Tennis
Erstes Match nach dem Triumph in Australien: Roger Federers Fragen im siebten Himmel

Der Schweizer kehrt in Dubai – einen Monat nach seinem Triumph in Melbourne – mit einem Sieg auf die Tour zurück.

Simon Häring
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Roger Federer ist nach seinem sensationellen Sieg beim Australian Open gut in das nächste Turnier gestartet.

Roger Federer ist nach seinem sensationellen Sieg beim Australian Open gut in das nächste Turnier gestartet.

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

30 Tage liegen die bangen Sekunden zurück, als das Hawk-Eye bestätigte, dass Roger Federers Vorhand im Final der Australian Open beim Matchball gegen Rafael Nadal auf der Linie gelandet war.

Obwohl er seither kein Turnier bestritten hat, fällt es ihm noch immer schwer, zu verstehen, was in diesen «magischen zwei Wochen» am anderen Ende der Welt und nach sechsmonatiger Pause passiert ist. «Wenn ich zurückdenke, frage ich mich: Ist das wirklich passiert?» Noch immer fühle er sich wie im siebten Himmel.

7:5, 2:6, 6:2, 6:2 gegen Melzer Im ersten Ernstkampf seit Wimbledon und nach 203 Tagen bezwingt Federer mit dem Österreicher Jürgen Melzer (35) einen alten Weggefährten. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich so nervös sein würde», sagt Federer danach. «Ich bin einfach nur froh, zurück zu sein.»
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7:5, 6:3, 7:6 gegen Rubin Obwohl er ohne Satzverlust bleibt, stellt sich Federer nach dem Sieg gegen den Qualifikanten Noah Rubin (20) Fragen: «Es ist toll, in drei Sätzen durchzukommen, aber ich wünschte, ich könnte noch mehr Gutzi geben!» Er weiss, dass in der 3. Runde ein echter Gradmesser wartet.
6:2, 6:4, 6:4 gegen Berdych Federer liest das Spiel des Tschechen, als wäre es ein offenes Buch. Während er bei seinem Spiel wenig auszusetzen hat, kritisiert er Berdych: «Er hat sehr schwach retourniert. Von einem Top-Ten- Spieler hätte ich schon mehr erwartet», sagt Federer nach der Demontage.
6:7, 6:4, 6:1, 4:6, 6:3 gegen Nishikori Nach der sechsmonatigen Pause fehlt Federer die Gewissheit, dass sein Körper fünf Sätze übersteht. Der Sieg gegen Kei Nishikori, die Nummer 5 der Welt, gibt ihm diese. «Ich spiele besser und besser. Aber mit der Hand an der Bremse. Ich weiss ja nicht, wie mein Körper reagiert.»
6:1, 7:5, 6:2 gegen M. Zverev Erstmals seit Juni 2012 kann Federer die Partie nach einem gewonnenen Fünfsätzer für sich entscheiden. Gegen Murray-Bezwinger Mischa Zverev (29) bleibt er sogar ohne Satzverlust. «Dass ich so weit gekommen bin, ist für mich selber eine riesige Überraschung», sagt er.
7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3 gegen Wawrinka Im zweiten Schweizer Grand-Slam-Halbfinal verspielt Federer eine 2:0-Satzführung und muss sich wegen einer Verletzung an den Adduktoren behandeln lassen, gewinnt aber und verspricht: «Ich gebe alles, auch wenn ich danach nicht mehr gehen kann.»
6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3 Erstmals seit fast zehn Jahren und erstmals ausserhalb Wimbledons besiegt Federer seinen Erzrivalen Rafael Nadal bei einem Grand-Slam-Turnier und feiert seinen 18. Major-Titel. «In einer Million Jahren hätte ich nicht damit gerechnet, dass ich hier den Titel hole», sagt er.

7:5, 2:6, 6:2, 6:2 gegen Melzer Im ersten Ernstkampf seit Wimbledon und nach 203 Tagen bezwingt Federer mit dem Österreicher Jürgen Melzer (35) einen alten Weggefährten. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich so nervös sein würde», sagt Federer danach. «Ich bin einfach nur froh, zurück zu sein.»

Die Sieben ist eine Zahl, die ohnehin eng mit seiner Karriere verbunden ist. Sieben Mal hat er Wimbledon gewonnen, sein Lieblingsturnier. Sieben Mal hat er auch an seinem Zweitwohnsitz Dubai triumphiert, dorthin kehrt er nun zurück.

Es ist eine Rückkehr mit Fragezeichen. Seit über einem Jahr stand er nie mehr an zwei Tagen in Folge auf dem Platz. «Ich hoffe, dass ich dieses Problem bekomme, denn es heisst, dass ich Matches gewinne. Erst im April weiss ich, wo ich wirklich stehe», sagte Federer vor dem Turnier. Bis vor wenigen Tagen plagten ihn Schmerzen im Oberschenkel.

Er könne sich kaum bücken, der Rücken sei steif. Beim vor einem Jahr operierten linken Knie müsse er ohnehin aufpassen, weil er es nicht richtig biegen könne, hatte der Baselbieter nach dem 18. Grand-Slam-Erfolg gesagt.

Erst vor wenigen Tagen stieg er wieder voll ins Training ein. «Eine Unsicherheit besteht. Ich muss in den nächsten Tagen herausfinden, was ich meinem Körper abverlangen kann. Es beginnt wieder bei Null.»

So wird Roger Federer bei seiner Ankunft am Flughafen in Zürich empfangen.
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Auf Tuchfühlung: Der Maestro und ein Fan.
Roger Federer landete am Mittag in Zürich.
Unzählige Fans heissen den Maestro am Flughafen willkommen.
Der 18-fache Grand-Slam-Sieger grüsst die Fans.
Die Siegestrophäe vom Australian Open war natürlich mit dabei.
Ein Foto mit den Fans.
«King Roger» muss viele Fragen beantworten.
Alle wollen einen Blick auf Federer erhaschen.
Alle wollen einen Blick auf Federer erhaschen.

So wird Roger Federer bei seiner Ankunft am Flughafen in Zürich empfangen.

Keystone

Natürlich habe er nach Melbourne viel Selbstvertrauen. Eine Karte, die er gestern auch gegen den Franzosen Benoit Paire (39, ATP 27) ausspielt. Federer setzt sich mit 6:1, 6:3 durch. Sein Achtelfinal-Gegner wird erst heute ermittelt. Seinen ersten Einsatz hat auch Titelverteidiger Stan Wawrinka (31, ATP 3), der zuletzt wegen einer Knieverletzung auf Rotterdam verzichten musste und sich im Gegensatz zu Federer kaum in der Öffentlichkeit zeigte.

Dieser erholte sich in Valbella, wo seine Kinder Ski fuhren. Er selber ist seit 2008 nicht mehr auf der Piste gewesen. «Ich habe zu viel Angst vor Verletzungen. Schon nur die schweren Skischuhe anzuziehen, wäre schwierig. Mein Knie ist diesen Druck nicht gewöhnt», sagte Federer. Stattdessen entführte er die Replika des AustralienPokals, den Norman Brooks Challenge Cup, für ein Fotoshooting in die Berge.

Dazwischen verfolgte Federer den Abfahrts-Triumph von Beat Feuz an der Ski-WM in St. Moritz und geriet ab der Leistung der Fahrer ins Schwärmen. «Die Mentalität beeindruckt mich tief. Es ist enorm, welches Risiko sie auf sich nehmen.» Später war er zu Gast in der Sendung «Running Wild» des englischen Abenteurers Bear Grylls.

Vergangene Woche flog Federer für einen Tag in die tschechische Hauptstadt Prag, um für den Laver Cup die Werbetrommel zu rühren. Der Teamwettbewerb zwischen einem Team Europa und einem Team Restwelt, angelehnt an den aus dem Golf bekannten Ryder Cup, wird im September erstmals ausgetragen. Als Veranstalter firmiert die Boutique-Agentur Team 8, bei der Federers Manager Tony Godsick die Fäden in der Hand hält, und bei der er selber Teilhaber ist.

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