Saisonstart
Der Schweizer Fechtsport will mit Max Heinzer zurück in die Zukunft

Mit dem alten Förderer und einem neuen Nationaltrainer hat das Aushängeschild des Schweizer Fechtsports, Max Heinzer, wieder zur Freude gefunden. Der Innerschweizer startet am Wochenende beim GP von Bern in die neue Saison. Auch der Verband sieht einer spannenden Zukunft entgegen.

Rainer Sommerhalder
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Der Schweizer Fechter Max Heinzer startet beim GP in Bern am Wochenende in die neue Saison.

Der Schweizer Fechter Max Heinzer startet beim GP in Bern am Wochenende in die neue Saison.

Patrick Hürlimann

Max Heinzer ist das sportliche Gesicht des Schweizer Fechtsports. Ein Gesicht, dessen trauriger Ausdruck vielen Sportfans von Heinzers emotionaler Botschaft nach dem Olympiawettkampf in Erinnerung ist. Der zweifache Familienvater entschuldigte sich im TV-Interview herzergreifend bei seinem Sohn Mael, dass er nicht wie versprochen mit einer Medaille aus Tokio zurückkehren wird.

War die grenzenlose Enttäuschung in jenem Augenblick so etwas wie ein Vorbote für Heinzers Rücktritt? Immerhin ist der Innerschweizer bereits 34 Jahre alt und seinem Sport seit einem Vierteljahrhundert treu. Stets mit viel Hingabe und einem beeindruckenden Aufwand.

Der Schweizer Fahnenträger Max Heinzer bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio.

Der Schweizer Fahnenträger Max Heinzer bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio.

Keystone

Nein! Wenn am Wochenende in Bern mit dem traditionellen Grand Prix die neue Weltcupsaison eingeläutet wird, steht Heinzer wieder auf der Matte. Mit ungebrochenem Ehrgeiz, mit neuer Motivation und mit einigen Änderungen im sportlichen Umfeld. Zwei Dinge haben die Fortsetzung der Karriere befeuert. Die Gewissheit, dass die persönliche Leistung in Tokio gestimmt hat und in den entscheidenden Momenten viel Wettkampfpech mit im Spiel war. Und der Gedanke an die Mannschaft. Teamleader Heinzer sieht sich auch in der Pflicht, den Aufbau einer neuen schlagkräftigen Equipe mitzugestalten.

Ein aufgeschobenes Versprechen?

Die aktuelle Weltnummer 14 setzt seine Karriere vorerst bis zu den Weltmeisterschaften 2022 in Kairo fort. Zuallererst hofft er jetzt auf eine normale Saison, nachdem wegen Corona im Fechtsport beinahe zwei Jahre lang kaum internationale Turniere stattfanden. Er will die Situation Jahr für Jahr neu beurteilen. Die Konkurrenzfähigkeit als Fechter, die Perspektiven mit dem Team und die familiären Umstände werden als Kombination darüber richten, ob Heinzer sogar in drei Jahren bei den Olympischen Spielen in Paris nochmals auf Medaillenjagd gehen und vielleicht dann das Versprechen an seinen Sohn doch noch einlösen wird.

Um den zukünftigen Schlüssel für den Erfolg zu finden, reiste Heinzer zuerst in die eigene Vergangenheit. Er trainierte im Sportzentrum OYM in Cham, wo der 17-fache EM- und WM-Medaillengewinner fast täglich seine Einheiten absolviert, mit seinem ehemaligen Förderer Gianni Muzio. Der Italiener war zu jener Zeit Schweizer Nationaltrainer, als Max Heinzer zur Weltnummer 1 aufstieg. «Es ging einerseits darum, die Freude wieder zu finden. Aber auch um erfolgreiche Basisarbeit und neue Ideen.» Zu Muzios Fähigkeiten habe er ein unerschütterliches Vertrauen.

In Tokio kam der Schweizer Fechter nicht über den Achtelfinal heraus.

In Tokio kam der Schweizer Fechter nicht über den Achtelfinal heraus.

Keystone

Ein solches baut Heinzer derzeit auch zum neuen Nationaltrainer Stéphane Le Roy auf. Die ersten Eindrücke sind positiv, «aber eine erste Bilanz, wie gut es harmoniert, kann man erst im Ernstkampf ziehen. Bisher war alles im geschützten Rahmen», sagt Heinzer nüchtern. Um die eigenen Ideen und die Ideen der neuen Verbandsführung zu bestärken, geht er auch im Trainingsalltag neue Wege. Künftig sollen mehr gemeinsame Kadertrainings die Qualität erhöhen. Jeden Montag und Donnerstag reist Heinzer deshalb neuerdings per Zug nach Bern für ein Training des Nationalteams. Umgekehrt kommt Le Roy jeden Dienstag und jeden zweiten Freitag nach Cham, um individuell mit seiner Nummer 1 zu arbeiten.

Der neue starke Mann will Vertrauen schaffen

Verantwortlich für die neue Konzeption ist der ehemalige Olympia-Teilnehmer Daniel Lang. Der 50-jährige Zürcher ist seit August zu gleichen Teilen General Manager und Chef Leistungssport im Verband. Im Schweizer Fechtsport wird sich nicht nur punkto Rotationsplan der Trainingsorte für die Nationalkader einiges verändern. Neu werden Männer- und Frauenkader strikt getrennt. Der Franzose Paul Fausser kümmert sich hauptamtlich um die Frauen. Mit der ehemaligen Weltnummer 1 Silvio Fernandez ist auch ein neuer Leiter Nachwuchs im Amt.

Lang ist ein guter Austausch im Leistungssport-Bereich des Verbandes wichtig. Sein wichtigstes Dossier ist der Aufbau eines schlagkräftigen Teams für künftige Olympische Spiele. Denn sportlichen Erfolg braucht der Verband, um weiterhin in der höchsten Einstufung bei Swiss Olympic zu verbleiben. «An mir liegt es, für den roten Faden zu sorgen», sagt der langjährige Kampfrichter Lang, der für die neue Herausforderung im Verband seinen Job im Management einer Firma für die Entwicklung von Software aufgab. «Es war für mich die Gelegenheit, Passion mit beruflicher Erfahrung zu verbinden», erklärt der neue operative Chef.

Langs Auftrag ist die Professionalisierung der bestehenden Strukturen. Er will auf seinem Weg Präsenz zeigen, konsequent und offen kommunizieren und für transparente Prozesse und faire Entscheidungen einstehen. Damit will Daniel Lang das Vertrauen aufbauen, das zuletzt unter Turbulenzen in der Verbandsführung gelitten hat. Denn auch solches sind Faktoren, die neben der fechterischen Talente von Max Heinzer und Co. Voraussetzung für kontinuierliche sportliche Erfolge bilden. Die ersten Feedbacks von Klubs und Athleten seien positiv, sagt Lang. Doch auch er weiss, dass letztlich die Resultate die härteste Währung sind. Zum Beispiel beim Heimauftritt am GP Bern.

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