinsam in die gleiche Richtung arbeiten.

Urs Bucher

Die Generalversammlung des Schweizer Fechtverbands hat nach einem unschönen Wahlkampf den Vorstand neu bestellt. Die 52 Vereine geizten nicht mit Wahlüberraschungen. Mit dem Bieler Christoph Gächter und der Walliserin Tiffany Géroudet stossen zwei «Rebellen» ins Führungsgremium. Gächter verlor auch den Zweikampf ums Präsidium gegen den Berner Lars Frauchiger überraschend knapp.

Erst in der Stichwahl gegen Florence Dinichert unterlag der St. Galler Till Ferst – auch er ein Reformer. Die Wahl der ehemaligen Modernen Fünfkämpferin Dinichert sorgte im Fechtverband für einen historischen Frauentag, die drei von sieben Positionen im Vorstand besetzen. Weil auch der Luganesi Christian Barozzi die Wahl schaffte, sind neu alle drei Sprachregionen in der Führung vertreten.

Auf der Verliererseite stand die Schweizer Fechtlegende Gabriel Nigon. Der Basler wurde nach 29 Jahren im Vorstand abgewählt. Mit Nigons Klubkollege bei der Basler Fechtgesellschaft, dem ehemaligen Spitzenfechter Florian Staub, schaffte der hoch gehandelte designierte Spitzensportverantwortliche die Wahl überraschend nicht.

Lars Frauchiger und Christoph Gächter betonten gemeinsam den Willen, ein neues Kapitel aufzuschlagen. «Die Chemie im Gremium stimmt. Jetzt wollen wir beginnen, die grossen Erwartungen zu erfüllen», sagte Frauchiger.

Bereits am Tag nach der Generalversammlung hatten die Rivalen der vergangenen Wochen an den Schweizer Nachwuchsmeisterschaften in Zürich den ersten gemeinsamen Auftritt. Und am Sonntag gab es auch den ersten kleinen Aufreger. Die Stimme des kleinen Fechtvereins Fürstenland zählte an der GV wegen eines technischen Problems mit den Lizenzen nicht.

Nun muss die Wahlaufsichtskommission entscheiden, welche Konsequenzen die nachträgliche Stimmabgabe hat. Allenfalls verdrängt der St. Galler Till Ferst nun doch noch die dritte Frau Florence Dinichert aus dem Führungskomitee. Christoph Gächter freute sich, wie das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit vom neuen Gremium «hochprofessionell» entschieden wurde. «Ich habe ein wirklich gutes Gefühl für die Zukunft», sagte der Bieler.