Die Nachricht am späten Abend ist erfreulich. Haris Seferovic darf an der EM in jedem Fall spielen. Dies bestätigte der Schweizer Fussball Verband. Die rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung vom vergangenen Samstag wird also nicht nachhaltig zur Hypothek. Die Fifa entscheidet heute, ob sie Seferovic bestraft oder den Fall dem SFV übergibt. Die wahrscheinlichste Variante: Seferovic wird für das Testspiel am nächsten Freitag gegen Moldawien gesperrt und muss eine Geldstrafe bezahlen.

Hier lässt Petkovic die Katze aus dem Sack

Hier lässt Petkovic die Katze aus dem Sack

Lugano - 30.5.16 - Die Entscheidung wurde mit Spannung erwartet: Am Montag gab Nati-Trainer Vladimir Petkovic das definitive 23-Mann-Kader für die EM in Frankreich bekannt. Feierlich las er vor den versammelten Medien die 23 Namen vor. Zuhause bleiben müssen Senderos, Widmer und Zuffi.

Kurz vor der WM 2014 kam es in einem Testspiel zwischen England und Ecuador zu einem ähnlichen Fall. Damals erhielten Raheem Sterling und Antonio Valencia nach Tätlichkeiten jeweils die rote Karte. Für die WM hatte diese keine Folgen. Weil die Fifa vorsieht, dass eine Sperre nur ins nächste Freundschaftsspiel übernommen wird. Seferovic wird also auch kein WM-Qualifikationsspiel im Sommer verpassen.

Das 23-Mann Kader der Schweiz für die Europameisterschaft 2016: 

Zuvor gab Nationaltrainer Vladimir Petkovic kurz nach 18 Uhr sein definitives 23-Mann-Kader für die EM bekannt. Als letzte Spieler müssen Luca Zuffi, Silvan Widmer und Philippe Senderos das Schweizer Camp verlassen. Petkovic fiel die Wahl nicht leicht. Mehrfach betonte er, dass er sich nicht «gegen» die Drei, sondern «für» 23 Spieler entschieden hätte. «Ich habe lange überlegt und dabei auch gelitten – es war ähnlich schwierig, wie die richtigen elf Spieler für eine Startaufstellung zu finden», erklärte er.

Am bittersten ist das Ausscheiden für Luca Zuffi. Der FCB-Mittelfeldspieler hat sich in den letzten zwei Jahren in Basel prächtig entwickelt. Er hat Champions League Erfahrung und in seinen vier bisherigen Länderspielen fast ausnahmslos ein gutes Bild abgegeben. Petkovic sagte, Zuffi sei etwas «übermüdet» gewesen. Der 26-Jährige rückte erst am Donnerstag ein, einen Tag nach dem Ende der Schweizer Meisterschaft. «Ihm hat etwas die Zeit gefehlt, sich etwas zu erholen», sagte Petkovic. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn ihn der FCB früher freigegeben hätte.

Luca Zuffi machte Nati-Coach Vladimir Petkovic einen zu müden Eindruck.

Luca Zuffi machte Nati-Coach Vladimir Petkovic einen zu müden Eindruck.

Für Petkovic war es auch kein Thema, Zuffi anstelle eines weiteren Verteidigers (Moubandje, von Bergen) mitzunehmen. Er möchte jede Position doppelt besetzt haben – auch aus Trainingsgründen. Gelson Fernandes schliesslich, der fussballerisch eher hinter Zuffi einzuordnen ist, geniesst intern aufgrund seiner Erfahrung und seiner integrativen Kraft ein hohes Ansehen.

Europameister? «Wir!»

YB-Youngster Denis Zakaria ist zweifellos ein Versprechen für die Zukunft. «Er darf aber nicht einfach zur EM mitkommen wegen eines Jugendbonus», stellt Petkovic klar. «Er hat in den Trainings und auch im Spiel gegen Belgien einen guten Eindruck hinterlassen. Er ist physisch stark und kann Tempo machen.» Klar ist: Zakaria kann es nur gut tun, bereits jetzt EM-Luft zu schnuppern. Denn es ist gut möglich, dass er in Zukunft für die Schweiz eine sehr wichtige Rolle spielen wird. In absehbarer Zeit wird er regelmässig an der Seite von Granit Xhaka spielen.

Denis Zakaria bringt eine gewisse Portion jugendliche Unbekümmertheit in die Nati mit.

Denis Zakaria bringt eine gewisse Portion jugendliche Unbekümmertheit in die Nati mit.

Zakaria wird im November 20 Jahre alt. Noch vor 15 Monaten hat er in der zweiten Mannschaft von Servette in der 2. Liga interregional gespielt. Im letzten Sommer folgte der Transfer zu YB. Nun ist er bereits EM-Teilnehmer. «Manchmal kann es schnell gehen», sagt er.

Schon zu Beginn des Trainingslagers verkündete er: «Ich bin nicht nur hier, um die Teamkollegen kennenzulernen. Ich habe nichts zu verlieren.» Als Kind verehrte Zakaria den kamerunischen Stürmer Samuel Etoo. Nun bezeichnet er den Franzosen Paul Pogba als sein grosses Vorbild. Im letzten Gruppenspiel trifft die Schweiz auf Frankreich. Als sich das Gespräch ganz zum Schluss um die Frage nach dem Europameister dreht, sagt Zakaria mit einem herzlichen Lachen im Gesicht: «Wir natürlich!»

Die fehlenden Glücks-Momente

Spätestens nach dem Testspiel gegen Belgien war klar, dass es auch Silvan Widmer und Philippe Senderos nicht ins EM-Kader schaffen würden. Widmer habe eine «schwierige Saison» bei Udinese hinter sich, sagte Petkovic. Derzeit haben Captain Lichtsteiner und Lang klar Vorteile. Bei Senderos, dem Schweizer mit der grössten Turniererfahrung, sprach Petkovic vom «verlorenen Selbstvertrauen» und einigen schwierigen Momenten bei GC.

Apropos Vertrauen. Ganz zum Schluss sagte der Nationaltrainer im Hinblick auf die EM noch: «Wer bei mir einen Fehler macht, verliert nicht gleich mein Vertrauen.» Haris Seferovic wird das gerne hören.