Langläuferin Nadine Fähndrich hat den Schock verdaut

Die Eigenthaler Langläuferin Nadine Fähndrich startet am Wochenende in Finnland in die Weltcup-Saison. In der Vorbereitung hatte die 23-Jährige viel Glück bei einem Trainingssturz.

Jörg Greb
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Die Knochen blieben beim Crash unversehrt: Nadine Fähndrich. (Bild: Peter Schneider/Keystone (S-chanf, 11. März 2018))

Die Knochen blieben beim Crash unversehrt: Nadine Fähndrich. (Bild: Peter Schneider/Keystone (S-chanf, 11. März 2018))

Nadine Fähndrich ist eine exzellente Sprinterin, aber keine Schnellstarterin. Das lässt sich auch auf den Saisonauftakt übertragen. «Ich brauche im Spätherbst immer einige Rennen, bis ich den Wettkampf-Rhythmus gefunden habe.» Von «Hineinfinden» spricht sie, davon, dass andern dies leichter fällt. Vor dem Weltcup-Winter 2018/19 bekommt die Erkenntnis zusätzlich Bedeutung, nicht ihres Charakters wegen. Das Malheur vor zweieinhalb Wochen ist dafür verantwortlich.

Um den Trainingssturz in Davos geht es. Wobei das harmlos Klingende etwa ausgeführt werden muss. Um eine Frontalkollision mit einem andern Läufer auf der engen und stark frequentierten Flüela-Loipe handelte es sich. «Es lief einfach blöd», sagt sie nur. Und in den Ausführungen ihrer Wahrnehmung zeigte sich, eine reife, überraschend nüchterne Sportlerin. «Ich bin selber überrascht, wie gefasst ich mit diesem Zwischenfall umgehen konnte.» Und: «Es hätte gut auch schlimmer kommen können, bei einem solchen Crash ziehst du dir schnell einen Knochenbruch zu.»

Eine gelungene Olympia-Premiere

Die Knochen blieben unversehrt. Dafür trug sie eine Gehirnerschütterung davon. Ruhe war angesagt. «Kein Training, nur leichtes Bewegen während einer Woche», sagt sie. Zehn Tage vor dem Saisoneinstand begann sie wieder zu belasten. Mitte dieser Woche reizte sie sich erstmals wieder intensiv. «Es war wichtig, das Ganze gut auszukurieren, nicht dass sich etwas in die Saison mitzieht», sagt sie. Gefühlsmässig fühlt sie sich «auf gutem Weg».

Sicherheit verleiht der 23-Jährigen auch die letzte Saison. Einen «Steigerungslauf» legte sie hin. Nach den beiden Medaillen an den U23-Weltmeisterschaften im Goms, glückte die Olympia-Premiere hervorragend: Rang 4 im Teamsprint zusammen mit Laurien Van der Graaff sowie ansprechende Einzelrennen. Es folgte der Sieg am Engadin Skimarathon. Und Ende Saison realisierte sie auch im Weltcup, das, was sie zuvor in diversen Rennen verpasst hatte: Halbfinal-Qualifikationen im Sprint. «Das war ein wichtiger Schritt», sagt sie rückblickend.

Trainings in Frankreich

Hilfreich ist nun, dass gleich am Einstiegswochenende in Finnland neben dem Klassisch-Sprint ein Distanzrennen in ihrer Lieblingsdisziplin 10 km klassisch auf dem Programm steht. Da kommt sie zu einer echten Standortbestimmung. Mit Blick auf den ganzen Winter fragt sie sich, was die Aufbauarbeit im Sommer unter der Führung von Nationalcoach Peter von Allmen bewirkt hat. «Ich peile regelmässig Halbfinal-Qualifikationen im Sprint an und Ränge in den besten 20 bei meinen bevorzugten Distanzrennen», wird sie konkret. Sicherheit verleiht ihr das Wissen «eines guten Sommers». Die entscheidende Basis erarbeitete sie sich in den gemeinsamen Trainingslagern häufig aber auch allein. Und da konnte sie auf der Erfahrung des letzten Winters bauen. Schon da gehörten zahlreiche Einheiten an Orten dazu, die nicht für Langläufer prädestiniert scheinen

Regelmässig weilte sie wiederum in Allschwil (BL) bei ihrem Freund. «Ich kann dort von der Haustüre aus loslaufen, das ist perfekt», sagt sie. Ebenso problemlos bieten sich Bike-Ausfahrten. Und mit den Rollski hat sie ideale Strecken im nahen Frankreich gefunden. Nicht verzichten muss sie auch auf die Berge: «Einmal die Woche fuhr ich heim ins Eigenthal. Dort bietet sich die Möglichkeit für Bergtouren oder Intervall-Einheiten mit steilen Anstiegen.»

Vor diesem Hintergrund ist Fähndrich auch mental gerüstet für die hohen Anforderungen der aktuellen Skandinavien-Rennen. Kuusamo, die erste Station, befindet sich im hohen Norden, nahe dem Polarkreis. Nur wenige Stunden bei Tageslicht gibt’s, und vor allem: Es mangelt an Schnee. Nur kurze Kunstschneerunden liessen sich wegen des Feuchtigkeitsmangels herstellen.

Cologna erspart sich die Reise

Die Langläufer lancieren am Wochenende im finnischen Kuusamo die Saison, welche an den Weltmeisterschaften in Seefeld (19. Februar bis 3. März 2019) ihren Höhepunkt erfährt. Auch die Schweizer Equipe will in Österreich im Medaillenspiegel auftauchen. Die stärksten Trümpfe für die Weltmeisterschaften heissen Dario Cologna, Laurien van der Graaff oder Nathalie von Siebenthal. Von diesem Trio ist allerdings am Polarkreis nicht ein fulminanter Auftakt zu erwarten. Cologna verzichtet sogar auf die Reise nach Kuusamo, wo heute Samstag ein Sprint in klassischer Technik und am Sonntag ein 15-km-Lauf ebenfalls im Diagonalschritt anstehen. «Für nur ein Rennen kann ich mir die Reise ersparen», sagte Cologna, der im Sprint eh um die Teilnahme an den K.o.-Runden kämpfen müsste. Er kann es sich leisten, denn vor Davos (15./16. Dezember), dem traditionellen ersten Höhepunkt, steht diesmal ein Rennwochenende mehr auf dem Programm. (sda)