FC Basel

Ex-FCB-Star Elneny als Sinnbild des englischen Transferwahnsinns

Mohamed Elneny verdient bei Arsenal viel Geld, seine sportlichen Perspektiven sind weniger gut.

Mohamed Elneny verdient bei Arsenal viel Geld, seine sportlichen Perspektiven sind weniger gut.

Nicht nur für Granit Xhaka, auch für Mohamed Elneny gibt es heute Abend ein Wiedersehen mit seinem früheren Verein FC Basel: Der Ägypter erlebt bei Arsenal, was es heisst, Teil der verschwenderischen Personalpolitik in der Premier League zu sein.

Ein Vertrag in der Premier League. Dank des neuen TV-Deals ist dieser Traum für Fussballprofis noch süsser als zuvor: Seit diesem Jahr schütten die Fernsehsender Milliarden von Franken in die Klubkassen, Geld spielt auf der Insel keine Rolle mehr.

Mohamed Elneny gehört zu den Glücklichen, für die der Traum in Erfüllung gegangen ist. Im vergangenen Januar wechselte er zu Arsenal London. Der FC Basel erhielt für das ägyptische Laufwunder fast 20 Millionen Franken vom heutigen Champions-League-Gegner. Elneny selber hat mit der Unterschrift unter den Vierjahresvertrag finanziell ausgesorgt – seine Verwandtschaft wohl auch.

Ein Platz in der Stammelf ist in weiter Ferne

In monetärer Hinsicht ist England das gelobte Land. Doch wie sieht es punkto sportlicher Perspektiven aus? Schlecht, wie das Beispiel von Elneny deutlich aufzeigt: Arsenal begann sich für Elneny zu interessieren, als durch Verletzungen kurzfristig ein personeller Engpass im zentralen Mittelfeld entstanden war. Elneny spielte dann zu Beginn auch, erzielte sogar ein Tor in der Champions League gegen Barcelona – doch kaum waren die Stammkräfte wieder genesen, fiel Elneny aus der Stammelf.

Mohamed Elnenys erstes und einziges Tor für Arsenal gegen Barcelona

Mohamed Elnenys erstes und einziges Tor für Arsenal gegen Barcelona

Champions League 2016

Am vergangenen Samstag gegen Chelsea gehörte er nicht einmal zum Aufgebot. In der Hierarchie der defensiven Mittelfeldspieler liegt Elneny hinter Cazorla, Coquelin, Xhaka und Ramsey auf dem fünften und letzten Platz. Kurz: Arsenal hat im Januar fast 20 Millionen für einen kurzfristigen Lückenbüsser ausgegeben.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Elneny im kommenden Winter, spätestens im Sommer 2017 Arsenal wieder verlässt. Genauer gesagt: Dass er ausgeliehen wird. Dass ihm das Schicksal eines Grossteils der Spieler widerfährt, die in die Premier League wechseln: Langfristig etablieren können sich praktisch nur die Topstars. Die Fluktuation ein Level tiefer ist schwindelerregend.

Wie sinnvoll ist die Hamstertaktik?

Im Sommer 2016 hat die Premier League den eigenen Ausgabenrekord für eine einzelne Transferphase erneut geknackt: 1,7 Milliarden Franken gaben die 20 Klubs aus. Insgesamt wurden 151 Spieler verpflichtet. Im Gegenzug gaben die Vereine 296 Profis ab – die meisten leihweise, weil kein Verein bereit ist, den Einkaufspreis zu zahlen, die aufgeblähten Kaderlisten aber entschlackt werden müssen. Aktuell stehen 516 Spieler in der Premier League unter Vertrag.

Immerhin: Die englischen Klubs scheinen zu erkennen, dass ihre Hamstertaktik auf dem Transfermarkt der vergangenen Jahre wenig Sinn macht. Sonst hätten sie nicht doppelt so viele Spieler abgegeben, wie sie eingekauft haben. Liverpool hat im Sommer 24 Spieler abgegeben, Chelsea London unglaubliche 34(!). Zum Vergleich: Für die gleiche Anzahl Abgänge brauchte der FC Basel sechs Transferphasen.

Die Gründe für diesen immensen Personalverschleiss sind vielseitig: Längst ist die Premier League nicht mehr nur sportlicher Wettbewerb, genauso ist sie ein Zirkus. Auf der ganzen Welt schauen die Menschen nach England und verlangen ständig nach neuen Heldenfiguren: Wer den Spektakelansprüchen nicht genügt, wird ersetzt. Geld ist genug da. 

Nirgendwo anders als in England mischen mehr Leute bei der Kaderzusammenstellung mit: Klubbesitzer aus dem Osten, Trainer, mächtige Agenten – alle wollen ihre Wünsche umgesetzt haben, das Gesicht der Mannschaft wird so laufend verändert.

Quiz über Arsenal London

Nicht zuletzt haben die englischen Klubs das beste Argument auf ihrer Seite: Geld. Spieler wie Elneny, die aus ärmlichen Verhältnissen stammen, überlegen bei einem Angebot aus der Premier League nicht zweimal und ziehen das Geld den sportlichen Perspektiven vor.

Mohamed Elneny hätte sich vor seinem Wechsel zu Arsenal bei seinem Landsmann und Freund Mohamed Salah erkunden können, wie es läuft: Salah wechselte zwei Jahre vor Elneny nach London, für 20 Millionen zu Chelsea. Er spielte ein paar Spiele, bis Trainer Mourinho ihn als «nicht profiwürdig» einstufte und aussortierte. Als Nachfolger verpflichteten die «Blues» für 30 Millionen den Kolumbianer Juan Cuadrado, weil dieser an der WM 2014 in Brasilien für Furore sorgte. Beide spielen längst nicht mehr bei Chelsea, mussten den nächsten «One-Hit-Wondern» weichen. Salah wurde erst nach Florenz, dann nach Rom verliehen. Wann ist es bei Elneny so weit?

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