Abgang beim FC Basel
FC-Wil-Präsident Maurice Weber: «Wir hatten Ciriaco Sforza vor dem Haifischbecken gewarnt»

Es ist eine hypothetische Frage, aber halt doch eine, die sich nach Ciriaco Sforzas Freistellung beim FC Basel stellt: Wäre der Trainer im vergangenen Sommer nicht besser beim FC Wil in der überschaubaren Challenge League geblieben? Beim FC Wil leidet man mit Sforza mit, wie Präsident Maurice Weber sagt. Er hatte den Trainer damals nicht ohne Warnhinweis zum FC Basel ziehen lassen.

Ralf Streule
Merken
Drucken
Teilen
Ciriaco Sforza nach der Niederlage gegen den FC Vaduz.

Ciriaco Sforza nach der Niederlage gegen den FC Vaduz.

Patrick Straub / KEYSTONE

Ciriaco Sforza war ein grosses Risiko eingegangen, als er den FC Wil im vergangenen Sommer in Richtung Basel verliess. Es war ein prestigeträchiger Wechsel von der Challenge League in die Super League - aber eben auch ein Wechsel von einer beschaulichen Fussballwelt in eine unübersichtliche. Und natürlich gibt es nun jene, die finden: Sforza wäre besser in Wil geblieben, wo er ruhig seiner Arbeit nachgehen konnte, anstatt im FC Basel mit ungleich schwierigerem Umfeld anzuheuern.

Weber: «Natürlich konnten wir Sforzas Abgang damals verstehen.»

Maurice Weber, Präsident FC Wil

Maurice Weber, Präsident FC Wil

Urs Bucher

«Ja, wir haben damals mit Ciriaco Sforza über solche Dinge geredet», sagt FC-Wil-Präsident Maurice Weber. Er hatte dem Trainer im vergangenen Sommer ans Herz gelegt, eine weitere Saison beim Challenge-League-Club zu verbringen und weitere Erfahrungen zu sammeln, anstatt «ins Haifischbecken zu wechseln», wie Weber es ausdrückt.

«Sforza wollte die Herausforderung unbedingt annehmen. Natürlich konnten wir diesen Wunsch verstehen. Der FC Basel ist eine sehr gute Adresse und ein Klub mit viel Potenzial.»

Doch die Frage bleibt: Wäre Sforza - als guter Ausbildner und Taktiker gelobt, aber für Schwächen in der Kommunikation kritisiert - in der Challenge League nicht grundsätzlich besser aufgehoben? So generell will es Weber nicht stehen lassen. «Wenn Sforza die Zeit und Ruhe bekommt für seine Ideen, wäre er auch in einem Super-League-Club der richtige Trainer.» Sforza sei «ein feiner Mensch und Trainer», der besonders junge Spieler weiterbringen könne. «Es ist kein Zufall, dass unter ihm gleich acht Wiler Spieler in die Super League wechseln konnten.»

Dass Sforzas Zeit in Basel zu Ende geht, tut Weber leid.

«Ich hätte ihm den Erfolg sehr gegönnt, er hat diesen Abgang in Basel nicht verdient.»

Ungleich härterer Massstab in Basel

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie sehr Sforza in Basel mit anderen Massstäben gemessen wurde als in Wil. Der Punkteschnitt aus Sforzas 31 Spielen mit dem FC Basel liegt bei 1,35. Und ist damit höher als jener der 48 Partien mit dem FC Wil (1,23). Dennoch hatte im FC Wil unter Sforza nie Unruhe geherrscht - auch, weil gegen Ende von Sforzas Engagement in der Ostschweiz die Resultate immer besser wurden.

Den besten Schnitt (1,67) übrigens hatte Sforza mit dem FC Wohlen zwischen 2013 und 2015 erreicht, als er das Team zunächst vor dem Abstieg in die Promotion League bewahrt und dann kurzzeitig an die Spitze der Challenge League geführt hatte.

Bleibt Sforza im Trainergeschäft?

Es werde wohl nach dem Abgang in Basel einige Zeit brauchen, bis Sforza wieder als Trainer Fuss fassen könne in einem Klub der Super- oder Challenge-League, vermutet Weber. Ist eine Rückkehr nach Wil denkbar, sollte sich dort wieder einmal eine Vakanz ergeben? Weber sagt:

«Man kann nie wissen. Obschon ich grundsätzlich kein Freund davon bin, einen Trainer ein zweites Mal einzustellen, der den Club aus freien Stücken verlassen hat. Da kommt man sich dann schon vor wie die zweite Wahl.»

Ohnehin hat der FC Wil mit Alex Frei im vergangenen Sommer einen weiteren Trainer mit grossem Namen gefunden, der die Mannschaft ebenfalls formen und weiterbringen kann. Die Angst, dass auch er den Klub bald in Richtung Super League verlassen könnte, treibe ihn nicht um, sagt Weber. Es sei das Schicksal eines Ausbildungsklubs wie dem FC Wil, wo sich Trainer wie Spieler in Ruhe weiter entwickeln können, dass immer wieder einige den Sprung schafften. Damit hat sich der Präsident abgefunden.