Wenn am Freitagabend die Schweizer Eishockey-Meisterschaft mit der ersten Vollrunde so richtig beginnt, dann beginnt auch eine neue TV-Ära. UPC hat sich die Rechte an den TV-Bildern für die kommenden fünf Jahre mit insgesamt 177 Millionen Franken teuer erkauft. Mit dem neuen TV-Sender «MySports» will der Fernseh- und Internet-Konzern frischen Wind in die Berichterstattung bringen. Noch näher heran, noch exklusiver, noch spektakulärer, noch innovativer. Gleichzeitig hat sich auch das Schweizer Fernsehen SRF entschieden, verstärkt auf die Karte Eishockey zu setzen und lanciert seinerseits eine exklusive Magazin-Sendung. Das Schweizer Eishockey erlebt goldene TV-Zeiten. Es wird umworben wie eine schöne Frau und mit teuren Geschenken zugeschüttet. Oder anders ausgedrückt. Die Braut wird geschmückt, geschminkt und in wunderbare Gewänder verpackt.

Selbst wenn die Verpackung stimmt, dann hat man noch nicht die Garantie, dass auch der Inhalt passt. Und hier lauert die Gefahr für das Schweizer Eishockey als Ganzes und die NLA (oder neu: National League) im Speziellen. Ist unsere Liga wirklich so gut, wie wir sie verkaufen? Nachdem in der letzten Woche mit dem SC Bern (in Nottingham) und dem HC Davos (in Cardiff) zwei nationale Spitzenklubs in der Champions League gegen Mannschaften aus der viertklassigen britischen Liga unterlegen waren, rieb sich so mancher Beobachter verwundert die Augen. Wie kann es sein, dass unsere fürstlich bezahlten Profis gegen zwei aus mehrheitlich kanadischen Desperados zusammengewürfelte Teams aus einem Eishockey-Entwicklungsland verlieren? Man kann solche Niederlagen als Zufälle oder Betriebsunfälle beurteilen. Man kann sie aber auch kritischer betrachten und zum Schluss kommen: Vielleicht ist unsere Liga eben doch nicht so gut, wie wir es glauben und wie wir sie verkaufen.

Der Spielermarkt ist in der Schweiz notorisch überhitzt

Die Gefahr ist eben latent. Der Spielermarkt ist in der Schweiz sowieso schon notorisch überhitzt. Bereits durchschnittlich talentierte Profis verdienen gerne mal 300 000 Franken pro Saison. Lausanne ist dank der nordamerikanischen Investoren im Hintergrund ein neuer, finanziell potenter Player auf dem Markt, der sich nicht zurückhält mit massiven Angeboten. Mit der zusätzlichen Million, die jeder NLA-Klub dank des UPC-Deals pro Saison erhält, ist sowieso mehr Geld in den Umlauf gekommen. Die Verlockung ist gross, dass auch dieser Batzen eher früher als später auf dem Lohnkonto der Spieler landen wird. Das ist der Lauf der Dinge. Wer beim Wettbieten nicht mitmacht, der hat sportlich keine Chance.

Ob diese Entwicklung für die National League mittelfristig allerdings gesund ist, muss man stark anzweifeln. Die Spielerdecke wird nämlich immer dünner. Die Marke von 20 Schweizer Spielern, die sich in den nordamerikanischen Ligen versuchen, ist schon überschritten. Das ist zwar ein wunderbares Zeugnis für die Fortschritte des Schweizer Eishockeys. Aber die Auswirkungen auf die Liga darf man nicht unterschätzen. Einerseits fehlen gestandene Spieler, andererseits fehlt auch der hochklassige Nachwuchs, der immer früher versucht, in Nordamerika Fuss zu fassen. Die Konsequenz ist, dass die Qualität der Spieler in der NLA tendenziell sinkt, gleichzeitig aber das Lohnniveau steigt, weil der Kampf um das «Resttalent» immer erbitterter wird.

Die Lösung des Problems liegt auf der Hand: Die NLA müsste mittelfristig von zwölf auf zehn Teams reduziert werden. Darunter eine starke NLB (neu: Swiss League) mit ebenfalls zehn Teams. Ein weiterer Ansatz wäre die Heraufsetzung des Ausländer-Kontingents von vier auf sechs Spielern. Damit liesse sich der Schweizer Spielerbedarf auf NLA-Niveau um etwa 60 Mann reduzieren. Das würde einerseits der Qualität zugute kommen, andererseits vor allem den schwer belasteten Kassen der Vereine, die immer noch mehrheitlich defizitär wirtschaften. Es wären Schritte, die dazu führen, dass am Ende nicht nur die Verpackung stimmt, sondern eben auch der Inhalt.