Fussball

Mario Balotelli: «Manchmal mache ich seltsame Dinge»

Mario Balotelli ist der extravaganteste Fussballer der EM. Der Italiener mit ghanaischen Wurzeln ist immer wieder für ein «Spässchen» gut. Trotz seiner unzähligen Eskapaden geht dabei eines vergessen: Balotelli ist auch ein richtig guter Fussballer.

Mit Rassismus ist nicht zu spassen. Findet auch Mario Balotelli, der sonst wahrlich keine Tabus kennt. Und weil der 21-jährige Schwarze im Prinzip zu allem fähig ist, sollten die Türsteher der laufenden Europameisterschaft gut aufpassen. Denn dieser Balotelli hat angekündigt, er werde den Rasen sofort verlassen und heimfliegen, sollte es rassistische Aktionen geben. Da aber nicht zu vermeiden ist, dass sich in einem gefüllten EM-Stadion immer auch ein paar Idioten tummeln, muss mit allem gerechnet werden.

Apropos Idioten: Dieses liebevolle Wort braucht manchmal auch Roberto Mancini, wenn er über Balotelli spricht. Den Trainer von Manchester City und seinen Stürmer verbindet eine Hassliebe. «Im Grunde genommen habe ich Mario gerne; er ist ein guter Mensch», sagt Mancini – wenn er gerade mal nicht mit einer neuen Eskapade seines Schützlings konfrontiert ist.

Dies allerdings ist oft genug der Fall. Ob in einem Testspiel in den USA, bei dem Balotelli ein sicheres Tor verschenkt, weil er es mit Pirouette und Hacke erzielen will oder dämlichen Platzverweisen, die so mannschaftsschädigend sein können, dass der «Guardian» nach schlechten Resultaten von Manchester City geschrieben hat: «Balotelli, die spatzenhirnige Verkörperung des Niedergangs von City.»

Noch vor wenigen Monaten wollte Mancini diesen Querulanten, der auch im Training immer wieder mit Teamkollegen den Streit findet, bis zum Saisonende nicht mehr aufstellen und dann verkaufen.

Doch beim Meisterschaftsfinale gegen die Queens Parks Rangers durfte Mario dann doch noch einmal eine Viertelstunde ran. 2:3 lautete das Resultat, als er kam; 4:3, als das Spiel zu Ende und «City» englischer Meister war. Von einem Verkauf Balotellis ist seither nicht mehr die Rede.

Aber auch der italienische Nationalcoach Cesare Prandelli hat schon seine Erfahrungen mit dem Paradiesvogel gemacht. Und auf diesen verzichtet, nachdem Balotelli in einem Europa-League-Spiel mit einer lebensgefährlichen Kung-Fu-Einlage aufgefallen war. «Er kann sich keine Fehler mehr erlauben», hat Prandelli kurz vor der EM gesagt, «ich bin mir aber sicher, dass er auch keine mehr macht.»

Wenn er sich da nur nicht täuscht.

Drei oder vier Wochen EM, inklusive Vorbereitungsphase, und keine Zirkusnummer à la Balotelli? Unvorstellbar. Es gibt gewiss nicht viele seines Alters, die locker aus dem Handgelenk ein Buch darüber schreiben könnten, was sie schon so alles getan und erlebt haben. Selbst wenn nur die Hälfte aller Geschichten sich tatsächlich so zugetragen hat und nicht bloss Balotelli-Latein ist, reichte es für einen dicken Band.

Nicht alles wäre dabei lustig. Falls es stimmt, dass er einmal auf dem Trainingsgelände mit Dartpfeilen nach Junioren geworfen hat, dann muss ihm widersprochen werden, wenn er sagt: «Ich bin nicht verrückt, ich mache nur manchmal seltsame Dinge.»

9,5 von 10 Punkten für überragenden Sex

Er soll auch schon mal mit seinem Bruder in ein Frauengefängnis eingebrochen sein («ich wusste nicht, dass es dafür eine Erlaubnis braucht») und nach einem Unfall mit 5000 Pfund im Auto («ich bin eben reich») ertappt worden sein. Er hat schon Raketen aus dem Badezimmer abgefeuert und einen Teil seiner 4-Millionen-Villa in Brand gesetzt.

Weitere Anekdoten sind: Sein Maserati wurde in Manchester 27-mal abgeschleppt; er bot einer jungen Frau 20000 Pfund für deren Telefonnummer; er parkte seinen Bentley vor einer Schule, weil er auf die Toilette musste; er bekam von der Prostituierten Jenny Thompson (Wayne Rooney weiss, wer das ist) auf der Zehnerskala die Note 9,5 für überragenden Sex; und er schaffte tatsächlich nicht, was jeder Junior kann: sich ein Überziehleibchen überzustreifen. Immerhin ist wenigstens diese Balotelli-Nummer verifiziert und bei «Youtube» zu geniessen.

Was bei all dieser Extravaganz vergessen geht: Balotelli ist ein toller Fussballer. «Er kann einer der Besten der Welt werden», hat José Mourinho gesagt.

Der Sohn ghanaischer Einwanderer ist bei Pflegeeltern aufgewachsen und hat sich bei Kontaktversuchen der leiblichen Eltern Barwuah bisher unversöhnlich gezeigt: «Jetzt, wo ich Geld habe, kommen sie wieder.»

Und eines zum Schluss: In den ersten 45 Minuten zwischen Italien und Spanien (1:1) wurde nur ein Spieler mit der gelben Karte verwarnt: Hitzkopf Mario Balotelli. Warum das wohl niemanden erstaunen mag?

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