Waren Sie früher gut in der Schule?
Michael Lang: In Mathematik, Sprachen, Geografie oder Geschichte war ich immer gut. Die anderen Fächer wie Physik, Chemie oder Zeichnen habe ich ehrlich gesagt etwas schleifen lassen. Sagen wir so, ich konnte früh einschätzen, welche Fächer mir im Leben etwas bringen.

In dieser Saison sind Sie Klassenbester beim FCB. Sie haben als einziger Spieler von uns die Note 6 erhalten. Und das als Aussenverteidiger.
Das ehrt mich. Normalerweise dominieren solche Auszeichnungen immer die Offensivkräfte, weil sie für Spektakel sorgen.

Nun sorgen Sie für Spektakel. Mit neun Toren und sieben Vorlage haben sie 16 Skorerpunkte. Genauso viele wie Stürmer Marc Janko.
Ich komme in jedem Spiel zu Szenen, in denen ich einen Skorerpunkt erzielen kann. Dass es in letzter Zeit so gut klappt, freut mich natürlich. Zumal ich den Druck nicht habe, treffen zu müssen. Tore und Vorlagen sind für mich ein Bonus.

Michael Lang konnte neun Tore bejubeln.

Michael Lang konnte neun Tore bejubeln.

Warum sind Sie so effizient?
Ich bin fast schon froh, wenn ich im Spiel nur diese eine Chance habe. Dann bin ich umso konzentrierter und deswegen auch effizienter.

Stimmt, das 3:0 im Cupfinal gegen Sion war Ihr einziger Torschuss. War das Ihr schönstes Saisontor?
Sicher das emotionalste. Danach war definitiv klar, dass wir den Sion-Mythos brechen und Cupsieger werden. Das schönste Saisontor war wohl der Linksschuss im Ligaspiel in Sion.

Das Tor von Michael Lang zum 3:0 im Cupfinal

Die Kabinenansprache von FCB-Präsident Bernhard Heusler vor dem Final soll sehr emotional gewesen sein. Hatte er wirklich Tränen in den Augen?
Er war einfach unglaublich ehrlich und authentisch. Jeder Spieler hat zugehört und ihm jedes Wort von den Lippen gelesen. Mir haben sich bei der Ansprache die Nackenhaare aufgestellt. Ich hoffe, dass ich dem Präsident nicht zu nahe trete, wenn ich sage, dass wir nicht nur wegen seiner Worte den Cup gewonnen haben.

Sie sind zur Identifikationsfigur gereift. Wie viel Basel steckt in Ihnen?
Identifikation ist, wenn man sich mit der Region, mit dem Verein und den Menschen hier identifizieren kann. Das ist bei mir zu 100 Prozent gegeben. Dann ist es egal, woher man kommt. Um sich mit dem FCB zu identifizieren, muss man kein Basler sein.

Haben Sie keine typischen Basler Facetten übernommen?
Übernommen nicht. Aber wir Ostschweizer sind den Baslern von der Mentalität her ziemlich ähnlich. Die Leute sind offen und gesellig und sie können vor allem gut über sich und über andere lachen. Das mag ich.

Sie kennen Urs Fischer seit Sie 15 sind. Welche Rolle spielt er in Ihrer Entwicklung?
Er hat mir in den zwei Jahren beim FC Basel immer vertraut. Ich war immer Stammspieler. Nur so konnte ich mich steigern. Zudem hat er mir die Kämpfermentalität eingeimpft. Manchmal war er auch pingelig. Aber auch wenn es mühsam ist, an Kleinigkeiten zu tüfteln, am Ende hat es sich immer gelohnt.

Was haben Sie als Verteidiger von Ex-Verteidiger Fischer gelernt?
Vor allem, dass ich vor Flanken nicht gross überlegen soll, sondern einfach den Ball in die Mitte schlagen muss. Wenn dann keiner abnimmt, liegt der Fehler beim Stürmer.

Jetzt muss Fischer als Doublesieger gehen. Verstehen Sie den Entscheid?
Ich kann nur sagen, dass der Coach zwei Jahre lang super gearbeitet hat. Drei von vier möglichen Titeln zu gewinnen, ist ein guter Leistungsnachweis. Vielleicht stellt sich aber in vier Monaten heraus, dass der Entscheid genau richtig war. Wer weiss.

Michael Lang stellt Urs Fischer (Bild) ein gutes Zeugnis aus.

Michael Lang stellt Urs Fischer (Bild) ein gutes Zeugnis aus.

Trauern Sie Fischer nicht nach?
Klar ist es brutal für ihn. Die Mannschaft hat sicher auch nicht gejubelt, als sie den Entscheid vernommen hat. Aber Wehmut darf man im Fussball nicht haben. So dumm, wie sich das anhört. Es gehört zum Geschäft, dass immer wieder Trainer oder Spieler gehen. Oft macht dich ein neuer Trainer besser, weil er neue Ideen hat.

Freuen Sie sich auf den neuen Trainer Raphael Wicky?
Ich war in der U20-Nationalmannschaft als Wicky dort als Co-Trainer seine ersten Schritte im Trainerbusiness gemacht hat. Ich habe ihn damals schon als neugierigen, aufmerksamen Trainer kennen gelernt. Auch in Basel sind wir uns immer wieder über den Weg gelaufen. Ich freue mich auf ihn.

Michael Lang freut sich auf Raphael Wicky.

Michael Lang freut sich auf Raphael Wicky.

Klingt, als hätten Sie Lust auf den bevorstehenden Umbruch beim FC Basel.
Ja. Der Umbruch gibt auch mir die Chance, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und zu wachsen.

Ihr guter Kollege Marc Janko darf diesen Weg nicht mitgehen. Rächt sich das?
Marc ist einer, der sagt, was er denkt. Ein Typ wie er wird der Mannschaft fehlen. Mit Marc konnte ich viel lachen. Eines ist sicher: Wir bleiben weiterhin in Kontakt.

Marc Janko wechselt zu Sparta Prag.

Wovon träumt ein FCB-Star noch?
Bestätigen, Bestätigen, Bestätigen. Siege und Titel werden nie langweilig.

Eine andere Liga wäre auch nicht langweilig.
Ich will nicht ins Ausland, nur um da gewesen zu sein. Wenn ich wechsele, dann muss es sich richtig lohnen. Der FC Basel hat die Messlatte für potenzielle neue Klubs extrem hochgelegt. Der einzige Nachteil hier ist, dass man immer gegen die gleichen Teams spielt.

Was für ein Angebot bräuchte es, um Sie aus Basel wegzulocken?
Ich bin in einer super Ausgangslage, da ich nicht den Willen verspüre zu wechseln. Ich müsste in jeder Hinsicht einen Schritt nach vorne machen können. Der Verein müsste grösser als der FC Basel sein.

Was ist ein grosser Klub?
Da gehen die Meinungen auseinander. In der Premier League ist rein vom Paket Zuschauer, Finanzen jeder Klub ein grosser Klub. Trotzdem muss auch die Philosophie stimmen.

Also würden Sie gerne nach England wechseln?
Nicht unbedingt, auch die Bundesliga ist für Schweizer Spieler natürlich spannend. Für Verteidiger ist auch Italien immer ein gutes Pflaster. Ich habe keine Liste mit meinen «grossen Klubs» erstellt.

Sind die Überraschungsmannschaften aus der Bundesliga Hoffenheim und Leipzig schon grosse Klubs?
Für mich schon. Wobei ich in Leipzig eh keine Chance habe, da die ja nur Spieler unter 23 Jahren holen. Von aussen betrachtet, finde ich diese Philosophie allerdings sehr interessant.

Und Freiburg? Auf Instagram sind Sie mit Amir Abrashi und Vincenzo Grifo in einem Restaurant zu sehen.
Da wurde spekuliert. Aber ich kann sagen, dass Freiburg kein Thema ist. Grifo geht ja jetzt zu Gladbach und der Besuch war rein privat.

Having dinner with @amirabrashi & @grifov32 🍴🍗

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Anderes Thema. Was kann Dani Alves von Juventus, was Sie nicht können?
(Lacht) Sie meinen Stephan Lichtsteiner verdrängen? Dani Alves ist einer der drei weltbesten Rechtsverteidiger. Das bin ich nicht. Nur weil Lichtsteiner in Länderspielen auf meiner Position gesetzt ist, reise ich nicht mit der Faust im Sack zur Nationalmannschaft. Die Situation ist so, wie sie ist.

Auf der Bank zu sitzen, muss doch nerven.
Lichtsteiner ist in meinen Augen Stand jetzt der Schweizer, der in den letzten Jahren die beste Karriere im Ausland gemacht hat. Mit Abstand. Ich finde es schön, wenn immer wieder gefragt wird, wieso spielst du nicht. Aber die Schweiz hat, wenn man Silvan Widmer noch dazu nimmt, drei sehr gute Rechtsverteidiger. Da heisst es einfach, cool bleiben. Ich mache mir da keinen Druck. Auch in der Nati spielt keiner nur wegen dem Namen. Lichtsteiner spielt, weil er immer noch sehr gut ist.

Was müssen Sie noch von ihm lernen.
Er ist extrem abgebrüht. Er weiss genau, wann man drauf geht, wann man sich zurückfallen lassen muss. Die italienische Verteidigerschule hat er verinnerlicht. Da kann ich noch dazu lernen.

Michael Lang (links) spielt in der Nati oft hinter Stephan Lichtsteiner die zweite Geige.

Michael Lang (links) spielt in der Nati oft hinter Stephan Lichtsteiner die zweite Geige.

Zum Abschluss der Saison winkt das Quali-Spiel auf den Faröer-Inseln.
Ich freue mich, dass ich dabei bin. Die Legionäre trainieren ja schon seit zwei Wochen zusammen. Für uns Super-League-Spieler ist es eher ein Nachteil, dass wir erst am Montag zum Team stossen konnten.

Wurden Sie wegen ihres Aussehens schon mal für einen Skandinavier gehalten?
Ja, das kommt immer wieder vor. Auch wenn ich eigentlich keinen Bezug zu den Nordländern habe. Mit unseren Skandinaviern beim FCB (Hoegh, Elyounoussi, Fransson d. Red.) komme ich gut aus. Ich staune, wie die sich verständigen. Ich verstehe da gar nichts. Aber wahrscheinlich ist das für sie, wie wenn sich ein Deutscher, ein Schweizer und ein Österreicher treffen.

Wie wäre es mit Urlaub in Skandinavien?
Eher nicht. Im Urlaub zieht es mich in den Süden ans Meer. Mallorca finde ich,
abseits vom Ballermann natürlich, ganz nett. Leider haben wir in der Schweiz nur sehr kurze Sommerferien. Ich weiss noch nicht einmal, wo es dieses Jahr hingeht.

Warum tragen Sie lange Haare? Ist das immer noch nicht aus der Mode?
Die Haare sind mein Markenzeichen geworden. Ich bin gern der Wikinger auf dem Feld. Meine Frisur muss nicht jedem gefallen. Nach der Karriere kommen die Haare aber dann ab.