Rad
Fabian Cancellaras vergeblicher Kampf gegen Windmühlen

Fabian Cancellara bleibt mit seinem Angriff bei Mailand–Sanremo ohne Erfolg, kann aber mit breiter Brust nach Belgien reisen.

Simon Steiner
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Fabian Cancellara bekundete im Finale von Sanremo Pech und verpasste die Top Ten.

Fabian Cancellara bekundete im Finale von Sanremo Pech und verpasste die Top Ten.

KEYSTONE/AP ANSA/CLAUDIO PERI

Mailand–Sanremo ist der einfachste der grossen Radklassiker – aber auch derjenige, der am schwierigsten zu gewinnen ist. Dieser Grundsatz hat sich für Fabian Cancellara bei «La Primavera» noch einmal bestätigt. In der «Lotterie», wie er das mit über 290 km längste Eintagesrennen der World-Tour zu nennen pflegt, zog der Berner bei seiner letzten Teilnahme nicht das grosse Los. Der Franzose Arnaud Démare hingegen konnte sich über den grössten Erfolg seiner Karriere freuen.

Ohne Rezept gegen die Sprintspezialisten

Wie immer in den letzten Jahren war Cancellara einen Tag nach seinem 35. Geburtstag im Final zwar vorne dabei, fand jedoch kein Rezept gegen die Sprintspezialisten. Bei frühlingshaften Temperaturen reichten die Steigungen in der Schlussphase wie erwartet nicht aus, um für eine starke Selektion unter den Siegesanwärtern zu sorgen. Cancellara versuchte sein Glück mit einem Angriff knapp zwei Kilometer vor dem Ziel, der an seinen einzigen Sieg in Sanremo 2008 erinnerte, konnte sich aber nicht entscheidend von seinen Konkurrenten absetzen. Als der Kolumbianer Fernando Gaviria dann auf dem letzten Kilometer unmittelbar ihm zu Fall kam, war der Kampf um einen Spitzenplatz für Cancellara endgültig gelaufen. Wie auch Weltmeister Peter Sagan konnte der Berner einen Sturz zwar vermeiden, verlor aber viel Tempo und rollte schliesslich als 31. über die Ziellinie.

Fabian Cancellara «Ich hatte zwar Glück, dass ich nicht gestürzt bin, aber eigentlich bin ich angetreten, um zu gewinnen.»

Fabian Cancellara «Ich hatte zwar Glück, dass ich nicht gestürzt bin, aber eigentlich bin ich angetreten, um zu gewinnen.»

REUTERS

«Das ist nicht das, war ich erwartet habe», ärgerte sich Cancellara. «Ich hatte zwar Glück, dass ich nicht gestürzt bin, aber eigentlich bin ich angetreten, um zu gewinnen.» Der Sieg wäre für ihn aber wohl auch ohne den Zwischenfall ausser Reichweite geblieben, hatte der früh von seinen Teamkollegen isolierte Cancellara doch bereits zuvor vergeblich quasi gegen Windmühlen gekämpft. «Alle haben in der Schlussphase auf mich geschaut», sagte er. «Ich hatte keine Chance, einer Sprintentscheidung aus dem Weg zu gehen.»

Cancellara darf mit breiter Brust nach Belgien reisen

An seiner guten Form braucht Cancellara trotz des unbefriedigenden Auftakts zur Klassikersaison nicht zu zweifeln. Nach seiner erfolgreichen Frühsaison mit vier Siegen darf der Leader des Teams Trek-Segafredo mit breiter Brust nach Belgien reisen. Mit der Flandern-Rundfahrt steht dort in zwei Wochen der nächste Höhepunkt in Cancellaras letztem Frühling als Radprofi an, eine Woche später folgt dann Paris–Roubaix.

Mit Arnaud Démare setzte sich in Sanremo zwar keiner der Topfavoriten durch, eine Überraschung ist der Sieg des Franzosen dennoch nicht. Der U23-Weltmeister von 2011 hat seine Endschnelligkeit bereits mehrfach unter Beweis gestellt, zuletzt mit einem Etappensieg bei Paris–Nizza. Auf dem Weg zu seinem ersten Triumph bei einem der sogenannten Radsport-Monumente liess sich Démare auch durch einen Sturz knapp 40 Kilometer vor dem Ziel nicht aufhalten.

Ein Felssturz in der Nähe von Genua hatte die Organisatoren zuvor zu einer kurzfristigen Streckenänderung gezwungen, die auf den Rennverlauf allerdings keinen Einfluss hatte. Die Fahrer wurden auf die Autobahn umgeleitet, die Gesamtdistanz verlängerte sich von 291 auf 293 Kilometer.