Nach Polen ist auch die Ukraine als zweites Gastgeberland aus dem Turnier ausgeschieden. Allerdings mit einem äusserst bitteren Nachgeschmack. Denn eine halbe Stunde vor Schluss, in der 62. Minute, hatte sie durch Marko Devic den Ausgleich zum 1:1 erzielt, der ihnen noch einmal alle Chancen auf den erforderlichen Sieg zum Einzug in die Viertelfinals zurückgebracht hätte.

Der von Goalie Joe Harte abgelenkte Ball war von John Terry hinter der Linie weggeschlagen worden. Nicht aber in der Wahrnehmung des ungarischen Schiedsrichters Viktor Kassai und seiner Assistenten. Diese entschieden zum Entsetzen der Ukrainer: Kein Tor. Den Gastgebern widerfuhr damit dasselbe, was die Engländer in Südafrika gegen Deutschland erlebt hatten: Ein lupenreines Tor war ihnen gestohlen worden.

Tor-Skandal: Der Ukraine wird gegen England an der Europameisterschaft 2012 ein klares Tor nicht gegeben

Das Tor der Ukraine, das der Schiedsrichter nicht geben wollte.

Heftig kritisiert werden dabei einmal mehr die Torrichter. «Ich frage mich schon lange, was die eigentlich machen», sagt Luigi Ponte, Zentralpräsident des Schweizerischen Schiedsrichter-Verbands, gegenüber az. Er sei von Anfang an dagegen gewesen. «Einmal hat es ihn während diese EM gebraucht - und er war nicht da», so Ponte. «Er wird nun wohl sagen, der Pfosten war im Weg.» Es sei einfach nicht möglich, 90 Minuten konzentriert auf eine Linie zu starren.

Kommt jetzt die Torkamera?

Das nicht gegebene Tor lässt auch den Ruf nach der Torkamera wieder aufleben. Das war bereits nach der WM in Südafrika vor zwei Jahren der Fall. Damals wurden die Engländer um ein Tor betrogen. Der Schweizer Schiedsrichterobermann Carlo Bertolini hat sich gegenüber dem Schweizer Fernsehen bereits für die Kameras ausgesprochen. 

Strikt dagegen ist aber UEFA-Präsident Michel Platini. Und auch Ponte hält wenig von Torkameras, weil auch sie nicht 100 Prozent sicher seien. «Da liegt dann plötzlich der Torhüter auf dem Ball und man sieht nichts», so Ponte. Man müsse damit leben, dass ein Tor mal nicht gegeben werde. «Das macht den Fussball aus und attraktiv.» (rsn)