Das Lachen ist herzlich. Der Händedruck kräftig. Die Haut feriengebräunt. Pascal Zuberbühler ist zurück. Die Schweizer Fussball-Legende hilft im beschaulichen Wohlen mit, ein neues Team aufzubauen. Und analysiert für den «Teleclub» das Schweizer Fussballgeschehen. Im Gespräch sprüht der 46-Jährige vor Enthusiasmus. Es dauert fünf Minuten, bis man dazu kommt, eine erste Frage zu stellen.

Pascal Zuberbühler, Sie sind zurück auf der Fussball-Bühne. Im beschaulichen Wohlen statt in der Premier League. Warum tun Sie sich das an?
Wenn ich mein Herz und meine Seele gefragt hätte, dann wäre es einfach zu sagen: Ich bleibe in England! Ich hatte zwei Angebote aus der Premier League, hätte nach Swansea wechseln können oder in den Staff des Sensationsaufsteigers Huddersfield. Aber der Verstand hat gesiegt.

Wie meinen Sie das?
Ich war lange genug auf mich bedacht. Ich möchte nun für meine Familie da sein. Für meine Frau und die beiden Kinder. Ich habe in Wohlen Menschen kennengelernt, die schlicht sensationell sind. Da ist nichts zu spüren von angezogener Handbremse wie so häufig in der Schweiz! So muss es sein. Zusammen mit meiner Arbeit als Experte für den «Teleclub» stimmt das Paket perfekt.

Trotzdem, der Reiz, nochmals in England zu unterschreiben, muss doch da gewesen sein.
Klar, aber wissen Sie was: In den letzten 20 Monaten, da habe ich gefühlt monatlich einen Umsturz nach dem anderen erlebt. Natürlich, der Präsident kam immer zu mir, sagte: «Der Trainer ist zwar weg – aber du bleibst!» Das ist ein schönes Kompliment. Aber es war schwierig, unter diesen Umständen alles zu verkaufen in der Schweiz und die Familie nach England zu holen.

Der Fussball in England…
… kommen Sie mir nun ja nicht mit der Frage, wie sich das vergleichen liesse mit der Challenge League!

Nein, machen wir nicht.
Sehr gut! England, das ist einfach Wow! Eigentlich unvorstellbar. Wissen Sie… (wendet sich dem eintretenden Fotografen zu) Das Bild, das Sie gemacht haben beim Trainingsstart – sensationell! Überragend! Sogar meine Frau hat mir ein Kompliment gemacht für das vielleicht schönste Pressebild, das es je gab von mir (lacht). Wo waren wir?

Das ist laut Zuberbühler das «schönste Pressebild», das es je von ihm gab.

Das ist laut Zuberbühler das «schönste Pressebild», das es je von ihm gab.

Der Fussball in England.
Richtig. Wissen Sie, wo der Unterschied zur Schweiz liegt? In der Mentalität. Auf der Insel genügt nur das Beste. Der Platzwart will dir den besten Rasen zaubern. Der Physio will dir nur die beste Massage anbieten. Der Fitnesscoach bietet nur das beste Konditionstraining an. In der Schweiz, da kommst du auf den Platz, und dann heisst es manchmal: Hm, nein, diesen Teil des Rasens bitte nicht. Aber ich will nicht ins Detail, sonst habe ich wieder ein Problem mit den Platzwärten hier (lacht).

Und vergleichen wollen wir ja auch nicht. Aber von bewegenden Erlebnissen bei Ihrem letzten Verein Derby County können Sie gerne noch ein bisschen erzählen.
Gerne. Ich habe rasch gemerkt, dass ich mich immer wieder ändern musste. Vier Trainer in 20 Monaten. Da heisst es: «Pass dich an – oder stirb!» Und wenn ich schaue, auch was für «Goldplätzen» die Engländer trainieren. Da kann man leicht neidisch werden. Was mich besonders beeindruckt, ist die Leidenschaft der jungen Spieler, die Mentalität. Eine englische Durchschnittsfamilie hat etwas mehr als 3000 Franken pro Monat zur Verfügung. Das reicht nirgends hin. Wenn der Junior dann Fussballspielen will, heisst es: «Ok, du darfst, aber setz dich gefälligst durch, dass auch etwas herausspringt.»

So weit ist Pascal Zubebühler in seiner Karriere schon herumgekommen:

Und nun die Rückkehr in die Schweiz wegen der Familie. Wie muss man sich eigentlich Zubi als Papa vorstellen?
Schmelzend! Die Kinder geben dir so eine spezielle Liebe, das ist wahnsinnig. Meine Zwillinge werden im Juli dreijährig. Der Bub ist schon fast fünf Zentimeter grösser als das Mädchen. Beide sind Goldschätze. Aber sie testen mich. Brutal.

Wie das?
In allem. Wenn ich sage: So, jetzt wird das aufgegessen, dann schaut er mich an. Und schaut nochmal. Und dann lächelt er. Da musst du extrem aufpassen.

Wie haben Sie die Kinder verändert?
Extrem. Früher wollte ich keine Kinder. Hatte nur Karriere, Karriere, Karriere im Kopf. Das war nicht fair. Wirklich. Dass wir das nun im «hohen» Alter – mental sind wir sehr junge Eltern! – noch bewerkstelligen konnte, ist das grösste Geschenk. Aber es hat viel Geduld gebraucht.

Hätten Sie nicht mehr gedacht, dass es noch klappt?
Es war nicht einfach. Meine Frau hatte einige Eingriffe und Operationen. Sie so leiden zu sehen, war schwierig. Darum sind die Kids ein Geschenk des Himmels.

Zurück zum Fussball: Wie geht es dem Schweizer Fussball?
Ich hoffe, dass die Handbremse jetzt endlich gelöst wird! Die anderen Vereine müssen jetzt sagen: Jetzt greifen wir an. Vorwärts, vorwärts, vorwärts! Und nicht jeden Franken dreimal umdrehen.

Sie meinen: Den FCB angreifen!
Logisch. Der FCB hat eine riesige Umstrukturierung hinter sich. Wie er diese bewältigt, da bin ich dann auch erstmal noch gespannt. Es ist eine ganz interessante Situation. Und ich erwarte eine sehr interessante Saison. Vielleicht zieht der FCB sein Ding auch weiter gnadenlos durch. Das ist auch möglich. Aber ich will nie mehr hören: Basel ist unschlagbar. Der FCB ist nicht überragend, die Konkurrenz war zuletzt einfach zu schlecht. Und der FCB hat seine Hausaufgaben gemacht.

Sie waren dreimal Meister mit dem FCB – welches sind die prägendsten Erinnerungen an diese Zeit?
Ganz klar die Qualifikation für die Champions League im Sommer 2002. Da war alles neu! Die entscheidenden Spiele hatten wir gegen Celtic Glasgow. Auswärts verloren wir 1:3, dann folgte das 2:0 zu Hause. In der letzten Sekunde ist ein Ball zentimeterknapp am Tor vorbeigestrichen… Solche Momente, wow!

Dieses Spiel gegen Celtic Glasgow ist für Zuberbühler ein Highlight.

Dieses Spiel gegen Celtic Glasgow ist für Zuberbühler ein Highlight.

Nicht zu vergessen: Im Auswärtsspiel haben Sie einen Penalty gehalten – wenn Sie den nicht halten, wer weiss wie die Geschichte mit dem FCB weitergegangen wäre. Wobei: Geben Sie es zu, der Ball flog an Ihren Fuss und Sie wissen bis heute noch nicht, warum!
(Lacht herzhaft) Nein, nein, ich habe den Fuss noch ein bisschen angehoben. Nochmals zurück zur Saison davor. Sie begann mit einer 1:8-Niederlage in Sion. So hat alles angefangen. Und am Ende sind wir Meister und Cupsieger und in der Champions League. Das war eine geile Zeit!

Wie ist die WM 2006 einzuschätzen?
Klar, auch das war ein Riesenhighlight. Mit der Qualifikation. Mit der WM. Mit dem Spiel in der Barrage in der Türkei, diese Ausschreitungen, die nichts mit Fussball zu tun haben. Aber auch mit der ganzen – sagen wir – Problematik um meine Person, die da abgegangen ist.

Das Spiel gegen die Türkei 2005 ist nach wie vor in bester (beziehungsweise schlechter) Erinnerung.

Das Spiel gegen die Türkei 2005 ist nach wie vor in bester (beziehungsweise schlechter) Erinnerung.

Können Sie heute über den Debatten rund um Ihre Person von damals stehen?
Es war gewaltig. Zu spüren, dass ich die Schweiz spalten konnte. Es gab Talksendungen nur über mich. Ich hatte nie ein Problem damit. Und ich habe mich wohl manchmal nicht ganz korrekt geäussert. Aber: Ich brauchte diesen Druck. Ich wollte an diese WM in Deutschland. Ich wusste, dass Köbi Kuhn auf mich setzt. Und darum wusste ich auch: Wenn ich versage, ist fertig. Ich mochte es, auch Tiefs zu erleben. Und mich dann wieder rauszukämpfen.

An der WM ist das bestens gelungen. Die Schweiz erhielt kein einziges Gegentor – und flog trotzdem im Achtelfinal aus dem Turnier. Haben Sie das verdaut?
Damals lange nicht. Das war schlimm. Ich sass im Bett, konnte nicht denken und erst recht nichts analysieren. Ausser, dass ich mehr Penaltys hätte parieren müssen. Du bist raus und denkst: «Ja aber wir haben gar kein Gegentor erhalten!» Irgendwie surreal.

Laut Präsident Lucien Tschachtli kommt «ein wenig Hollywood» ins Stadion Niedermatten.

Laut Präsident Lucien Tschachtli kommt «ein wenig Hollywood» ins Stadion Niedermatten.

Und jetzt blicken Sie im Stadion Niedermatten auf diese Zeit zurück. Und sorgen mit Ihrer Präsenz dafür, dass der FC Wohlen «ein bisschen Hollywood» erhält, das dem Verein nur gut tun kann.
Hollywood, wer hat das gesagt?

Präsident Lucien Tschachtli.
Ach so. Nun, Hollywood interessiert mich nicht. Ich bin ein normaler Mensch. Ich will erfolgreich sein. Mit den Leuten diskutieren. Respekt haben für alle hier! Ich freue mich sehr auf die Zeit!