Young Boys
Rang 7, 3 Punkte

Vor einem Jahr lauteten die Fragen an Fredy Bickel: Kann YB wirklich Meister werden? Warum läuft plötzlich alles so gut? Fünf Spiele, fünf Siege, so war das in der Hauptstadt. Jetzt ist alles anders. «Jetzt bin ich halt am Punktesuchen», sagt Bickel mit einem Hauch von Selbstironie. Und erklärt: «Das Verrückte ist: Vor einem Jahr waren die Resultate viel besser als die Spiele. Nun ist es genau umgekehrt.» Das führt zur Frage: Spürt YB bereits die Ungeduld des Umfelds, weil es wieder eine schwierige Saison werden könnte? « Ungeduld ist der falsche Ausdruck», sagt Bickel, gibt dann aber zu: «Ich spüre, wie Nervosität aufkommt, wie sich die Leute beginnen, Fragen zu stellen wie ‹was können wir machen, damit der Erfolg kommt?›» Wenn beispielsweise ein Stewart Bickel nach dem 1:1 im Derby zuruft: «Gib denen endlich mal Zielwasser!» Oder wenn Bickel in der Garderobe die hängenden Köpfe sieht. «Dann wirst du plötzlich selbst nervös, musst aber allen sagen: weiter so! Denn du weisst: Es ist nicht alles schlecht.»

Grasshoppers
Rang 8, 2 Punkte

Kurz vor Saisonbeginn verlängerte GC den Vertrag mit Michael Skibbe vorzeitig um ein weiteres Jahr bis 2016. Dafür gab es gute Gründe. Doch wie stabil ist die Liaison GC/Skibbe wirklich? Präsident Stephan Anliker sagt: «Die Vertragsverlängerung war der Beweis dafür, den Willen nach Kontinuität im Verein in die Realität umzusetzen. Das braucht Vertrauen – und zwar über ein Jahr hinaus.» Eine Entlassung von Skibbe wäre gleichbedeutend mit einem neuerlichen Scherbenhaufen. Das kann sich das gebeutelte GC nicht leisten. Aber was ist schon normal bei GC? Klar ist: Das Team kann derzeit die Abgänge von Gashi und Bürki sowie die Verletzung von Caio nicht kaschieren. Anliker sagt: «Wichtig ist die Entwicklung. Natürlich muss diese irgendwann in Siege münden – ansonsten beginnt man, zu zweifeln. Dann wird es gefährlich.» Aber Zweifel? Nein, Anliker kennt keine Zweifel. «Es ist eher ein Kribbeln. Wir sind uns bewusst, dass wir zwei Saisons eher überklassiert waren. Nun sind wir gespannt auf die Entwicklung.»

Luzern
Rang 9, 2 Punkte

Die Diskrepanz beim FC Luzern ist gross. Hier der neue Torjäger, der mit vier Treffern in sechs Pflichtspielen seine Aufgabe erfüllt – und die Erwartungen sogar noch übertroffen hat. Dort die Mannschaft, die keine einzige dieser Partien für sich entschieden hat, in der Super League auf dem vorletzten Rang liegt und das Ziel Europa League gegen die bescheidenen Schotten von St. Johnstone verpasste. «Wir sollten jetzt nicht alles hinterfragen», sagt Torjäger Marco Schneuwly, der
80 Prozent aller Luzerner Treffer geschossen hat und bisher neben Remo Freuler der einzige Torschütze ist. «Wir spielen und kombinieren gut. Ich bin zuversichtlich, dass die Resultate schon bald stimmen», sagt Schneuwly. Zudem sei er schon lange genug dabei, um sich von einer solchen Phase nicht nervös machen zu lassen. «Klar wird der Druck von Spiel zu Spiel grösser. Wir können damit aber umgehen.» Mit der Möglichkeit einer Niederlage in Vaduz und dem Fall in die Krise befasst sich Schneuwly gar nicht erst: «Der erste Sieg ist fällig.»

Vaduz
Rang 10, 1 Punkt

Natürlich hätte sich Giorgio Contini vorstellen können, dass der FC Vaduz nach vier Spielen mehr als nur einen Punkt auf seinem Konto hat. Selbst wenn die Erwartungen vor der Saison beim Aufsteiger gewiss kleiner waren als bei allen anderen Klubs in der Super League. So ist man im Fürstentum im Gegensatz zu YB, GC und Luzern weit davon entfernt, sich im Falle einer weiteren Niederlage in einer Krise zu sehen. «Wir sind noch in keinem der vier Spiele chancenlos gewesen», sagt der Vaduzer Trainer. «Selbst beim 1:4 gegen den FCZ nicht. Da wurde uns das reguläre 2:0 verweigert.» Contini denkt, dass die Defensive seiner Mannschaft ihren Job gut macht. «Im Spiel nach vorne sind wir aber noch zu verhalten. Wir müssen schneller umschalten.» Mit der Einstellung seines Teams ist er sehr zufrieden. «Es wehrt sich solidarisch. Die Punkte werden kommen. Hoffentlich schon heute gegen Luzern.» Falls nicht, werde Vaduz nicht in Aktionismus verfallen. «Wir vertrauen unserem Weg», sagt Contini.