Ein grosses Zug verliert ein grosses Spiel – weil es so ist, wie es schon immer war

Diese Niederlage war noch dramatischer und unglücklicher als alle, die der EV Zug in seiner Geschichte schon hat hinnehmen müssen. Der SCB gewinnt am Donnerstag in der Bossard Arena 3:1 und braucht noch einen Sieg zum Titelgewinn.

Klaus Zaugg, Zug
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Die Schweiz ist eigentlich aus einem einzigen Schuss hervorgegangen. Aus einer Szene, die den Inner- und Zentralschweizern wohl bekannt ist und jedes Jahr bei den Tellspielen aufgeführt wird. Durch Schuss in Wilhelm Tell durch den Apfel.

Die Zuger haben diese vierte Partie auch durch einen einzigen Schuss verloren. Gaëtan Haas trifft im ersten Powerplay der Berner zum 1:0. Es ist ein Schuss, der die Zuger ins Herz trifft und von dem sie sich nie wieder erholen werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt haben sie die Berner zu Wasser, zu Land und in der Luft dominiert. Mit dem besten, kraftvollsten, schnellsten Hockey, zu dem sie fähig sind. Ja, mit ziemlicher Sicherheit haben sie nie in dieser Saison besser gespielt als in bis zu diesem unglücklichen 0:1. Aber sie treffen nicht ins Tor. Nur die Torumrandung durch Dario Simion. Alles andere erledigt Leonardo Genoni. Am Ende zählen die Statistiker 39:17 Torschüsse.

Warum treffen die Zuger nicht? Hinterher ist die Versuchung gross, Mängel als Erklärung zu finden. Es gibt keine Mängel und Fehler, die wir jemandem ankreiden könnten. Das Scheitern liegt in den Unabwägbarkeiten eines unberechenbaren Spiels auf einer rutschigen Unterlage, an besonderen Umständen, auf die wir noch eingehen werden, und an der Magie Leonardo Genonis: wenn die Stürmer einem Torhüter mit einem so legendären Ruf überwinden müssen, dann werden sie von einer winzigen, aber entscheidenden Prise Zweifel heimgesucht. Wir sagen ja nicht umsonst, dass Goalies hexen.

Dieser ungestüme und doch nicht belohnte Angriffsgeist gehört zur DNA, zum Schicksal der Zentral- und Innerschweizer Sportkultur. Vielleicht gibt es deshalb erst einen Hockey- und Fussballmeister und nur einen Schwingerkönig aus der Inner- und Zentralschweiz.

Aber zu diesem Drama gehört, dass die Zuger auch das Opfer von besonderen Umständen werden: einer regeltechnischen Spitzfindigkeit werden. Wohlverstanden: einer Spitzfindigkeit, nicht eines Fehlentscheides.

In der 31. Minute gelingt Garrett Roe im Powerplay das 1:1. Es ist der Ausgleich, der dieser Partie eine andere Wendung hätte geben können. Aber die Schiedsrichter annullieren den Treffer nach der Video-Konsultation wegen Behinderung des Torhüters.

Und tatsächlich zeigt sich bei genauem Studium der laufenden Bilder, dass Leonardo Genoni in seiner Bewegungsfreiheit im Torraum eingeengt worden ist, bevor der Pucks ins Netz fährt. Nur ist diese Behinderung so geringfügig, dass sie auch hätte ignoriert werden können. Die Aberkennung liegt im Graubereich des Ermessensspielraumes. Die Zuger werden also das Opfer einer regeljuristischen Spitzfindigkeit.

Kehren wir zum Spiel zurück: Nach den Erregungen und Aufregungen um den nicht anerkannten Ausgleich ist die Partie gelaufen. Obwohl es erst 0:1 steht. Aber die Zuger lassen sich durch die Umstände in der Konzentration stören und vom Spiel ablenken. Die Berner hingegen nicht. Ihre Erfahrung ist Gold wert. Der zweite Treffer ist nur eine Frage der Zeit. Er fällt in der 37. Minute. Wieder durch Gaëtan Haas. Diese Erfahrung hilft den Bernern auch, das Schlussdrittel zu überstehen, als die Zuger noch einmal ihre Kräfte sammeln und das Gehäuse von Leonardo Genoni bestürmen.

Und ganz zum Schluss kommen wir noch einmal auf zu Beginn gemachte Feststellung zurück, dass tatsächlich alles so ist, wie es schon immer war. Es ist des Chronisten Pflicht. Nicht seine Bösartigkeit.

Mit Tobias Stephan ist es nicht möglich Meister zu werden. Das erste und zweite Tor hätte ein grosser Torhüter verhindert. Zug kann nur mit einem grossen Torhüter Meister werden – vor allem, wenn beim Gegner mit Leonardo Genoni ein Grosser im Tor steht. Aber nächste Saison wird er ja ein Zuger sein.


Zug - Bern 1:3 (0:0, 0:2, 1:1)

7200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Lemelin/Hebeisen, Castelli/Kovacs. - Tore: 25. Haas (Ausschluss Klingberg) 0:1. 37. Haas 0:2. 45. Martschini (Roe/Ausschluss Berger) 1:2. 58. Arcobello 1:3 (ins leere Tor). - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Zug, 4mal 2 Minuten gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Arcobello; Roe.

Zug: Stephan; Thiry, Alatalo; Diaz, Zryd; Schlumpf, Zgraggen; Stadler; Klingberg, Roe, Everberg; Martschini, Flynn, Suri; Lammer, Senteler, Simion; Schnyder, Albrecht, Leuenberger; Zehnder.

Bern: Genoni; Untersander, Burren; Krueger, Blum; Andersson, Beat Gerber; Colin Gerber; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Boychuk, Mursak, Ebbett; Sciaroni, Heim, Scherwey; Berger, Haas, Bieber; Kämpf.

Bemerkungen: Zug ohne McIntyre, Widerström und Morant (alle überzählig), Bern ohne Almquist (gesperrt), Kamerzin, Grassi (beide verletzt), Marti und Brügger (beide überzählig). Pfostenschuss Simion (17.). Tor von Roe wegen Torhüterbehinderung aberkannt (31.). Timeout Zug (57:53). Zug von 57:43 bis 57:51 und von 58:00 bis 59:32 ohne Torhüter.

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