Europameisterschaft
Die Party in der eigenen Stube: Der EM-Final für England wird nach dem 2:1 gegen Dänemark Tatsache

England steht nach einem 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Dänemark im EM-Final. Der Traum vom Titel zu Hause geht weiter.

Raphael Gutzwiller
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Riesenjubel bei den Enländern nach dem Tor von Harry Kane zum 2:1.

Riesenjubel bei den Enländern nach dem Tor von Harry Kane zum 2:1.

Laurence Griffiths / EPA

Die Sehnsucht der Engländer ist gross. Das so stolze Mutterland des Fussballs hat erst einmal einen grossen Titel geholt: 1966 an der WM im eigenen Land. Seither schafften es die Engländer nicht einmal mehr in einen Final. Ob WM oder EM: Jedes Turnier endete mit einer Enttäuschung. In diesem Jahr aber ist vieles anders. Der Titel ist plötzlich zum Greifen nah. Und das spüren die Fans: In den englischen Pubs und im Wembley-Stadion singen sie seit Wochen ihr Song: «Football is coming home». Der Fussball kommt nach Hause. Eigentlich ist es der EM-Song von 1996, damals als die Engländer im Halbfinal an Deutschland gescheitert waren. Damals, als der Fussball eben doch nicht nach Hause kam.

Doch in diesem Jahr passt er besser. Weil dieses englische Team alles tut für den Traum, trotz grossartigen Kreativspielern auf ein defensives System baut – und somit kaum überwindbar scheint. Am Mittwochabend landen die Engländer in der eigenen Stube den nächsten Erfolg auf dem Weg zum Triumph. Es ist ein 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen das Überraschungsteam aus Dänemark.

Nach 480 Minuten das erste Gegentor

Die Entscheidung fällt in der 102. Minute. Der niederländische Schiedsrichter Danny Makkelie entscheidet auf Penalty für England, nachdem Raheem Sterling von rechts in den Strafraum eingedrungen war, ins Dribbling ging und für die dänische Defensive zu wirblig war. Joakim Maehle hat ihn leicht am Fuss getroffen, Sterling ist gefallen, der Penalty wurde Tatsache. Der dänische Goalie Kasper Schmeichel pariert zwar den Elfmeter von Harry Kane, der Nachschuss des englischen Captains sitzt aber.

Harry Kane (rechts) jubelt mit Phil Foden über sein goldenes Tor zum 2:1.

Harry Kane (rechts) jubelt mit Phil Foden über sein goldenes Tor zum 2:1.

Laurence Griffiths / EPA

Was so gut endet für England, hat gar nicht gut begonnen. Das Team, das sich an diesem Turnier so sehr durch defensive Stabilität auszeichnet, erhält erstmals einen Rückschlag. 480 Minuten hat Jordan Pickford sein Tor an dieser Europameisterschaft rein gehalten, ehe Mikkel Damsgaard die englische Festung durchbricht. 30. Spielminute, gute Freistossposition, tolle Schusstechnik, der Torhüter kommt nicht mehr ran.

Mikkel Damsgaard trifft mit einem direkten Freistoss zur Führung für Dänemark.

Mikkel Damsgaard trifft mit einem direkten Freistoss zur Führung für Dänemark.

Laurence Griffiths / AP

Es ist die Führung der Dänen, die kurz von einer Sensation träumen. Einer Wiederholung von 1992 und dem EM-Titel. Diesmal wird aber eine andere Geschichte geschrieben.

Das englische Team beweist nach dem Rückstand, dass es auch kann, was es bisher nicht musste: Auf einen Rückstand reagieren. Nur neun Minuten dauert es, ehe die Briten die Partie wieder ausgeglichen wissen. Harry Kane mit einem Steilpass, Youngster Bukayo Saka legt zur Mitte, wo Raheem Sterling stehen würde. Doch wie an einer EM mit vielen Eigentoren üblich, lenkt der Däne Simon Kjaer den Ball ins eigene Tor.

Ab jenem Zeitpunkt lassen die Briten nichts mehr zu – und drücken auf die Führung. Die fällt aber lange nicht, weil Schmeichel immer wieder glänzend reagiert. Etwa nach einem gefährlichen Kopfball von Maguire oder den platzierten Abschlüssen von Kane und Grealish. Das Flehen der immer defensiver stehenden Dänen nach dem Penaltyschiessen wird immer lauter. Doch der Penaltypfiff kommt früher.