Barcelona, Arsenal, Dortmund. Wolfsburg – sie alle sind in der Allianz Arena angetreten, um Punkte zu holen. Vergeblich. Wahnsinnige 17 Heimspiele in Folge hat Bayern München gewonnen. Bis zum vergangenen Mittwoch. An diesem Abend versuchen sich die Spieler von Mainz 05 am Himmelfahrtskommando, den Bayern in deren Wohnzimmer ein Bein zu stellen. Und tatsächlich! Es gelingt! 2:1 für die Gäste steht es nach 94 Minuten. Trotz nur 22 Prozent Ballbesitz. Trotz 5:16 Torschüssen. «Mainz macht die Bayern fassungslos», schreibt die «Süddeutsche Zeitung». In Deutschland danken die Menschen den Mainzern für den Sensationserfolg. Weil das Meisterrennen in der Bundesliga nun wieder spannend ist. Eine Niederlage der Münchner morgen in Dortmund, und den Tabellenersten und -zweiten würden nur noch zwei Punkte trennen.

Bayern München - Mainz 1:2.

Bayern München - Mainz 1:2.

Aus hiesiger Sicht interessant am geschichtsträchtigen Erfolg: Mit Trainer Martin Schmidt (48) und Mittelfeld-Regisseur Fabian Frei (27) spielen zwei Schweizer zentrale Rollen beim Überraschungsteam der Bundesliga. Die Mainzer No-Name-Truppe, im Sommer noch Abstiegskandidat, schnuppert als Tabellenfünfte an der Champions League. Vor dem Coup in München wurden bereits die personell und finanziell viel besser dotierten Schalke, Leverkusen und Gladbach besiegt. Frei erklärt der «Nordwestschweiz» das Mainzer Fussballmärchen.

Fabian Frei, für alle, die es in dieser Saison noch schaffen wollen. Wie besiegt man die Bayern in deren Heimstadion?

Fabian Frei: Man braucht etwas Glück. Einen guten Goalie, der einen Glanztag erwischt. Effizienz – wir haben zwei von drei guten Torchancen verwertet. Und natürlich die richtige Taktik: Wir haben nie die Orientierung verloren, hatten die Bayern-Kombinationen im Griff. Ihr Tor fiel nach einem Weitschuss – das kann passieren.

Das kann nicht alles sein.

Dinge wie eine gute Defensivordnung und kämpferische Leidenschaft sind Grundvoraussetzungen. Und man muss sich bewusst sein, dass man dem Ball meistens hinterherrennt. Wir sind zudem mit breiter Brust angetreten, nachdem wir vorhin bereits gegen grosse Teams gewonnen haben. Und wir sind halt einfach eine geile Truppe...

Sie dürften besondere Genugtuung verspüren: Es war Ihr erster Auftritt in der Allianz Arena seit dem 0:7 mit dem FC Basel vor vier Jahren...

...jetzt kommen Sie auch noch damit. Damit haben mich in der Kabine schon die Kollegen gehänselt. Schön, muss ich nicht mehr sagen, das letzte Spiel in München war eine 0:7-Packung.

Trainer Martin Schmidt hat gesagt, er habe in der Spielvorbereitung nur vom Sieg gegen Bayern gesprochen. Denkt man da als Spieler nicht, der Trainer ist verrückt?

Stimmt, eine Niederlage war nie Thema. Aber er hat nicht gesagt, wir werden mit Sicherheit gewinnen. In diesem Fall hätte ich auch die Augen verdreht. Er hat gesagt, dass unser Plan die Bayern zu Fehlern zwingen wird.

Wie habt Ihr den Sieg gefeiert?

An der Hotelbar gabs noch ein, zwei Bier, das war speziell. Mehr nicht. Am Sonntag gehts weiter gegen Darmstadt. 40 Punkte sind unser Saisonziel...

39 habt ihr bereits – nach 24 von 34 Spieltagen. Haben Sie eine Champions-League-Prämie im Vertrag?

Ganz ehrlich: keine Ahnung. Aber sollte es so weit kommen, rechne ich schon mit einem Batzen.

Für Sie war es nach langer Verletzungspause der zweite Einsatz in der Startelf. Waren Sie irritiert, zunächst Ersatzspieler zu sein?

Ich war lange weg, die Mannschaft spielte gut – da würde ich auch nicht wechseln. Ich habe das akzeptiert, dem Trainer aber schon gesagt, dass ich bald mit mehr Einsätzen rechne. Martin Schmidt hat mir immer positive Signale ausgesendet.

Erklären Sie uns den Erfolg der Mainzer No-Name-Truppe.

Spieler, Trainer, Vorstand, Fans – alle wissen, welche Möglichkeiten wir haben im Vergleich mit der Konkurrenz. Wenn wir am Ende Achter sind, würden die Menschen das immer noch als gute Saison bezeichnen. Die Mannschaft wurde so zusammengestellt, dass es keinen Platz für Egoismen hat. Der Zusammenhalt ist fantastisch – wir unternehmen täglich auch abseits des Platzes etwas miteinander. Auch unsere Freundinnen und Frauen verstehen sich alle super.

Und welchen Anteil hat Martin Schmidt am Höhenflug?

Er ist bodenständig und vermittelt uns jeden Tag, dass man auch als Fussballer ein normaler Mensch ist. Fussballerisch hat er ein riesiges Fachwissen und er kann sehr gut mit Menschen umgehen. Mal macht er einen Spruch, mal staucht er einen Spieler zusammen – aber alles mit Anstand und ohne Überheblichkeit. Er ist wahnsinnig engagiert, Schmidt ist fleischgewordene Energie!

Jürgen Klopp amüsiert sich über die Bayern-Niederlage:

Jürgen Klopp findets lustig.

Jürgen Klopp findets lustig.