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Es kommt zum Eklat: Dominique Aegerter trennt sich von seinem Manager

Dramatische Wende in der Karriere von Dominique Aegerter. Sein erfolgreicher Manager steigt sofort aus. Der Bruder übernimmt vorerst die Geschicke.

Klaus Zaugg
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Dominique Aegerter: Sekptischer Blick in die Zukunft

Dominique Aegerter: Sekptischer Blick in die Zukunft

KEYSTONE/EPA/PAUL BUCK

Es ist zum Eklat gekommen. Robert Siegrist hat nach vier Jahren per sofort seine Zusammenarbeit mit Dominique Aegerter beendet. Mit schönen Worten versuchen beide Seiten, ein tiefes Zerwürfnis zu kaschieren. «Wir gehen nicht im Streit auseinander», sagt der Rechtsanwalt aus Zürich. «Wir werden freundschaftlich verbunden bleiben.» Dominique Aegerter (25) bestätigt die Trennung. «Wir haben in der Sache per E-Mail und Telefon kommuniziert. Ich will dann noch ein persönliches Gespräch.»

Und nun zu den wahren Gründen der Trennung: Robert Siegrist hatte mit dem Team einen neuen Zweijahresvertrag unterschriftsreif ausgehandelt. Aber Dominique Aegerter wies die Vertragsofferte in einem Anflug von Selbstüberschätzung zurück. Er wolle nur einen Einjahresvertrag. Es könne ja sein, dass er 2017 so gut fahre, dass er bessere Offerten von anderen Teams bekomme. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Dominique Aegerter kommt mit seiner Kalex nicht gut zurecht.

Dominique Aegerter kommt mit seiner Kalex nicht gut zurecht.

KEYSTONE/AP/ERIC GAY

Ein Schatten seiner selbst

Was nun? Der Wahnsinn. Dominique Aegerter übt einen der gefährlichsten Berufe der Welt aus. Der kleinste Fehler kann Leben, Gesundheit und Karriere kosten. Er müsste seine ganze Energie aufs Fahren konzentrieren. Doch das schafft er nicht. Das Verzetteln der Kräfte ist einer der Gründe für das Nachlassen im Laufe dieser Saison. In Brünn reichte es zuletzt in einem seiner schwächsten Moto2-Rennen gerade noch zu Platz 17. Der Sieger des GP von Deutschland 2014 ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Er gibt zu: «Ja, ich habe den Kopf nicht frei». Dass er im Gesamtklassement der zweitwichtigsten Töff-WM immer noch auf Position 9 steht, mag zeigen, welches enorme Potenzial er eigentlich hätte.

Der Bruder übernimmt

Robert Siegrist wird vorerst durch Dominique Aegerters Bruder Kevin ersetzt. Aber Kevin Aegerter ist ein temperamentvoller Rock’n’Roller ohne juristische Kenntnisse und ohne diplomatischer Begabung für heikle Verhandlungen. Und es stehen viele heikle Verhandlungen an. Um folgende vier Punkte geht es:

1. Geld. Robert Siegrist hat seinen Schützling zum bestverdienenden Töffstar im Land gemacht. Dominique Aegerter verdient diese Saison sogar leicht mehr als sein Teamkollege Tom Lüthi. Die Einnahmen von etwas mehr als einer halben Million laufen aus steuertechnischen Gründen über eine Firma mit Sitz in Zug. In den nächsten Wochen stehen alle Sponsorverträge zur Verlängerung an. Wichtige Geldgeber kommen aus dem Beziehungsnetz von Robert Siegrist – und werden nun nicht mehr verlängern. Dominique Aegerter riskiert die Halbierung seines Einkommens.

2. Team. Die Träume, anderorts zu ähnlich guten Bedingungen fahren zu können, haben sich zerschlagen. Reuemütig muss Dominique Aegerter beim Schweizer «Dream Team» verlängern und sich mit Manager Fred Corminbeuf wieder vertragen. Er muss froh sein, wenn er nach der überheblichen Ablehnung der ersten Offerte überhaupt zu den gleichen Bedingungen bleiben darf.

3. Cheftechniker. Die Zusammenarbeit mit dem Franzosen Florian Chiffoleau wird nach nur einem Jahr beendet. Aber wer wird sein Nachfolger? Idealerweise ein deutschsprachiger Mann. Dominique Aegerter sagt: «Ich hoffe, es gelingt uns, Alfred Willeke zu verpflichten.» Der ehemalige Cheftechniker von Tom Lüthi (bis 2015) will bis zum GP von England am übernächsten Wochenende Bescheid geben.

4. Markenwechsel. Anders als Tom Lüthi kommt Dominique Aegerter mit der Kalex nicht klar. Nach zwei Jahren auf dem deutschen Fabrikat kehrt er deshalb auf nächste Saison zum Schweizer Töffhersteller Eskil Suter zurück. Aber dieser Wechsel muss noch in vertragliche Formen gegossen werden. Auch da stehen Gespräche an.

Immerhin dämmert Aegerter, dass er am Wendepunkt seiner Karriere steht und sagt: «Eine weitere Saison wie diese kann ich mir nicht leisten.»