Euro 2012

Spanien-Trainer Vincente del Bosque: «Ich bin sehr stolz auf meine Spieler»

Vicente del Bosque gibt David Silva Anweisungen.

Vicente del Bosque gibt David Silva Anweisungen.

Nach dem Sieg Spaniens an der Euro 2012 zerstreut Trainer Vicente del Bosque die Bedenken, es gebe keine Herausforderungen für die Nationalmannschaft mehr.

Kein Lächeln, nichts. Mit ernstem Blick, als hätte er soeben von seiner Entlassung erfahren, betrat Vicente del Bosque den Medienraum. Und tat, was ihm das Protokoll der Uefa vorschrieb, worauf er aber offensichtlich ganz gern verzichtet hätte: Fragen beantworten. Er schwitzte aus allen Poren und sagte: «Meine erste Gratulation gilt Italien.» Der 61-jährige Sportsmann erahnte wohl, mit welchen Gefühlen Cesare Prandelli ein paar Minuten zuvor am selben Tisch gesessen war. «Solche Tage gibt es im Fussball», sagte Del Bosque, «auch wir haben schon mal in einem Freundschaftsspiel 0:4 verloren.»

In einem Freundschaftsspiel. Aber nicht in einem Pflichtspiel. Und schon gar nicht in einer Partie, die mit der Europameisterschaft zu tun hat. Zahlen mögen langweilen, aber sie belegen, wer Europas Fussball seit einem halben Dutzend Jahren dominiert. Spaniens letzte Niederlage in diesem Wettbewerb geht auf das Jahr 2004 zurück und war ein 0:1 gegen Gastgeber Portugal. «Ich bin sehr stolz auf meine Spieler», sagte Del Bosque, «sie hat klasse gespielt. Wir hatten viel Ballbesitz, das ist unser Spiel und Rezept zum Erfolg.» «Wir sind sehr offensiv aufgetreten.» Iker Casillas, der in seinem 137. Länderspiel zum 79. Mal ohne Gegentor geblieben war, lobte selbstredend zuerst die Defensive. «Diese stimmt bei uns. Wir haben zwar überwiegend kleine Spieler, aber diese haben die Sache sehr gut gemacht.»

Angesprochen fühlen durfte sich Jordi Alba. Der Linksverteidiger war die eigentliche Entdeckung im spanischen Team. «Dabei war ich ja nicht einmal vorgesehen für dieses Turnier. Aber jetzt bin ich unfassbar glücklich», sagte der 23-Jährige, der in seinem 11. Länderspiel zum ersten Mal ein Tor erzielt hatte. «Nach und nach werden wir fassen, was geschehen ist», sagte Alba, der nun vom FC Valencia zum FC Barcelona wechselt.

Luis Aragonés wies den Weg

«Wir sind uns schon bewusst, was wir in den letzten Jahren geleistet haben», sagte Del Bosque. «Luis Aragonés hat uns 2008 den Weg gewiesen, und wir sind ihn gegangen», erwähnte er die Verdienste seines Vorgängers. Befürchtungen, für seine Mannschaft gebe es nun keine Herausforderungen mehr, wischte Del Bosque vom Tisch und zählte die Gegner auf, mit denen es Spanien in der WM-Ausscheidung zu tun bekomme. «Finnland». Und dann sei ja auch noch der Konföderationen-Cup in Brasilien ein Ziel, bei dem man im nächsten Jahr Europa würdig vertreten wolle.

Mit welcher Souveränität Spanien den Versuch der Italiener, in ihre Phalanx einzubrechen, abwehren würde, war kaum zu erwarten gewesen. Denn die Vorstellungen der Iberer bis zum Final hatten nicht das gebracht, was man von ihnen gewohnt war. Nicht zu vergessen: Hätte Ivan Rakitic im Gruppenspiel seine grosse Chance genützt, wäre der Titelverteidiger draussen gewesen.

So aber konnte Del Bosque sagen: «Wir haben eine grosse Generation an Fussballern. Sie alle sind hervorragend ausgebildet, und dies war früher nicht der Fall.» Dann kam der Erfolgstrainer auch noch kurz darauf zu sprechen, wie es Spanien überhaupt gelingen konnte, den Titel zu verteidigen, obwohl es ohne einen klassischen Stürmer aufgelaufen war. «Das Ziel im Fussball ist, Tore zu schiessen», sagte Del Bosque, «aber es führen verschiedene Wege da hin.» In Abwesenheit von Topskorer David Villa hatte er Mittelfeldspieler Cesc Fabregas nach vorne beordert und Stürmer Fernando Torres meist auf der Ersatzbank schmoren lassen. «Ich wähle jene Spieler, die am besten zu unserem Spielstil passen», sagte Del Bosque.

Italiens Einsicht

Den arg zerzausten Italienern war nichts anderes übrig geblieben, als die Überlegenheit des Gegners zu anerkennen. «Wir haben nicht die Form gehabt wie zuletzt. Wir können uns aber nichts vorwerfen, die Spanier waren heute einfach besser und haben eine fantastische Mannschaft», sagte Goalie Gianluigi Buffon.

Trainer Cesare Prandelli, der noch am selben Abend bekräftigte, er wolle als Trainer weitermachen und keinerlei Rücktrittsgedanken mehr offenbarte, sagte: «Unsere Strategie war schon okay. Wir waren bestrebt, den Spaniern keine Lücken zu lassen, durch die sie hindurchstossen konnten. Dies liess sich aber nicht immer verhindern. Und nachher, nach Thiago Mottas verletzungsbedingtem Ausscheiden, wurde es in Unterzahl besonders schwer.» Trotz der herben Finalschlappe betrachtete Prandelli die EM als Ganzes: «Und da haben wir doch Grossartiges geleistet. Wir werden weiter zusammenwachsen und uns verbessern.»

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