Nordische Gedanken
Exoten wecken auch die Fantasie

Auch an der Langlauf-WM in Lathi gibt es sie: Die Exoten. Sie versuchen sich wohl zum ersten Mal in der Loipe und nehmen dennoch viel Auwand auf sich, um nach Finnland zu kommen. Die Medien stürzen sich gierig auf die Geschichten dieser Sportler.

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
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Tragischer Held der nordischen Weltmeisterschaften: Venezolaner Adrian Solano.

Tragischer Held der nordischen Weltmeisterschaften: Venezolaner Adrian Solano.

Keystone

Sportliche Grossanlässe und Exoten - ein dankbares Thema. Besonders Slapstick auf zwei Latten eignet sich formidabel zur allgemeinen Belustigung. Das erging schon dem legendären Sportreporter Hans Jucker 1992 so, als er beim olympischen Riesenslalom von Albertville zwei sich gegenseitig überholende Skifahrer aus Costa Rica kommentierte. Juckers Lachanfall ist ein Hit auf Youtube.

Auch an der Langlauf-WM in Lahti versuchen sich allerlei ausgefallene Sportler teilweise zum allerersten Mal wettkampfmässig in der Loipe. Sie wären am Basler Fasnachts-Umzug besser aufgehoben.

Etwa Pita Taufatofuo aus Tonga, der unbedingt nach Olympischen Sommerspielen nun auch an Winterspielen teilnehmen will. Er strebt einen Eintrag in die Geschichtsbücher an und spekuliert wohl auch auf eine spätere Verfilmung. Der Hit «Cool Runnings» über das Jamaika-Bobteam in Calgary 1988 lässt grüssen.

Bereits in Rio hatte Taufatofua einen grossen Auftritt. Nicht als Taekwondo-Kämpfer, sondern als Fahnenträger mit nacktem Oberkörper bei der Eröffnungsfeier. «Er sieht eingeölt besser aus als mit Ski an den Füssen», kommentierte der Norweger Petter Northug in Lahti den Sprint-Auftritt des Exoten auf Facebook hämisch.

Zumindest regt das Treiben der Loipen-Praktikanten zur Fantasie an. Auch in den Medien. Das Video zum Auftritt des Venezolaners Adrian Solano in der Qualifikation über 10 km spricht eigentlich für sich. Unter dem Titel «Der Feind an meinen Füssen» kämpft er erfolglos gegen die Tücken der Strecke. Ein perfektes Opfer für die obligate Exoten-Geschichte der Presse.

Solano sei bei seiner Ankunft in Europa auf dem Pariser Flughafen wegen seines derart schräg klingenden Langlauf-Vorhabens als Terrorverdächtiger vier Tage inhaftiert worden, schrieb ein Medium dem anderen ab. Nur entpuppte sich diese Version als zu exotisch.

Solano wurde nach fünf Stunden nach Südamerika zurückgeschickt, weil ihm schlicht das EU-Visum fehlte. Und übrigens auch das Talent zum Langlauf.

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