30 Tage liegen die bangen Sekunden zurück, als das Hawk-Eye bestätigte, dass Roger Federers Vorhand im Final der Australian Open beim Matchball gegen Rafael Nadal auf der Linie gelandet war.

Obwohl er seither kein Turnier bestritten hat, fällt es ihm noch immer schwer, zu verstehen, was in diesen «magischen zwei Wochen» am anderen Ende der Welt und nach sechsmonatiger Pause passiert ist. «Wenn ich zurückdenke, frage ich mich: Ist das wirklich passiert?» Noch immer fühle er sich wie im siebten Himmel.

Die Sieben ist eine Zahl, die ohnehin eng mit seiner Karriere verbunden ist. Sieben Mal hat er Wimbledon gewonnen, sein Lieblingsturnier. Sieben Mal hat er auch an seinem Zweitwohnsitz Dubai triumphiert, dorthin kehrt er nun zurück.

Es ist eine Rückkehr mit Fragezeichen. Seit über einem Jahr stand er nie mehr an zwei Tagen in Folge auf dem Platz. «Ich hoffe, dass ich dieses Problem bekomme, denn es heisst, dass ich Matches gewinne. Erst im April weiss ich, wo ich wirklich stehe», sagte Federer vor dem Turnier. Bis vor wenigen Tagen plagten ihn Schmerzen im Oberschenkel.

Er könne sich kaum bücken, der Rücken sei steif. Beim vor einem Jahr operierten linken Knie müsse er ohnehin aufpassen, weil er es nicht richtig biegen könne, hatte der Baselbieter nach dem 18. Grand-Slam-Erfolg gesagt.

Erst vor wenigen Tagen stieg er wieder voll ins Training ein. «Eine Unsicherheit besteht. Ich muss in den nächsten Tagen herausfinden, was ich meinem Körper abverlangen kann. Es beginnt wieder bei Null.»

Natürlich habe er nach Melbourne viel Selbstvertrauen. Eine Karte, die er gestern auch gegen den Franzosen Benoit Paire (39, ATP 27) ausspielt. Federer setzt sich mit 6:1, 6:3 durch. Sein Achtelfinal-Gegner wird erst heute ermittelt. Seinen ersten Einsatz hat auch Titelverteidiger Stan Wawrinka (31, ATP 3), der zuletzt wegen einer Knieverletzung auf Rotterdam verzichten musste und sich im Gegensatz zu Federer kaum in der Öffentlichkeit zeigte.

Dieser erholte sich in Valbella, wo seine Kinder Ski fuhren. Er selber ist seit 2008 nicht mehr auf der Piste gewesen. «Ich habe zu viel Angst vor Verletzungen. Schon nur die schweren Skischuhe anzuziehen, wäre schwierig. Mein Knie ist diesen Druck nicht gewöhnt», sagte Federer. Stattdessen entführte er die Replika des AustralienPokals, den Norman Brooks Challenge Cup, für ein Fotoshooting in die Berge.

Dazwischen verfolgte Federer den Abfahrts-Triumph von Beat Feuz an der Ski-WM in St. Moritz und geriet ab der Leistung der Fahrer ins Schwärmen. «Die Mentalität beeindruckt mich tief. Es ist enorm, welches Risiko sie auf sich nehmen.» Später war er zu Gast in der Sendung «Running Wild» des englischen Abenteurers Bear Grylls.

Am Tag nach seinem Sieg: Roger Federer präsentiert seinen Pokal

Am Tag nach seinem Sieg: Roger Federer präsentiert seinen Pokal.

Nach der Siegesfeier spazierte das Schweizer Tennis-Wunder mit seiner Trophäe durch einen Park in Melbourne.

Vergangene Woche flog Federer für einen Tag in die tschechische Hauptstadt Prag, um für den Laver Cup die Werbetrommel zu rühren. Der Teamwettbewerb zwischen einem Team Europa und einem Team Restwelt, angelehnt an den aus dem Golf bekannten Ryder Cup, wird im September erstmals ausgetragen. Als Veranstalter firmiert die Boutique-Agentur Team 8, bei der Federers Manager Tony Godsick die Fäden in der Hand hält, und bei der er selber Teilhaber ist.

Roger Federer mit Tomas Berdych in Prag.

Roger Federer mit Tomas Berdych in Prag.