EURO 2020
Mit letzter Kraft: Italien zieht nach Sieg im Penaltyschiessen über Spanien in den EM-Final ein

Im nächsten Penalty-Drama sichert sich Italien mit einem 4:2 über Spanien als erstes Team den Einzug in den Final.

Céline Feller
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Italiens Torhüter Gianluigi Donnarumma pariert den Penalty von Alvaro Morata.
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Italiens Torhüter Gianluigi Donnarumma pariert den Penalty von Alvaro Morata.

Italiens Torhüter Gianluigi Donnarumma pariert den Penalty von Alvaro Morata.

Bild: Laurence Griffiths/Keystone

Es ist eigentlich schon vor Jorginhos Anlauf klar. Spanien wird dieses Elfmeterschiessen verlieren. Weil es zu dieser Geschichte dieses Spiels passt. Der Held, der sein Team erst überhaupt in die Verlängerung gebracht hatte, verschiesst, Sekunden bevor Jorginho zu seinem Penalty antritt.

Der Held, der gefallene Held, heisst Alvaro Morata. Weil sein Penalty zu schwach geschossen ist, vor ihm Dani Olmo drüber schiesst und bei Italien einzig Manuel Locatelli nicht trifft, gewinnt Italien diesen ersten Halbfinal gegen Spanien nach Penaltyschiessen mit 4:2.

Dass es überhaupt so weit kommt, ist jedoch ebenfalls Morata zu verdanken. Ihm, der bis zur 62. Minute auf der Bank schmort. Es ist kein einfaches Turnier für ihn, da passt es, dass er in diesem Halbfinal lange warten muss.

Morata bringt die Wende - und die Entscheidung

Als er eingewechselt wird, liegt Spanien 0:1 zurück. Es ist ein Zeitpunkt, zu dem kaum mehr Chancen für die Spanier da sind. Und dann trifft Morata in der 80. Minute. Ausgerechnet er. Mit seinem sechsten Tor an einem grossen Turnier – keiner hat für Spanien je mehr getroffen – erzwingt er die Verlängerung.

An diese glaubte bis zum Ausgleich keiner mehr. Nicht, nachdem Chiesa in der 60. Minute entgegen des Spielverlaufs den scheinbaren Siegtreffer erzielt hatte. Zu erwarten war das nicht. Denn der Treffer Italiens fällt in eine Phase, in der Spaniens Druck dem Gegner scheinbar die Luft zum Atmen nimmt.

Zeitweise stehen 21 Mann im und um den Sechzehner Italiens. Ein Treffer Spaniens? Nur eine Frage der Zeit sein. Er kommt aber lange nicht. Nicht, bis Morata das Feld betritt. Der Ausgleich des Vielgescholtenen ist verdient. Überraschend, aber verdient.

Spanien dominert, Italien reüssiert

Aber dieses Spiel, es ist ohnehin eine Überraschung. Einerseits, weil die beiden Teams sich keine Zeit schenken, einander abzutasten. Andererseits vor allem, weil Spanien in der ersten Stunde so bestimmend agiert. Nach aufmüpfigen italienischen Startminuten übernimmt Spanien die Kontrolle. Mit viel Ballbesitz und viel Ruhe dominieren die Spanier das Geschehen.

Zwar sind die Räume in der italienischen Defensive eng, mit den überragenden Pässen Pedris kommt Spanien jedoch immer wieder durch. Alleine Olmo kann zwei gute Chancen nicht verwerten, hinzu kommen weitere von Torres oder Oyarzabal. Letzterer zieht einen Tag ein, an dem wohl kein Schuss den Weg ins Tor gefunden hätte. Dabei war er doch genau dafür für Moratas in die Startelf gerückt.

Dass die Italiener lange brauchen, um in diesem Spiel anzukommen, hängt vor allem, aber nicht nur von Spaniens Ballsicherheit ab. Die Squadra Azzurra muss sich nach Leonardo Spinazzolas Ausfall lange an seine Abwesenheit gewöhnen. Ohne seinen besten Mann kommt Italien bis zum 1:0 nur zu einer guten Chance, bei der jedoch die Konsequenz fehlt. Und nach dem 1:0, da fehlt ihnen dann zunehmend die Kraft, nach dem 1:1 schwindet sie gar fast ganz.

Die Verlängerung, sie gehört wieder Spanien. Italien kommt erneut kaum aus der eignen Hälfte, Spanien kombiniert sich unaufhörlich bis vors Tor. Italien liefert eine Abwehrschlacht. Und rettet sich damit in dieses Elfmeterschiessen, welches sie schliesslich in den Final bringt.

Die Reifeprüfung der Italiener, die bis zu diesem Spiel ein überragendes Turnier gespielt haben, ist bestanden. Sie sind der erste Finalteilnehmer. Und jetzt vielleicht auch endgültig der ganz grosse Favorit. Egal, auf wen sie treffen werden.

Italien – Spanien 1:1 (1:1, 0:0) n.V., 4:2 i.E.

Wembley, London – 57811 Zuschauer – SR Brych (GER).

Tore: 60. Chiesa 1:0. 80. Morata 1:1.

Penaltyschiessen: Simon (ESP) hält Elfmeter von Locatelli, Olmo (ESP) schiesst über das Tor, 1:0 Belotti, 1:1 Gerard, 2:1 Bonucci, 2:2 Thiago, 3:2 Bernardeschi, Donnarumma (ITA) hält Elfmeter von Morata, 4:2 Jorginho.