FC Aarau
Matchwinner Léon Bergsma nach dem 3:0 gegen den FC Wil: «Bin überrascht vom hohen Niveau in der Challenge League»

Er hat den FC Aarau dank seines Doppelpacks praktisch im Alleingang zum Sieg gegen den FC Wil geschossen: Abwehrchef Léon Bergsma. Im Interview spricht er über die beiden Tore, aber auch über seine Vertragsverlängerung und das Niveau der zweithöchsten Schweizer Liga.

Sebastian Wendel
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Léon Bergsma jubelt über den 3:0-Sieg des FC Aarau.

Léon Bergsma jubelt über den 3:0-Sieg des FC Aarau.

Marc Schumacher / freshfocus

Gratulation zu Ihren ersten beiden Toren für den FC Aarau. Sie sind eigentlich der Abwehrchef, gegen Wil haben Sie in bester Stürmermanier getroffen - gibt es da bis dato verborgene Talente?

Bergsma: Nein, nein, ich bin und bleibe sehr gerne Verteidiger. Man muss auch sehen, dass mir der Ball zwei Mal nach einem Corner vor die Füsse fiel, da war also auch Glück dabei. Lustig: Soweit ich mich erinnere, habe ich alle bisherigen Tore, an die ich mich erinnern kann, mit dem Kopf erzielt - nun meine ersten zwei für Aarau mit dem Fuss.

Nachdem es vor einer Woche beim 0:2 in Chiasso misslungen war, wollte der FCA dieses Mal die Niederlage von Schaffhausen ausnützen und näher an den Barrage-Platz rücken. Wie gross war der Druck?

Den haben wir uns vor allem selber gemacht, denn wir haben grosse Ambitionen und wollen so lange wie möglich vorne mitspielen. Eine Niederlage wie in Chiasso dürfen wir uns nicht mehr erlauben, vor allem, weil wir dort mehr als genug Chancen hatten, das Spiel zu gewinnen und hinten dumme Tore kassiert haben. Das Rennen vorne ist eng, wer hinten die wenigsten Fehler begeht und vorne die Torchancen effizient verwertet, wird sich am Ende gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Sie sind die berühmte Juniorenabteilung bei Ajax Amsterdam durchlaufen und standen zuletzt beim holländischen Spitzenklub AZ Alkmaar unter Vertrag. Fühlen Sie sich in der Challenge League, der zweithöchsten Liga der Schweiz, nicht unterfordert?

Wissen Sie was? Ich bin positiv überrascht vom hohen Niveau in dieser Liga. Hier gibt es viele junge, top ausgebildete Spieler, die sich für höhere Aufgaben empfehlen wollen. Praktisch alle Mannschaften wollen das Spiel gestalten, gegen aktive Gegner anzutreten macht natürlich mehr Spass für uns Spieler. Der Fakt, dass drei Challenge-League-Klubs sich in den Cup-Achtelfinals gegen solche aus der Super League durchgesetzt haben, zeigt, wie nah die zwei Ligen sich sind. Das liegt sicher auch daran, dass nur je 10 Teams in den Ligen spielen. In Holland etwa hat die oberste Liga 18 Mannschaften - dort ist der Unterschied zwischen dem Ersten der Topliga und dem Ersten der zweiten Liga viel grösser als hier in der Schweiz.

Sie haben kürzlich Ihren Vertrag beim FCA verlängert, obwohl Ihr ursprünglicher noch bis 2022 lief. Warum?

Der Klub ist mit diesem Wunsch auf mich zugekommen, wir haben gute Gespräche geführt und dann war es für mich einfach, den Vertrag zu verlängern. Der FC Aarau hat mir die Chance gegeben, meine Karriere ausserhalb von Holland neu zu lancieren. Trainer Stephan Keller lässt einen attraktiven und dominanten Fussball spielen, was mir sehr gefällt und auch meinen Stärken entgegenkommt. In einem Team, das nur lange Bälle nach vorne schlägt, würde ich mich nicht wohl fühlen. Dazu kommen die super Stimmung innerhalb der Mannschaft, wir haben es alle gut miteinander und alle sind ehrgeizig, haben für die Mannschaft und persönlich hohe Ziele.

Bergsma auf dem Alpenzeiger. Er fühlt sich in Aarau wohl.

Bergsma auf dem Alpenzeiger. Er fühlt sich in Aarau wohl.

Britta Gut

Wenn im Sommer ein finanziell und sportlich besseres Angebot kommt - werden Sie dann weiterziehen?

Meine Vertragsverlängerung war keine Alibiübung - ich fühle mich hier wirklich wohl und möchte am liebsten mit dem FC Aarau in der Super League spielen. Aber Sie wissen auch: Im Fussball ist die Zukunft schwer vorhersehbar. Sollte ich im Sommer oder zu einem späteren Zeitpunkt ein interessantes Angebot erhalten, werde ich Punkt für Punkt den FC Aarau und den anderen Klub vergleichen. Aber es braucht schon sehr, sehr überzeugende Argumente, bevor ich mich gegen Aarau entscheiden würde.