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Es ist, wie es ist: Der bei Benfica aus den Traktanden gefallene Haris Seferovic gibt sich wortkarg

Hofft, dass er trotz fehlender Spielpraxis weiter das Vertrauen von Nationalcoach Vladimir Petkovic bekommt: Stürmer Haris Seferovic.

Hofft, dass er trotz fehlender Spielpraxis weiter das Vertrauen von Nationalcoach Vladimir Petkovic bekommt: Stürmer Haris Seferovic.

Der 26-jährige Haris Seferovic fühlt sich unwohl auf dem Podium. Man weiss, es wäre einfacher für ihn, über wichtige Tore zu referieren, statt seine unbefriedigende sportliche Situation zu erklären. Obwohl erst 26 Jahre alt, hat der Stürmer schon viel erlebt in seiner Laufbahn. Ist er deshalb so cool?

Haris Seferovic erweckt nicht den Eindruck, als habe er sich seit langem auf diesen Termin gefreut. Eher griesgrämig mustert er das Dutzend von Journalisten, das vor dem Testspiel gegen Panama in die Swissporarena gekommen ist. Nur, um ihm vermutlich die immer gleichen dummen Fragen zu stellen: Warum kommst du bei Benfica nicht mehr zum Einsatz?

Hast du Angst, deinen Platz in der Nati zu verlieren? Warum triffst du am Anfang immer…
Natürlich kommen alle diese Fragen. Und selbstverständlich wird Seferovic auch darum gebeten, mit dem Abstand von vier Monaten seine Sicht auf die Geschehnisse im Nordirland-Spiel zu erläutern. Als er im St. Jakob-Park von einem kleinen Teil des Publikums ausgepfiffen wurde. Zu diesem Thema schiebt er aber gleich den Riegel: «Dazu sage ich nichts. Es ist, wie es ist.»

Wichtige Tore hat er durchaus geschossen

Aber auch sonst sagt Seferovic wenig bis nichts. Man spürt, er fühlt sich unwohl auf dem Podium. Man weiss, es wäre einfacher für ihn, über wichtige Tore zu referieren, statt seine unbefriedigende sportliche Situation zu erklären. Wichtige, sogar lebenswichtige Tore hat er ja durchaus geschossen in seiner Laufbahn. Er hat Frankfurt mit seinem Treffer gegen Nürnberg in der Bundesliga gehalten; er hat die Schweizer U17 zum Weltmeistertitel geköpfelt; er hat als Joker in seinem dritten Länderspiel in extremis den hoch bedeutsamen Siegtreffer gegen Zypern markiert; und er hat im WM-Spiel in Brasilia gegen Ecuador in der letzten Minute das 2:1 geschossen.

Ja, Seferovic hat durchaus seine Verdienste. Jetzt aber ist er gerade wieder einmal in einer blöden Situation: Die WM steht vor der Tür, doch er bekommt bei seinem Verein Benfica keine Spielpraxis mehr. 14 Minuten in den letzten 15 Ligaspielen sind es genau. Die Situation erinnert an 2014: Auch vor der WM in Brasilien spielte er bei seinem Klub San Sebastian nur selten, bei der Endrunde aber bestritt er alle Partien – eine als Titular, drei als Joker.

Körperlich und mental fit

Rechnet er vielleicht damit, es dank seinen Meriten in Russland erneut ins Team zu schaffen? Oder befürchtet er, es könnte ihm wie Gökhan Inler gehen, der von Petkovic mangels Spielpraxis aussortiert wurde? «Das kann auch passieren. Und wenn es so ist, dann ist es so», sagt Seferovic. Er gibt sich keine Mühe zu erklären, was zwischen ihm und Benfica schiefläuft.

Sagt lediglich, dass der Trainer das System verändert habe und er deshalb nicht mehr spiele. Dass er körperlich fit sei, mental stark und in jedem Training das Beste gebe. Mehr könne er nicht machen, sagt Seferovic. Für ihn kommt es nicht infrage, mit dem Reserveteam von Benfica, das in der zweithöchsten portugiesischen Liga engagiert ist, Spielpraxis zu holen. «Ich gehöre zur ersten Mannschaft, da ist das Niveau besser», sagt er dazu nur. Was natürlich stimmte, wenn er denn spielen würde.

«Ich habe noch nie eine Entscheidung bereut»

Seferovic mimt den Coolen. Er sagt immer wieder: «Es ist, wie es ist. Ich nehme die Situation an.» Und nein, er bereue den Wechsel zu Benfica nicht. «Ich habe noch nie eine Entscheidung bereut», sagt der Surseer, der es in acht Jahren auf acht Klubs gebracht hat. «Bei Benfica gibt es einen grossen Konkurrenzkampf, den ich annehme. Es ist ein Topklub mit grosser Qualität.» Wobei die schwache Champions-League-Kampagne der Adler an dieser Einschätzung zweifeln lässt.

Vier Tore hat Seferovic in den ersten fünf Pflichtspielen für Benfica erzielt. Auch bei Novara Calcio in der Serie B schoss er in drei Monaten neun Tore, bei San Sebastian gelangen ihm in den beiden ersten Spielen zwei Tore, für Frankfurt traf er im ersten Bundesligaspiel gegen Freiburg zum 1:0-Sieg und auch danach noch häufiger, ehe die Torproduktion ins Stottern kam. Warum, Haris, folgt nach einem guten Start immer der Absturz? «Wenn ich mir zu viele Gedanken darüber mache, wird es nur noch schlimmer», sagt Seferovic.

Seferovic hat schon viel erlebt

Obwohl erst 26 Jahre alt, hat er schon viel erlebt in seiner Laufbahn. Ist er deshalb so cool? Einfach bloss abgehärtet von den Launen des Profifussballs? Eine Umfrage von «Bild» hatte einst ergeben, dass 81 Prozent der 11 000 Teilnehmer wollten, dass Frankfurt Seferovic verkauft. Solche Geschichten sorgen bei manchen für ein dickes Fell.

Aber nicht bei allen. Gut möglich, dass sich Seferovic viel cooler gibt, als er ist. Dass unter seiner rauen Schale ein weicher Kern liegt. In Basel hatte er nach den dummen Pfiffen Tränen in den Augen. Aber es ist, wie es ist.

Zum Spiel der Schweizer gegen Panama gab es keine einzige Frage.

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