Europäische Super League
Warum die Schweiz um Xhaka bangen muss: So will die Uefa die betroffenen Klubs bestrafen

Durch die neue europäische Eliteliga stellen sich viele Fragen – auch für den Schweizer Fussball.

Raphael Gutzwiller
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Soll künftig in der neuen Super League auflaufen: Arsenals Granit Xhaka.

Soll künftig in der neuen Super League auflaufen: Arsenals Granit Xhaka.

Bild: Julian Finney / EPA

Sie hat die Fussballwelt auf den Kopf gestellt: Die Ankündigung von zwölf Topklubs aus England, Spanien und Italien, eine Eliteliga zu gründen. Die «Super League» soll die Champions League konkurrieren.

Die Uefa will die zwölf Klubs aus dem Verband werfen. Wie geht es konkret weiter?

Am Freitag entscheidet das Uefa-Exekutivkomitee an einer ausserordentlichen Sitzung darüber, wie die Klubs sanktioniert werden sollen. Jesper Meler, der in jenem Uefa-Gremium sitzt und Vorsitzender des dänischen Fussballverbandes ist, sagt dem dänischen Sender DR: «Ich erwarte, dass die zwölf Klubs rausgeworfen werden.»

Was geschieht mit den laufenden Uefa-Wettbewerben?

Mit Manchester City, Chelsea und Real Madrid sind drei Halbfinalisten der Champions League betroffen, dazu kommen Arsenal und Manchester United in der Europa League. Was bei einem Ausschluss der Klubs aus der Uefa passieren würde, ist schwierig abzuschätzen. Dass PSG schon am Freitag zum Sieger ernannt wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Es hätte ein juristisches Nachspiel zur Folge, zudem scheint es logischer, das Feld mit ausgeschiedenen Vereinen, also mit Bayern München, Porto und Dortmund aufzufüllen. Ähnlich verhält es sich in der Europa League, wo die AS Roma und Villarreal kaum ins Final aufrücken.

Ist ein Ausschluss von Klubs juristisch möglich?

Martin Kaiser, Anwalt und Experte für Sport- und Arbeitsrecht

Martin Kaiser, Anwalt und Experte für Sport- und Arbeitsrecht

zvg

Darüber streiten sich die Juristen. Eigentlich kann die Uefa keine Klubs aus ihrem Verband werfen, denn diese sind keine direkten Mitglieder des europäischen Verbandes. Sie sind lediglich ihrem jeweiligen Landesverband angeschlossen, die wiederum der Uefa angehören. Wenn die Uefa Real Madrid aus dem Verband werfen möchte, müsste sie eigentlich den spanischen Verband ausschliessen. Aber auch das ist nicht so klar, sagt Martin Kaiser, Anwalt und Sportrechtler. «Die Uefa könnte direkt auf die Klubs durchgreifen und nur diese ausschliessen, da in diesem Fall eine entsprechende Verhältnismässigkeit gegeben sein könnte. Doch die Klubs können sich gegen einen sofortigen Ausschluss auf jeden Fall juristisch wehren – dann müssten die Gerichte darüber entscheiden.» So oder so ist juristisch noch vieles unklar. Dass mit Spanien, Italien und England drei der wichtigsten Verbände ausgeschlossen werden, scheint aber unrealistisch.

Darf ein anderer Wettbewerb gegründet werden?

Eine klare Meinung ist auch hier schwierig zu finden: So stützen sich einige Juristen auf das Kartellrecht, wonach neben der Uefa ein anderer Wettbewerb existieren darf, andere verweisen auf das «Ein-Platz-Prinzip». Darunter versteht man das Prinzip, dass es von der obersten bis zur untersten Einheit nur einen Verband geben kann. «Diese Struktur wurde von den Gerichten bereits mehrfach abgesegnet, weil es sonst keinen einheitlichen internationalen Wettbewerb mehr geben kann», sagt Kaiser. Die Gerichte werden sich wohl wieder damit befassen.

Werden Spieler aus den Nationalteams ausgeschlossen?

Die Uefa will die Spieler der betreffenden Klubs für alle Fifa- und Uefa-Wettbewerbe sperren. Das würde bedeuten: Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri könnten nicht an die Europameisterschaft fahren. Die betroffenen Spieler könnten dagegen ebenso rechtlich vorgehen. Es könnte zu einem ähnlich wichtigen Urteil für den Fussball kommen, wie das Bosman-Urteil, welches 1995 das Transfersystem auf den Kopf stellte.

Welche Konsequenzen hat die neue Liga für die Schweiz?

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Keystone

An der Spitze des Schweizer Fussballs ist die Sorge gross. «Es gibt eine Ungewissheit bezüglich den europäischen Wettbewerben, die für unsere Klubs wichtig sind», sagt Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League. Zwar könnte die Schweiz ohne diese zwölf Teams sich eher Chancen ausrechnen, europäisch eine gute Rolle zu spielen, jedoch könnten die Uefa-Wettbewerbe an Bedeutung und finanziellen Mitteln verlieren. «Man könnte ein neues Produkt schaffen, das wieder fannah ist, vielleicht inklusive einer Gehaltsobergrenze», sagt Schäfer. Gemeinsam mit anderen kleineren Ligen kämpft Schäfer gegen die neue Liga. Übrigens prüft die SFL auch, inwieweit die Bezeichnung «Super League» in der Schweiz exklusiv ihr vorbehalten bleibt.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Die Fans des FC Liverpool verbrennen vor dem Stadion symbolisch ein Shirt ihres Vereins.

Die Fans des FC Liverpool verbrennen vor dem Stadion symbolisch ein Shirt ihres Vereins.

Zac Goodwin / AP

Auch einen Tag nach der Bekanntmachung sind die Reaktionen heftig. Positive Worte sind ausser von Klubbossen keine zu hören. Vor Stadien kam es zu Protesten. So verbrannten in Liverpool Fans Trikots ihres Klubs. Auch die Trainer-Stars Pep Guardiola und Jürgen Klopp haben sich gegen die Liga ausgesprochen. Derweil hat Liverpool-Captain Jordan Henderson ein Notfalltreffen aller Premier-League-Captains einberufen, um das Wegbrechen der Super-League-Teams zu diskutieren.

Wie gehen die Klubs mit der Kritik um?

Real Madrids Präsident Florentino Pérez will die europäische Super League.

Real Madrids Präsident Florentino Pérez will die europäische Super League.

Emilio Naranjo / EPA

Die englischen Klubs kriegen kalte Füsse, heisst es in den Medien. Im Gegensatz zu Real Madrid und Barcelona, die mit der Gründung einer neuen Liga ihre Schulden tilgen könnten, sind die englischen Klubs weniger auf das Geld angewiesen. In einem TV-Interview hat Real-Boss Florentino Pérez bereits gesagt: «Der Vertrag der Super League ist bindend. Niemand kann aussteigen.»

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