Der ehemalige Fifa-Medienchef und Marketingmanager Guido Tognoni kritisiert das Vorgehen von Fifa-Präsident Sepp Blatter in der Korruptionsaffäre massiv. Der aktuelle Ansatz sei naiv, sagt Tognoni in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag»: «Korruptionsbekämpfung ist eine Sache für Profis, nicht für Feierabendfunktionäre aus aller Welt, die gegen ihre eigenen Kollegen ermitteln sollen.»

Eine Ethik-Kommission könne Leitfäden für korrektes Verhalten erarbeiten, «aber nicht die Geschwüre der Korruption kurieren». Solange Sportverbände ihre Missstände durch eigene Leute ahnden wollen, fehle der klare Beweis, dass man es mit deren Bekämpfung wirklich ernst meine. Nur Experten, die mit dem Thema Korruption vertraut sind, wären eine glaubwürdige Massnahme. «Korruptionsbekämpfung ist nicht ein Hobby für Funktionäre, sondern harte, schwierige und bisweilen gefährliche Arbeit», so Tognoni in dem Zeitungsinterview.

Claudio Sulser sei als Vorsitzender der Ethik-Kommission nicht der richtige Mann: «Er kennt die Vorgänge im Weltfussball leider zu wenig - wie soll er sie auch kennen?» Es handle sich bei den Korruptionsvorwürfen «sicher um mehr als Einzelfälle», so Tognoni weiter: «Die Frage ist, wie tief die Fifa graben will.» Der Sport komme aber um eine globale Einsatztruppe, die mit Regierungen und Polizei zusammenarbeitete nicht herum.