Tennis
Eugénie Bouchard ist die gestürzte Prinzessin - und das Gegenteil von Timea Bacsinszky

Eugénie Bouchard war dabei, der neue Star der Szene zu werden, und wurde jäh gebremst. Heute trifft die Kanadierin am French Open auf Timea Bacsinszky.

Marcel Kuchta, Paris
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Die Medien rissen sich um Tennis-Prinzessin Eugénie Bouchard. Doch das war einmal.

Die Medien rissen sich um Tennis-Prinzessin Eugénie Bouchard. Doch das war einmal.

Keystone

Halbfinal am Australian Open. Halbfinal am French Open. Final in Wimbledon. In der Weltrangliste von Platz 32 auf Platz 5. Eugenie Bouchard eroberte 2014 im Alter von 20 Jahren die Tennisszene im Eilzugstempo. Die Kanadierin sorgte in ihrer Heimat für einen regelrechten Hype, wurde innerhalb eines Jahres zu einem Star. Jung, hübsch, erfolgreich – Attribute, nach denen besonders die Werbeindustrie lechzt. Sie fand Aufnahme in den illustren Kreis der Nike-Tennisstars, zu welchem auch Roger Federer, Rafael Nadal oder Serena Williams gehören.

Doch so schnell Bouchards Stern am Firmament aufstieg, umso schneller verglühte er im darauffolgenden Jahr. Die Folge war, wie so oft, viel schlechter als das Original. Sie plagte sich mit Verletzungen herum, die ihre Performance beeinträchtigten. Und schliesslich nagte das alles an ihrem Selbstbewusstsein. Aus dem Shootingstar wurde eine von Zweifeln geplagte Spielerin, die mehr Partien verlor, als sie gewann. «Ich habe einen unheimlichen Druck verspürt.

Auf der Suche: Eugénie Bouchard.

Auf der Suche: Eugénie Bouchard.

Keystone

Es wurde von mir erwartet, dass ich jedes Spiel gewinne. Und wenn ich dann verlor, dann war es ein Desaster», beschrieb sie ihr Dilemma, welches dazu führte, dass sie sogar unter Essstörungen litt. Und wie so oft, wenn man kein Glück hat, kam bei Eugénie Bouchard auch noch Pech dazu. Am US Open des vergangenen Jahrs überstand sie drei Runden, ehe sie sich bei einem mysteriösen Unfall in der Garderobe eine schwere Gehirnerschütterung zuzog und zur Aufgabe gezwungen wurde. Die Klage der Kanadierin gegen die Organisatoren ist immer noch hängig. Das änderte aber nichts daran, dass Bouchard, die gestürzte Prinzessin, in der WTA-Rangliste nach hinten durchgereicht wurde.

Wie einst Bacsinszky

Vor dem French Open war sie auf Platz 47 klassiert. Fast 40 Ränge schlechter als ihre heutige Gegnerin Timea Bacsinszky. Man muss sich das vor Augen halten: 2014, als sich Bouchard an die Weltspitze spielte, da war die Lausannerin gerade dabei, ihre «zweite Karriere» zu lancieren, und beendete jenes Jahr auf Platz 48 des WTA-Rankings. Sie stand damals also am selben Ort, an welchem Eugénie Bouchard jetzt steht. So schnell kann es gehen. Die beiden Kontrahentinnen standen sich erst kürzlich zum ersten und bisher einzigen Mal gegenüber: In Indian Wells gewann Bacsinszky in der dritten Runde 6:2, 5:7, 6:2.