Fussball
FCB-Captain Streller: «Jetzt wollen wir auch in Gelsenkirchen gewinnen»

Der FC Basel vollbrachte mit dem 1:0 gegen das grosse Chelsea zum zweiten Mal eine Sensation. «Wir waren von Anfang bis am Schluss dominierend», findet Goaie Yann Sommer. Der starke Kay Voser nannte den Auftritt schlicht «unbeschreiblich».

Roman Michel und Rüdi Steiner
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Es dauerte etwas, bis die FCB-Helden vor der versammelten Medienschar im Bauch des St. Jakob-Park erschienen. Erste Feierlichkeiten in der Garderobe oder mussten sie ganz einfach die Geschehnisse der vergangenen 90 Minuten noch einmal durch den Kopf gehen lassen?

Sei es drum, auch mit rund einer halben Stunde Abstand konnte der bärenstarke Aussenverteidiger Kay Voser den Auftritt seiner Mannschaft nur schwer in Worte fassen: «Das ist ein fantastischer Abend für alle Zuschauer, für uns als Mannschaft, für den Staff, für den ganzen Verein».

Spätestens nach dem Tor kurz vor Schluss durch Mohamed Salah, sei der St. Jakob-Park fast explodiert: «Das ist unglaublich, in den letzten Minuten gegen Chelsea noch ein Tor zu schiessen. Das ganze Stadion steht und bebt, dass kann man nicht in Worte fassen.»

Der ägyptische Matchwinner sagte überglücklich: «Wir haben unglaublich gut gespielt, das ist wunderschön.»

Streller staunt an Statistiken

Torhüter Yann Sommer wusste, wieso dem Schweizer Meister der zweite Exploit gegen das auf dem Papier übermächtige Chelsea gelang: «Wir gaben einfach nie auf und haben heute eindeutig besser als der Gegner gespielt».

Dass Chelsea auch mitspielte und nicht nur in der Defensive stand, sieht der Basler als Vorteil: «Das liegt uns einfach besser, so konnten wir von Anfang bis zum Schluss unsere Qualitäten ausspielen».

Tatsächlich vermochte Basel die englische Weltauswahl über die gesamte Partie richtiggehend zu dominieren. Ein Blick auf die nackten Statistiken bestätigt diesen Eindruck: 16:1 lautete das Schussverhältnis zum Schluss, 9:0 hiess es bereits in der Pause.

«Ich habe diese Zahlen in der Pause angeschaut und staunte schon etwas», sagte Captain Marco Streller nach der Partie. Auch Voser zeigte sich überrascht: «Klar waren wir auch etwas erstaunt, dass wir Chelsea keine Torchance zugestehen mussten, aber schlussendlich haben wir fantastisch gespielt.»

Mourinho: «Der richtige Sieger»

Hochzufrieden und entspannt war auch Trainer Murat Yakin, der stets an die Sieg geglaubt hatte. «Wir haben das von der ersten Sekunde an gespürt. Die Mannschaft war heiss, hat jeden Ball gejagt, versucht aus jeder Chance ein Goal zu machen. Wir waren dominant.» Genau für solche Momente würde ein Fussballer leben.

Das grösste Kompliment gab es für Yakin vom gegnerischen Trainer. Josè Mourinho ging auf Yakin zu, schüttelte ihm die Hand. «Er hat mir gesagt, dass wir der richtige Sieger sind», sagte Yakin danach.

Trainer Murat Yakin hat nun etwas erreicht, was nur die Grössten seiner Zunft (Pep Guardiola, Jupp Heynckes, Rafael Benitez und Vicente Del Bosque) geschafft haben. Er hat Mourinho in einer Saison zweimal bezwungen.

Nach den beiden Unentschieden gegen Bukarest sagt er aber auch: «Wir trauern den Punkten nach, die wir vergeben haben. Trotzdem haben wir es nun selber in der Hand.» Zur Qualifikation für die nächste Runde würde dem FCB ein Punkt auf Schalke reichen.

«Auf den Punkt spielen, das können wir gar nicht. Wir werden versuchen auch in Gelsenkirchen zu gewinnen», gibt sich Marco Streller selbstbewusst.

Schweigende Chelsea-Stars

Den Schwung aus der Champions League möchte Voser mit seiner Mannschaft nun auch in die Meisterschaft mitnehmen: «Klar, das Spiel gegen Schalke können wir nicht einfach aus dem Kopf verdrängen, aber wir wollen unsere Leaderposition in der Super League behaupten».

Und die Chelsea-Stars? Fernando Torres, Frank Lampard und Peter Cech and Co. trotteten mit gesenktem Kopf an den Journalisten vorbei. Ein Chelsea-Verantwortlicher wollte zwar nichts von einem Maulkorb für die Spieler wissen, meinte dann aber doch: «Es gibt gewisse Regeln».

Die englische Presse hat dagegen keinen Maulkorb, die Chelsea-Versager dürften im Mutterland des Fussballs noch ziemlich unter Beschuss geraten.